13. Weinrunde in / um München

Am letzten Samstag fand unsere Runde Nr. 13 statt, diesmal wieder bei Manuel im Münchener Umland. Das Thema ließ diesmal wieder recht viel Raum, es lautete „Amerika“, wobei der gesamte Kontinent von Alaska bis Feuerland gemeint war. Da mußte ich glatt was extra für diese Runde besorgen, da mein Keller diesbezüglich nichts zu bieten hatte. Ich bin halt doch eher Europäer…

Prolog:

Zum Einstieg traditionell was zum warm werden; da wir beim Inhaber eines kleinen, aber feinen Handels für portugiesische Weine zu Gast waren, stammen die Flaschen für Pro- und Epilog allesamt aus diesem Land:

0. Wein: 2016er Alvarinho / Trajadura – Torre de Menagem – Monção e Melgaço – Vinho Verde DOC, Quintas de Melgaço, Minho

20170311_223124

Im Glas ein recht helles Strohgelb, ziemlich stark perlend. Geruchlich erst ein bißchen verhalten: etwas grüner Apfel, Honigmelone, gelbe Kiwi; wird mit der Zeit aber deutlich intensiver. Am Gaumen sind die Äpfel etwas mürber, dazu kommen auch Birne und Zanzibar-Ananas sowie reife Kaktusfeige. Der Extrakt ist recht deutlich, dazu eine frische, kernige, aber dennoch nicht aufdringliche Säure, ein leichtes Kiesbett gibt’s auch. Der Abgang ist relativ lang und bietet vornehmlich frische Exotik.

Schöner, unkomplizierter, aber doch schon anspruchsvoller Zechwein, der auch verwöhntere Gaumen durchaus staunen läßt, vor allem des geradezu lächerlichen Preises wegen; den wird’s bei mir sicher öfter geben!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama:

Nun die „Wettbewerbsweine“:

1. Wein: 2016er Chardonnay – Elemental – Reserva – D.O. Valle Casablanca, Viñedos Emiliana, Aconcagua

20170311_223238

Dieser Chardonnay stammt von einem -laut Angabe auf dem Rückenetikett- ca. 922 ha großen Bio-Weingut. Das ist nun doch etwas größer als das mit gut 220 ha größte deutsche Weingut. Welches ist das? Egal! Aber mit großhandeltypischer Bio-Wabe und Fair-Trade-Siegel, ist das tatsächlich was, was sich vom Massenwein-Stil absetzen kann?

Im Glas ein mittleres Goldgelb. In der Nase vorneweg Holz mit alter Ledertasche, etwas Rauch, Vanille, dahinter einige reifere gelbe Früchte, jedoch anfangs wenig differenziert; später erkenne ich Birne und Feige. Am Gaumen relativ cremig, die Fruchtseite zeigt sich mit Banane, reifem Pfirsich und Marula, dazu ein paar herb wirkende Gerbstoffe, die an Maracuja erinnern. Mineralik gibt’s keine, Säure nur recht wenig, mit der Zeit wird der Chardonnay auch eher dicker und damit etwas anstrengender. Zum doch recht  langen Abgang fällt mir im wesentlichen die bereits o.g. Banane ein.

Für einen einfacheren Chardonnay fehlen mir deutlich Frische und Klarheit der Struktur, für einen gewichtigeren, cremigen Bruder fehlt es dagegen an Extrakt; so schwebt dieser Wein ein bißchen verloren zwischen den Extremen und kann sich nicht so richtig entscheiden, habe ich das Gefühl. Wahrscheinlich versucht er einfach, es allen recht zu machen…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

2. Wein: 2012er Riesling – Eroica – Columbia Valley, Chateau Ste. Michelle, Washington

20170311_223316

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, für die Nase gibt’s anfangs deutlich Terpentin, welches aber nach kurzer Zeit vollständig verschwindet. Dann zeigen sich recht konzentriert Zitrus in Form von Orange und Mandarine sowie Eukalyptushonig. Am Gaumen ist der Riesling leicht phenolisch, der Honig stammt hier vom Rosmarin, Zitrus gibt’s in Form von ordentlich Blutorange und Mineloa, fast kandiert. Es kommt viel Fruchtsüße an, dennoch wirkt der Wein aufgrund der perfekten Säurestruktur aber trocken. Schiefer gibt’s auch noch, nicht gerade wenig übrigens. Der ellenlange Abgang strotzt vor Zitrus-Fruchtsüße, aber auch hier keine Spur von Klebrigkeit.

