11. Weinrunde in / um München

Die nunmehr schon 11. Weinrunde fand letzten Freitag mal wieder innerhalb der Münchener Stadtgrenze statt, da wo man bequem mit der U-Bahn hin- und wieder wegkommt. Diesmal zum Glück wieder ausverkauft und ohne leere Stühle. Das Thema lautete ganz einfach: „Südtirol“, wobei alle in dieser Region entstandenen Weine in beliebiger Farbe an den Start gehen konnten. Das erhöhte die Qual der Wahl für mich deutlich, denn Südtirol ist in meinem Keller recht intensiv vertreten. Letztlich bin ich dann ein bißchen einer bekannten bzw. erhofften Vorliebe des diesmaligen Gastgebers gefolgt.

Zu Beginn aber traditionell zwei Einsteigerweine außerhalb des Wettbewerbs, wobei der erste aber thematisch bereits voll zum Thema paßte:

Wein A: 2015er Gemischter Satz – Upupa Weiss – Weinberg Dolomiten IGT, Abraham, Südtirol

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Der weiße Upupa (entspricht bedeutungsmäßig dem auf der Flasche abgebildeten Wiedehopf) besteht aus im gemischten Satz angebauten Trauben, wobei vom Weingut ein Verhältnis von 65 % Weißburgunder, 30 % Sauvignon Blanc sowie für die restlichen 5 % Gewürztraminer und Riesling angegeben wird. Das Ganze wird gemeinsam gelesen und gekeltert. Dazu noch spontane Gärung und oxidativer Ausbau im großen Holzfaß, fertig ist der eigenwillige Wein, so wie eben der Wiedehopf (frei gemäß Beschreibung des Weinguts).

Im Glas ein helles Goldgelb, in der Nase reifes Kernobst, mit der Zeit deutlich zunehmende Braunwürze. Am Gaumen sticht beim Kernobst vor allem die Quitte heraus, die Braunwürze offenbart sich mit Muskatblüte, Nelke und Sternanis, dazu ein leichtes Steinbett. Mit etwas Zeit meint man, der GT-Anteil beträgt wenigstens 15 bis 20 %, was mit der Wirklichkeit (s.o.) aber nicht übereinstimmt. Die Säurestruktur kann ich nur vorbildlich nennen, der Abgang ist recht lang und dabei fruchtig-würzig auf der frischen und leicht cremigen Seite.

Ein echt grandioser Einstieg, sehr eigenständig für einen Südtiroler Wein!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

Wein B: 1985er Riesling – Graacher Himmelreich – trocken – Qw, Kees-Kieren, Mosel

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Aus meiner „Überraschungskiste“ habe ich was mitgebracht, von dem ich nicht sicher war, ob es noch trinkbar ist. Hätte auch gut was für den Ausguß sein können, aber: No risk, no fun! Das Weingut existiert nach wie vor, aus der Lage „Graacher Himmelreich“ werden jedoch keine trockenen Weine mehr gekeltert, diese stammen nun mehrheitlich vom „Graacher Domprobst“.

Im Glas ein für das Alter des Weins erstaunlich helles Goldgelb, sogar mit leicht grünlichen Reflexen. Geruchlich zeigen sich reife Ananas und Mirabelle, nur ganz wenige petrolige Anteile. Am Gaumen grüne Äpfel, Williamsbirne, etwas feuchter Keller, herb-feuchte, bemooste Steine, immer noch recht frisch am Gaumen, allerdings ist der Riesling hier nicht mehr so dicht wie zuvor in der Nase. Der Abgang ist mittellang, dabei säuerlich-fruchtig mit leichten Petrolnoten.

