Orts-Lump – Nachtrag

Obwohl der Escherndorfer Lump ja eine Einzellage ist, gibt es bei Horst Sauer auch den

2015er Riesling – Escherndorfer Lump – trocken – Ortswein, Horst Sauer, Franken

in der Liga unterhalb der eigentlichen Lagenweine. Eine „Erste Lage“ sowie ein „GG“ gibt es von dort natürlich auch, aber die Weinbereitung dieses Rieslings erfüllt entweder einfach nicht alle Anforderungen an eine „Erste Lage“ oder man will schlicht und einfach die Ortsweinebene nicht vernachlässigen und sie trotzdem mit dem Lagennamen etwas aufwerten. An den notwendigen Oechsles kann’s meiner Amateurmeinung nach jedenfalls nicht liegen, denn für 12 Umdrehungen, die dieser Riesling hat, braucht man mindestens 89 kleine Ochsen und die Grenze zur Ersten Lage liegt bei 85. Bleibt noch die Ertragsmenge. Wie auch immer, mal sehen, was dieser Orts-Lump so kann:

Die Farbe ist ein eher helles Goldgelb mit einem leicht grünlichen Schimmer, in der Nase anfangs verhalten, nach etwa 15 Minuten dann ein frisch-dichtes Bukett aus Ananas, Äpfelchen und gelb-grünen Zitrusfrüchten. Wenn man noch länger wartet, entwickelt sich auch eine leichte Kräuterigkeit und der mineralische Eindruck verstärkt sich. Am Gaumen auch recht frisch und leicht prickelig, Limone, Zitrone und Pampelmuse zeigen sich von der extraktreichen und dabei bitterstofffreien Seite, dazu noch leicht Ananas und Karambole sowie ein paar grüne Kräuter in Richtung Kerbel und Estragon. Die Säure ist recht kernig und noch jugendlich ungestüm, dahinter eine leichte Sodamineralik. Mit etwas Luft im Glas zeigt sich aber auch ein Anflug von eleganter Cremigkeit. Der Abgang ist fruchtig-frisch, bewegt sich hauptsächlich auf der Zitrusseite und macht mehrere Minuten Freude, ohne daß sich irgendwann störendes Beiwerk zeigt.

Nachdem ich aus anderen Ecken in letzter Zeit ein paar 2015er hatte, die deutliche Schwächen im Bereich des Süße- (bzw. Extrakt-) Säure-Spiels aufwiesen, freue ich mich umso mehr, hier mal wieder ein Paradebeispiel im Glas zu haben, an dem man sieht, daß auch warme Jahre frische und schlanke, aber doch gleichzeitig gehaltvolle Weine hervorbringen können. Vor allem mit etwas Luft fehlt praktisch nichts mehr, um mit vielen Ersten Lagen frischerer Prägung mithalten zu können, somit aus meiner Sicht auch preislich recht attraktiv.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 18/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Ganz generell hat der Wein seit gestern durchgehend an Intensität zugelegt. In der Nase nun auch ein paar hellwürzige Noten, am Gaumen ist die erwähnte Cremigkeit kein reiner Anflug mehr, sie nimmt aber auch der Frische nicht die Butter vom Brot. Reicht für eine Hochstufung aus…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

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