Das kann doch nichts anderes als ein Riesling „mit trockener Geschmacks-charakteristik“ von der Saar sein, dachte ich mir. Die Tatsache, daß das Weingut Dr. Loosen hier mitmischt, dürfte einiges erklären. Ganz großes Riesling-Kino, designed in Germany, made in USA: braucht sich vor den Großen Gewächsen bzw. Großen Lagen von Saar und Mosel absolut nicht zu verstecken!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

3. Wein: 2015er Chardonnay, Panamera, California

20170311_223408

Die Farbe ist ein dunkleres Goldgelb. In der Nase intensiv Aprikose, Mandarinenzesten, etwas Thymianhonig, nur leicht Holz in Form von Lakritz. Am Gaumen dann Teer, Eisen, Bakelit, Buchenholz, dann auf der Fruchtseite hauptsächlich frittierte Banane. Recht wenig Säure, dafür sehr cremig und fast etwas mehlig. Der Nachhall ist zwar lang, aber etwas anstrengend, da vor allem deutlich braunwürzig mit herb-bitterer Note.

Dieser Chardonnay wirkt auf mich etwas unaufgeräumt, betont für meinen Geschmack die Holzseite zu sehr und wirkt fast etwas widerspenstig, vor allem, wenn der Wein ein bißchen offen ist. Also schnell wegtrinken!

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

4. Wein: 2012er Zinfandel – Old vine, Bogle, California

20170311_223704

Dieser Wein ist dunkel granatrot im Glas, dabei mäßig transparent. Geruchlich zeigt sich erst verhalten, dann dichter Kirsche, etwas Waldbeere, noch später auch Pflaume. Das Holz zeigt sich eher dezent in Form von Vanille und Kakao. Am Gaumen dann recht viel Würze vernehmbar, leicht Eisenjodid, wenig Tannin, kaum Frucht, mittlere Säurestruktur. Im Laufe der Zeit zeigen sich dann auch hier ein paar Pflaumen, 70er Schokolade gibt’s dann auch noch. Der ordentlich lange Abgang zeigt vor allem Steine, Jodid und Dörrpflaume.

Anfangs konnte ich mit diesem Zinfandel wenig anfangen, nach einiger Zeit entwickelt sich der Wein dann doch zu einem objektiv gar nicht mal so schlechtem Tröpfchen, ganz warm geworden bin ich dennoch nicht mit ihm, dazu hat die Frische einfach Nachholbedarf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

5. Wein: 2009er Cabernet Franc – Reserve, Alto de la Ballena, Maldonado

20170311_153553

Im Glas zeigt sich ein sehr dunkles Rot, kaum transparent, in der Nase Pflaume, Feige, Datteln sowie leicht rote Paprika, dazu 60er Schokolade, Vanille und Thymian. Am Gaumen zeigen sich deutlich Tannine, die sind aber schon recht weichgeklopft, ein wenig Adstringenz gibt’s auch noch. Dann wieder Pflaume, Feige, die kleine Paprika ist hier eher grünlich, weiters haben wir etwas Vanille, wenig Tabak und Leder im Angebot. Dazu ein recht schöner Säurebogen. Der Abgang ist sehr lang und warm, hier wieder die dichte Frucht, gepaart mit einer angenehmen Würze und etwas Thymian.

Meiner erster Uru-Wein ever, und er war absolut keine Enttäuschung! Die Paprika sowie die kräuterige Note lassen den Wein keinesfalls grün erscheinen, diese harmonieren sehr gut mit den „fetteren“ Fruchtaromen; so kommt -unterstützt durch die schöne Säure- keine „Marmeladigkeit“ auf.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

6. Wein: 2012er Malbec – Valle de Uco, Atamisque, Mendoza

20170311_223859

Die Farbe ist hier fast schwarz, Transparenz is‘ nicht. Das Bukett zeigt ebenso schwarze Sachen in Form von S-Kirsche und S-Johannisbeere, das Holz hier eher zurückhaltend in Form von Teer und Mahagoni. Geschmacklich: ordentlich Tannine, dabei aber nur mäßig pelzig, leicht süßliche Frucht wieder in Richtung Schwarzkirsche sowie Pflaume, ganz leicht Metall. Dem deutlichen Extrakt steht nur mittelmäßig viel Säure gegenüber, dennoch fließt der Malbec ganz gut. Der Abgang lebt von der süßlich-herben Frucht bei guter Länge.