Niemand aus der Runde hätte dem Wein blind sein Alter von 30 Jahren zugeschrieben. Insofern eine erstaunliche Erfahrung. Auch wenn der Riesling insgesamt dann doch nur Mittelmaß war, schön war’s trotzdem

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

Nun die „Wettbewerbsweine“:

1. Wein: 2010er Gewürztraminer – Südtirol Brixner Eisacktaler DOC, Köfererhof, Südtirol

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Im Glas ein recht deutliches Goldgelb. In der Nase recht intensiv fruchtig: vor allem Bratapfel und Orangenzesten, dazu Muskat und Anis. Am Gaumen in hoher Dichte Orangen- und Grapefruitzesten, Mirabellen, Lychee, diverse Blumen, viel Braunwürze. Dazu eine kräftige, schön korrespondierende Säure, die den fetten Extrakt wieder schön in Richtung „Frische“ trimmt, auch wenn man den GT sicher nicht als frisch im Wortsinn bezeichnen kann. Das Ganze schwebt auf einem erdig-steinigen Untergrund und macht den Eindruck, daß das Ganze im großen Holz entstanden ist. Der Abgang ist von einiger Länge, dabei recht dicht würzig-fruchtig ohne dabei für mich belastend zu wirken.

Ich hatte hier ja schon des öfteren kundgetan, daß mir reinsortige GT’s meist „too much“ sind, bei den „kühlen“ Vertretern dieser Sorte -wofür das Eisacktal ja durchaus steht- holt die Säure diese Rebsorte dann aber manchmal soweit von ihrem opulenten Podest herunter, daß es mir dann auf einmal sehr viel Spaß macht, da gehört dieser Wein klar dazu!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Rev. 1: Der GT hat bei einer späteren Verkostung sogar noch etwas zugelegt…

2. Wein: 2015er Weissburgunder – Südtirol DOC, Kellerei Terlan, Südtirol

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Die Farbe ist ein helles Goldgelb. In der Nase erst mal eine dezente gelbe Sauvignon-Note, ganz leicht Stachelbeere -die aber recht schnell wieder verschwindet-, Netzmelone, etwas weiße Johannisbeere, dazu leicht Dill und Estragon. Am Gaumen ebenfalls Netzmelone, etwas dropsig, ein bißchen Maoam, dann mürbe Äpfel. Die Säure ist etwas lustlos, dafür zeigt sich eine leichte Cremigkeit, die auf ein paar Steinen daherschwimmt. Der Abgang ist zwar recht lang, macht aber auf mich einen etwas unausgewogenen, fast anstrengenden Eindruck.

Ich dachte zuerst an einen SB, später an einen Kerner, WB kam mir gar nicht in den Sinn. Dieser Basis-Weißburgunder der an sich von mir recht geschätzten Kellerei war in meinen Augen zwar interessant und mit etwas Luft dann auch ganz gut zu trinken, aber ein Nachkaufkandidat wird dieser Wein bei mir eher nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

3. Wein: 2013er Riesling – Südtirol Vinschgau DOC, Falkenstein, Südtirol

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb mit leichten grünen Reflexen. In der Nase gleich Feuerstein und roter Phosphor, dahinter einiges an Kernobst und heller Honig. Am Gaumen sehr frisch wirkend, etwas gerbstoffig, die Fruchtseite bietet frische Feigen und etwas reifere Abate-Birnen sowie ein bißchen Grapefruit. Dazu eine deutliche Braunwürze, gepaart mit einem deutlichen, leicht herben Steinhaufen, wunderschöne Säurestruktur. Der Abgang ist recht lang, dabei dicht fruchtig mit einiger, aber nicht anstrengender Würze.

Riesling ist in Südtirol ja keine so häufig angebaute Rebsorte, die Weine daraus haben auch wenig mit dem zu tun, was man aus D oder A so kennt. Aber viele dieser Berg-Rieslinge sind für sich gesehen ganz großartige und eigenständige Weine und der mit dem Falken gehört für mich da absolut dazu!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

4. Wein: 2015er Weissburgunder – Praesulis – Südtirol DOC, Gumphof, Südtirol

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Dieser Wein ist hell goldgelb im Glas. Geruchlich zeigen sich Kaktusfeige und Honigmeldone, wirkt etwas dropsig. Am Gaumen in erster Linie mürber Apfel, Netzmelone, auch Kaugummi, leicht cremig, die Säurestruktur ist wenig begeisternd, daher wirkt der WB etwas klebrig. Der Abgang ist mittellang, deutlich auf der fruchtigen Seite, dabei leicht süßlich.

