Die Leidenschaft

Gestern Abend mal wieder was aus dem österreichischen Donauraum:

2012er Riesling – die Leidenschaft – trocken – Qw, Arndorfer, Kamptal

„Die Leidenschaft“ bezeichnet beim Weingut von Martin & Anna Arndorfer eine Reihe von Weinen, die nach deren Ansicht individuell und eigenständig sein sollen. Beim Riesling ist das herausstechende Merkmal der Ausbau im Barrique. Auf der Heimseite findet man dazu folgende Erläuterung:

Wie verrückt muss man sein, um Riesling ins Barrique zu stecken? Ein bisschen schon, aber auch nicht so viel, wenn die Weingärten die entsprechenden Trauben liefern und wir es verstehen das richtige Barrique zu wählen. Der Grundstein für diesen Wein wächst in zwei verschiedenen Weingärten in den Ersten Lagen Strasser Gaisberg und Strasser Wechselberg. Der Charakter des Bodens und demnach auch der Traube entscheidet über den Ausbau. Eigentlich ganz einfach und gar nicht so verrückt! Es ist unser facettenreichster Wein im Haus, den Sie selbst erleben sollten.

Na gut, Riesling im Barrique ist nicht jedermanns Sache und auch nicht jeder Winzer beherrscht das in der Weise, daß es mir dann auch schmeckt. Wobei ich dem Thema offen gegenüberstehe, wenn der Holzeinsatz mit Augenmaß erfolgt. Also mal sehen…

Die Farbe ist ein leicht mattes Goldgelb mit Schlag ins Ocker, ganz leicht perlend. In der Nase eine angenehme Würze in Form von etwas Koriandersaat und Nelke. Fruchtseitig sehr gelb und dicht, Aprikose und Khaki gepaart mit Erika- bzw. Waldhonig. Am Gaumen wird die fast opulente Frucht von einer kleinen reduktiven Note und ein paar Gerbstoffen begleitet, weiters fast kandierte Grapefruit mit leichtem Bitterchen, auch hier Honig, aber deutlich heller, Korianderhonig könnte passen. Die Braunwürze kommt mit einem leicht herben Touch sowie ein bißchen süßem Pfeifentabak daher. Der sehr intensive Extrakt wird durch die Säure noch ganz gut in Schach gehalten, die diesem Riesling eigene Cremigkeit verbunden mit nicht wenig Fruchtsüße wirkt jedenfalls nicht anstrengend, fordert aber doch ein bißchen. Der Abgang ist ausladend, dabei angenehm auf der fruchtig-würzigen Seite, mit einiger Fruchtsüße versehen, wieder begleitet von der oben erwähnten kleinen reduktiven Note.

Dies ist wirklich ein recht eigenwilliger Riesling, sicher nicht jedermanns Geschmack, weniger wegen der deutlichen, aber wohldosierten Holzaromatik, sondern eher wegen der leicht reduktiven, gerbstoffigen Charakteristik. Dazu schielt er mit seiner ausgeprägten, aber gut eingebundenen Fruchtsüße etwas in Richtung Mosel. Aber nur was das Süße-Säure-Spiel anbelangt. „Typisch Kamptal-Riesling“ ist das Ganze natürlich nicht, deshalb offiziell „nur“ aus Niederösterreich und ohne DAC-Status. Mir gefällt’s aber trotzdem!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

10 comments on “Die Leidenschaft

    • Ja, auf jeden Fall was absolut eigenes. Riesling-Typizitäts-Verfechter werden allerdings höchstwahrscheinlich ihre Augen sehr stark verdrehen..,
      Würde mich interessieren, wie sich die beiden anderen Jahrgänge präsentieren!
      VG Erich

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      • Ich lasse sie noch eine Weile liegen. Ich fand diese gewisse Süße sehr aufregend, fand aber sie muss sich noch mehr integrieren als ich die letzte 13er vor 8 Monaten aufgemacht hab. Im Kussmaul in Wien hatten sie 2011 auf der Karte (und ich im Glas), vielleicht hat das jetztige Restaurant den Wein mit übernommen.

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        • Das Süße-Säure-Spiel fand ich bei diesem Jahrgang jetzt sehr schön, eben fast schon moselig. Was aber nicht heißt, daß es mit ein bißchen weiterer Zeit im Keller noch gewinnen kann. Mal sehen…

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            • Na ja, ich kann’s letztlich nicht beurteilen, da ich noch keinen Vergleich zu den anderen Jahrgängen genau dieses Weins habe. Jahrgangsmäßig betrachtet kann ich zwar allgemein meine Schlüsse ziehen, dementsprechend traue ich z.B. dem Hyperjahrgang 2015 in einigen Regionen recht wenig Reifung zu, auch gerade im Donauraum gibt es schon einige Weine mit einem leichten Säureproblem. Aber eben auch welche ohne diese Problematik. Ob die Arndorfers also in 2012 besonders gut gearbeitet haben oder ein 2010er z.B. aufgrund jahrgangsbedingt vielleicht höherer Säurewerte da erheblich mehr drauf hat, vermag ich nicht einzuschätzen. Aber vielleicht erfahre ich es ja noch…

              Gefällt 1 Person

  1. Arndorfer gefällt auch mir sehr gut – den „Leidenschaft“ Riesling kenne ich nicht, allerdings habe ich den 13er „Leidenschaft“ GV und den 13er „von den Terassen 1979“ Roter Veltliner getrunken (und jeweils noch ein paar Flaschen im Keller) – beide sehr zu empfehlen..
    Hast Du noch andere Weine von Arndorfer gekauft/probiert?
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ich habe bei „225 Liter“ hier in München (gehört 2 Mitgliedern unserer Weinrunde) noch den Riesling und den GV „Strasser Weinberge“ sowie den Gemischten Satz gekauft. Mal sehen, wann die im Glas landen. Die anderen Leidenschaften sowie der „1979“ waren gerade aus, aber da werde ich wohl auch irgendwann nochmal zugreifen…
      VG Erich

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      • Lohnt sich bestimmt 🙂
        Wollte auch schon seit längerem etwas von Arndorfer nachkaufen – die „per se“ und der GM „von den Terrassen 1958“ würden mich interessieren…
        Aber aktuell ist Weinkaufen aber echt nicht angesagt, zu viel gekauft, Keller ist schon übervoll und vier 6er Kisten 2014 Burgunder aus einer Sub kommen auch noch in den nächsten Wochen an….

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        • Tja, immer diese Luxusprobleme. Kenn‘ ich auch! Vor allem muß man das Zeug ja auch irgendwann mal wegtrinken können, nach Möglichkeit, bevor es sich auf dem absteigenden Ast befindet. Zumal bei mir die Weißen überwiegen und die dann im Mittel doch nicht so lange durchhalten wie die Roten… 😦

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