was von hinter’m Zaun

Auch wenn Ungarn ja nun schon seit mehr als 10 Jahren zur EU gehört und sogar noch länger NATO-Mitglied ist, hat sich mein Gefühl bisher nicht geändert, daß das da was ganz anderes als z.B. Österreich ist. Obwohl (oder vielleicht deshalb) ich ja vor gut zwei Jahren zuletzt dort war. Diese kulturelle Grenze habe ich tatsächlich noch im Kopf. Es gibt aber auch Leute, die diese Grenze bewußt überwinden. Gerade auch im Weinbau gibt es z.B. einige Winzer, die mit deutschem Migrationshintergrund in Ungarn Weingüter übernommen oder neu aufgebaut haben. Und dann gibt es Franz Weninger. Dessen -österreichisches- Weingut liegt im Mittelburgenland in Horitschon, das ist gerade mal 9 km von der österreichisch-ungarischen Landesgrenze bzw. 14 km von Balf, an der Südspitze des Neusiedlersees in Ungarn, entfernt. Dort ist der Sitz des ungarischen Teils von Franz Weningers Wein-, hmm, was eigentlich? Weinimperium? Egal. Jedenfalls habe ich mir nach einem Glas eines weniger freudenspendenden Weins gestern noch den

2011er Kékfrankos – Balf – dry, Weninger, Soproni

aufgemacht. Das ist quasi der spontan vergorene Bio-Blaufränkisch-Ortswein aus Balf, der für gerade mal 8 Euronen über die Gutstheke geht bzw. ging.

Die Farbe im Glas ist blutrot, leicht ins violette gehend, mäßig transparent. In der Nase gleich sehr waldbeerig, Heidel- und Brom- vor allem. Dazu 45er Milchschokolade (ich hatte mal eine aus Guatemala, an die mich der Wein erinnert hat) und zwar nicht gerade wenig davon. Ein bißchen Braunwürze kommt auch noch mit, leicht Zimt und Anis. Am Gaumen recht wenige Tannine, die die da sind, sind sehr samtig und warm am Gaumen. Auch hier einige Waldbeeren, jedoch deutlich weniger als in der Nase, hier regiert mehr die würzig-mineralische Seite. Und zwar auch in Form der erwähnten Schokolade, es kommen jedoch noch ganz leichte Leder- und Tabaknoten dazu. Mit der prägnanten, aber feinen Säure kommt noch eine schöne Pomeranzennote dazu, etwas Tamarinde vielleicht noch. Und – als wenn’s noch nicht genug wäre- ein paar herbe Steinchen bauen sich auch langsam auf, wenn man den Schluck länger im Mund behält. Der Abgang ist im Mehrminutenbereich fruchtig-würzig und zeigt auch hier seine Steinchen mit leicht anschwellender Intensität.

Dieser Blaufränkisch von der ungarischen Seite ist einer dieser Weine, die auf schöne Weise leicht, gehaltvoll und eigenständig in einem sind. Was bemeckerbares habe ich nicht gefunden. Ich hatte hier mindestens fünfmal so viel Spaß wie mit dem Wein, der vorher im Glas war (siehe oben). Ist aber auch kein Wunder, er war ja auch gut fünfmal so billig. Ganz großes Kino im Low-Budget-Bereich, eigentlich nicht nur da!

Meine Wertung: Nachkauf: 3/3, Gesamt 20/25

2 comments on “was von hinter’m Zaun

  1. Ich glaube einmal gelesen zu haben, dass das Gebiet um Sopron während der K&K Zeit für die besten Rotweine des damaligen Österreichs bekannt war… Dein Bericht bestätigt das Potenzial!

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    • Franz Weninger schreibt dazu auf seiner Heimseite:

      Kékfrankos (Blaufränkisch) ist die Rebsorte von Sopron. Hier hat sie ihren Ursprung. Während der letzten Jahre erlangte diese Sorte viel internationale Anerkennung, wohingegen sie in Ungarn noch immer ein Außenseiter ist. Für lange Zeit war der Kékfrankos hier unverstanden und wurde falsch behandelt. Niemand kümmerte sich darum, bis mein Vater 1997 den ersten Top-Blaufränkisch kelterte.

      Es gibt tatsächlich Berichte, wonach Soproni in der weiteren Region seit dem 14. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Weinbaugebiete zählte. Im 20. Jahrhundert ging wohl viel den Bach ‚runter, was nun wieder mühsam aufgepäppelt werden muß.

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