Ich war etwas entsetzt, als der Wein „enttarnt“ wurde, da ich den „Praesulis“ letztes Jahr an Ostern in der 2014er Variante bereits im Glas hatte und gerade wegen dem schönen Extrakt-Säure-Spiel begeistert war, das hier aus meiner Sicht arg in die Hose gegangen ist. Schade!

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 10 von 25

5. Wein: 2015er Teroldego Rotaliano – Castel Firmian – Teroldego Rotaliano DOC, Mezzacorona, Trentino

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Knapp am Rande des Themas bewegt sich dieser „Pirat“, der Ort Mezzocorona ist zwar nur ein paar Kilometer von der Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino entfernt, aber der Teroldego ist eben doch ein „Italiener“.

Im Glas zeigt sich jedenfalls ein dunkles Granatrot mit geringer Transparenz, in der Nase einiges an Himbeere, etwas Johannisbeere, dazu Kakao und Vanille. Am Gaumen wenig Tannin, dennoch adstringierend, wieder Himbeeren plus Blumenwiese, daneben Kakao, speckiges Leder und etwas Heftpflaster. Zum Abgang kann ich nur sagen, daß er sehr kurz ist.

Der Wein kostet nur ca. 6 Euronen pro Flasche, obwohl der Wein schon aus der gehobeneren „Castel Firmian“-Linie kommt; für das Geld bekommt man im benachbarten Südtirol fast gar nichts, selbst „Kalterersee“ oder „St. Magdalener“ ist meist teurer. Insofern bekommt man schon recht viel für’s Geld, zum bewußten Genießen ist es mir aber dann doch zu wenig, vor allem der praktisch nicht vorhandene Abgang kostet Punkte.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 12 von 25

6. Wein: 2012er Lagrein – Riserva – Südtirol DOC, Castell Sallegg, Südtirol

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Die Farbe ist ein sehr dunkles Rubinrot mit nur geringer Transparenz am Glasrand. Das Bukett zeigt schwarze Kirschen und etwas Waldfrucht, dazu etwas Vanille und Karamell. Geschmacklich erst mal recht wenige Tannine, schlanke und doch irgendwie dichte Frucht (Waldbeeren, Himbeeren), etwas Karamell, leicht staubig. Dazu 70er Schokolade, Ledertasche und Vanille. Die Säure steht recht isoliert da, was den Lagrein etwas kantig macht, ganz hinten am Gaumen schwingt ein leichtes Grapefruitbitterchen mit. Der Nachhall hallt mittellang, nach einer eher kurzen Fruchtphase macht sich ein eher staubig-mineralischer Eindruck breit.

Lagrein ist sehr häufig nicht so mein Freund, aber abseits von meinen stilistischen Vorlieben bzw. Abneigungen ist dieser Rebsortenvertreter auch etwas unaufgeräumt in meinen Augen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

7. Wein: 2004er Pinot Noir – Krafuss – Südtirol DOC, Alois Lageder, Südtirol

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Die Farbe ist hier ein schon leicht bräunliches Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Geruchlich gleich eine intensive Kirschnote (dunkle und helle), ganz leicht rumtopfig, aber auf der angenehmen Seite, dazu deutlich, aber nicht übertrieben Vanille und Tabak. Am Gaumen intensiv Kirschen und Pflaumen, wieder Vanille, leicht Ledertasche. Sehr schön hier die Säurestruktur, die dem extraktreichen und doch schon leicht gereiften PN eine erstaunliche Frische spendiert, dazu ordentlich Kiesel als Unterlage. Dennoch ist der Wein mit einer schönen, eleganten Cremigkeit versehen, hoher Flutschfaktor. Der Abgang ist sehr lang, dicht fruchtig, mit super balancierter Holzwürze.

