Bierzelt meets Jazzclub

In meinen Regalen tummeln sich auch einige musikalische Experimente, die recht eigenständig in der Musikgeschichte dastehen, soweit ich das beurteilen kann. Heute Mittag war mal wieder so ein Experiment dran, diesmal aus Österreich:

Wolfgang Puschnig – Alpine Aspects

Bierzelt meets Jazzclub, Volksmusik vs. Funk, Amateur gegen Profi. So könnte man das Ganze kurz und knapp beschreiben. Die „Gegner“ sind die „Amstettner Musikanten“ unter der Leitung von Robert Pussecker und die Jazz-Solisten Wolfgang Puschnig (as), Jamaaladeen Tacuma (e-b), Bumi Fian (tp), Jon Sass (tub), Thomas Alkier (dr) sowie Linda Sharrock (voc). Wolfgang Puschnig möchte gemäß seinen Anmerkungen zu dem Album das Ergebnis nicht als bloße Kombination von Volksmusik und Jazz verstanden wissen. Für ihn ist die Musik

„das Resultat von Phantasie, erinnerter Tradition und einer Vorliebe für bestimmte Musiker und ihre Art, mit Musik umzugehen“

Wie hört sich das Ganze an? Erstaunlich flüssig und stimmig! Auch wenn die Blaskapelle schon des öfteren mal tonal etwas daneben liegt oder es etwas hakelig oder ungelenk wird bzw. wirkt. Im Kontext mit dem -teils auch etwas freieren- Jazz klingt es dann allerdings eher nach Avantgarde denn falsch. Die einen ziehen die anderen mit und insgesamt hört man auch den Spaß an der Freud‘ heraus. Bilde ich mir jedenfalls ein.

Ein nicht alltägliches Experiment, aber auch ein geglücktes aus meiner Sicht. Dieses Album stammt aus dem Jahr 1991, 17 Jahre später gab es wieder ein Zusammentreffen der Amstettner Musikanten mit Wolfgang Puschnig: „Alpine Aspects – Homage to O.C.“, wobei Free-Jazz-Legende Ornette Coleman mit den Initialen gemeint ist. Stelle ich sicher auch irgendwann mal vor…

Meine Wertung: 3/4

Werbeanzeigen

6 comments on “Bierzelt meets Jazzclub

  1. In der Jugend habe ich die dörfliche Blasmusikkapelle verlassen, weil das Spektrum mir zu konservativ und das Spielniveau gar zu niedrig war.
    Das hier hätte mich vermutlich begeistert. Meine Güte, wie kommt man denn an sowas?

    Gefällt mir

    • Ich habe die CD 1993 neu gekauft, höchstwahrscheinlich beim „Ludwig Beck am Rathauseck“ in München. Das ist ein hier bekanntes Geschäft für Damenbekleidung. Der Besitzer hat sich irgendwann mal darüber geärgert, daß es in München kaum noch sinnvolle Möglichkeiten zum Einkauf von Klassik- und Jazz-Platten gab und hat dann im obersten Stockwerk des Hauses angefangen, diese Genres selbst zu vermarkten. Anfangs ganz klein und sogar nur Jazz, soweit ich mich erinnere, mittlerweile ist dieser Bereich ziemlich groß geworden und eine feste Größe für solche Sachen in München.

      Ich kannte damals vor allem den E-Bassisten Jamaaladeen Tacuma und hab‘ deshalb auch immer wieder Sachen von und mit ihm angehört, irgendwann hatte ich dann auch dieses Album in der Hand.

      Gibt’s wohl nur noch gebraucht, z.B. hier: https://www.discogs.com/de/sell/release/1426975?ev=rb

      Gefällt mir

  2. Es ist doch schon zu lange her, dass ich in München gearbeitet habe (1979-1991), da gab es noch ein Geschäft für HiFi-Anlagen – ein mehrstöckiges Haus. Da habe ich mir gleich 1979 eine kleine Anlage (naja, hat damals immerhin 3000 DM gekostet, ist auch heute noch toll) gekauft und die hatten auch eine Wahnsinnsauswahl an Platten.
    Ludwig Beck als Musikladen? Toll, beim nächsten Besuch eine mögliche Anlaufstelle.

    Ganz weit weg: Eine ganze Zeit hat mich jetzt Van Morrison beschäftigt. Ist der ein Thema für dich? Ein festes Beuteschema hast du ja glücklicherweise nicht 🙂

    Gefällt mir

    • Das war dann wohl der Elektro-Egger in der Gleichmannstraße in Pasing, die hatten ein recht große Plattenauswahl und separat ganz oben unter’m Dach in einem schlauchigen, hohen Raum den ganzen Jazz & Co. Das war auch gleich noch der Sitz des Plattenlabels ECM, das gehörte zusammen. Der Elektrohandel wurde irgendwann aufgegeben, ECM hat heute seinen Sitz in Gräfelfing und ist ein reines Plattenlabel ohne Publikumsverkauf von eigenen und / oder Fremdauflagen. Nach der Schließung wurde der Leiter der Eggerschen Plattenabteilung auch von Ludwig Beck für dessen Geschäft angeworben und hat da noch lange gearbeitet.

      Van Morrison kann ich durchaus gut hören, aber ich hab‘ keine Platten von ihm, da er nicht so im Kern meines Interesses steht. Nur welche, bei denen er bei einzelnen Stücken als Komponist auftaucht, z.B. für Tupelo Honey auf „Cassandra Wilson – Blue Light ‚Til Dawn“…

      Gefällt mir

  3. Van Morrison ist mir auch erst seit ein paar Jahren bekannt; ein Golffreund hat mich drauf gestoßen und er liegt meinem eher melancholisch geprägten Naturell hervorragend.
    Nur noch so als Nachsatz: Egger kann es nicht gewesen sein. Es war irgendwo in der Nähe des Hauptbahnhofs. Mein Arbeitsplatz war beim Königsplatz und von da aus musste ich direkt am Bahnhof vorbei. Hab gerade nochmal an den Geräten nachgeschaut: Es ist kein Firmenschild drauf, aber nach 40 Jahren und 4 Umzügen kann man das auch nicht mehr erwarten.
    Egal, ich schmarotze jetzt ein wenig in deinen Schätzen und fühle mich sauwohl dabei 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s