Dieser Spätburgunder ist jetzt wohl da angelangt, wo er immer hin wollte. Ob er sich noch geringfügig steigern kann, sei mal dahingestellt, in der jetzigen Kondition ist er jedenfalls großartig: geschmeidig, rund, dicht, frisch und lang. Auf der Spaßleiter sind wir hier schon recht weit oben!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

8. Wein: 2008er Lagrein – Riserva – Südtirol DOC, Kiemberger, Südtirol

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Die Farbe ist rebsortentypisch tiefdunkel und praktisch nicht transparent. In der Nase leicht Sauerkraut, das sich zwar im Laufe der Zeit etwas, aber nicht ganz zurückzieht. Die Fruchtseite eher verhalten in Form von dunklen Kirschen, dazu Lavendel und Veilchen, die Holzseite kommt etwas undifferenziert daher, einzige Assoziation von mir war Rauchfleisch. Mehr als ein Mitglied der Runde fand auch Salatgurke, mein Glas hat die allerdings nicht hergegeben. Am Gaumen eine mittlere Tannindichte, deutlich Eisen und Aluminium, auf der Fruchtseite Schattenmorellen, ein paar schärfere Kräuter wie Koriander, 90er Schokolade, dazu eine nicht übertriebene, aber kantige Säure. Der Abgang ist von einiger Länge, dabei herb-bitter-metallisch.

Objektiv eigentlich ein schöner Lagrein, der die Typizität der Rebsorte gut transportiert, ist aber voll subjektiv gesehen nicht so sehr meine Richtung. Das ist einer der Weine, die durch einige andere Mitglieder der Runde wohl deutlich besser als durch mich eingestuft wurden.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

Das war’s soweit für’s Hauptprogramm, jetzt noch zwei „Rausschmeißer“:

Wein C: 2012er Shiraz Grenache – d’Arry’s Original – McLaren Vale, d’Arenberg, South Australia

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Im Glas ein sehr dunkles Granatrot, kaum transparent. Das Bukett zeigt sich etwas verhalten, dunkle Kirsche, leicht staubig, zurückhaltende Holznoten. Am Gaumen eine mittlere Tanninstruktur, dennoch recht pelzfördernd, ziemlich scharfe Säure, deutlich metallisch. Auch der Abgang ist aus meiner Sicht hauptsächlich scharf und kantig bei mittlerer Länge.

Das ist nun so gar nicht meins…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 9 von 25

Wein D: 2015er Riesling – Gleisweiler – Buntsandstein – trocken – Qw, Weingut Sauer, Pfalz

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Nicht nur in Franken gibt es Sauer’s, auch in der Pfalz gibt es ein Weingut mit diesem Namen.

Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, in der Nase ein leicht restsüßer, fruchtiger Charakter, Mirabellen und eine nicht ganz reife Aprikose zeigen sich. Am Gaumen anfangs noch etwas prickelig, leicht gerbstoffig, auf der Fruchtseite hauptsächlich leicht herber Apfel und Limettenbonbon, aufgrund der aus meiner Sicht nicht ausgewogenen Säurebalance leider etwas klebrig. Der Abgang wirkt in erster Linie leicht restsüß, dabei auch adstringierend, insgesamt ein bißchen anstrengend für mich.

Mit einem entsprechenden Essen kann ich den Wein zwar noch ganz gut trinken, solo geht er aber für mich nicht, da müßte bei der Säurestruktur noch deutlich nachgebessert werden.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 10 von 25

Fazit:

Es gab überwiegend ganz schöne bis ausnehmend schöne Weine, wobei die Mitte aus meiner Sicht ein bißchen fehlte. Der ein oder andere Saft entsprach zwar nicht so ganz meinen persönlichen Vorlieben, was aber der Qualität der meisten Weine keinen Abbruch tut. Das heißt, die von mir vergebenen -sehr subjektiven- Wertungen hätte der ein oder andere aus der Runde sicher deutlich über- bzw. auch unterboten, was sich aus den einzelnen Kommentaren der Teilnehmer zu den Weinen ableiten läßt. Weiter war sehr erfreulich, daß die Runde diesmal besonders locker und entspannt bis lustig-ausgelassen ablief und nicht zum akademisch-trockenen Wettstreit verkam. Aber das Problem hatten wir zum Glück bis jetzt noch nie und ich hoffe, daß das auch zukünftig so bleibt!

Zum Abschluß nochmals vielen Dank an unseren Gastgeber, der uns vor allem auch in kulinarischer Hinsicht vorbildlich beglückt hat!

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