Ein schöner, gar nicht so dicker Dickwein, vielleicht muß ich doch mal ein zünftiges Asado machen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Epilog:

Soweit also das Hauptprogramm, jetzt geht’s mit den portugiesischen Rausschmeißern weiter…

7. Wein: 2015er Reserva – Touriga-Nacional / Baga – Bairrada DOP, Ataíde Semedo, Beiras

20170311_224101

Die Farbe ist hier ebenfalls fast schwarz bei kaum Transparenz. Geruchlich eine dichte, rote Frucht, Schwarzkirschen, etwas schwarze Johannisbeere und auch Brombeere, dazu etwas Kakao, Leder und Tabak. Am Gaumen einige Tannine, trotz der Jugendlichkeit des Weins aber schon recht samtig. Die Frucht ist hier auch recht amtlich vertreten, dabei leicht herb, aber dennoch saftig. Die Säure nahe der Perfektion, der Wein schwebt auf einem deutlichen Steinbett und etwas Pfeffer gibt’s obendrauf auch noch. Der Abgang ist von schöner Länge, zeigt eine interessante Mischung aus „fruchtig-herb“ und etwas Extraktsüße.

Ich kenne von diesem Gut bereits den „einfachen“ Roten, aber was hier für gerade mal 14 Euronen pro Flasche geboten wird, ist nochmal ein Stück erstaunlicher. Das war nicht die letzte Flasche dieses Weinchens in meinen Gläsern, hoffe ich…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

8. Wein: 2014er Vinho Tinto – Cuvée – Beira Interior DOC, Quinta do Cardo, Beiras

20170311_225247

Dieser Tinto ist eine Cuvée aus Touriga Nacional, Tinta Roriz und Touriga Franca.

Im Glas ein recht dunkles Rubinrot, wenig transparent. Das Bukett zeigt deutliche grüne Noten: Brennessel, Distel sowie Menthol. Am Gaumen gar nicht mal so viele, aber recht weiche Tannine, nur wenige Fruchtnoten, dafür aber eine verwegene Mischung aus Pfefferminz, den oben beschriebenen Sachen sowie Tee, fast auch ein bißchen Earl Grey mit entsprechend Bergamotte. Eine angenehme Säurestruktur hält das Ganze schön flüssig. Der Nachhall ist bei mittlerer Länge wieder von Pfefferminze, Tee und Kräutern geprägt.

So eine Aromenkombination hatte ich auch noch nicht im Glas! Klingt recht krude, ist aber echt spannend und macht Freude!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

9. Wein: Sotto Voce – Ruby Reserve – Porto, Burmester, Douro

20170311_232151

Ganz zum Schluß dann noch was Süßes:

Die Farbe ist fast schwarz, in der Nase zeigen sich vor allem süße Pflaume und etwas Kirsche. Am Gaumen süß-trocken-herb, dicht Preiselbeere, wenig Pflaume. Ziemlich opulent, dennoch recht flüssig. Eine sehr lang nachhallende Preiselbeere -warm und leicht lakritzig- läßt einen erst nach einigen Minuten wieder den Geschmack mit einem neuen Schluck auffrischen.

Rote süße Sachen gibt’s bei mir ja nicht so häufig, weil mir auch meist die Begleitung dazu fehlt. Aber ab und zu so ein Gläschen macht schon Laune…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Fazit:

Es gab diesmal einige recht schöne Weine, vor allem auch im „Rahmenprogramm“; vielen Dank nochmals an unseren Gastgeber! Im „Wettbewerb“ und insgesamt für mich war ganz klar der USA-Riesling der Wein des Abends! Wirkliche Enttäuschungen waren zum Glück keine dabei, dafür einige Weine, deren (niedrige) Preise uns dann doch in Erstaunen versetzten.

Die nächste Runde, deren Termin schon feststeht, wird dann zur Abwechslung mal wieder ein Rebsortenthema haben, näheres verrate ich aber noch nicht…

Und zu guter Letzt: meckern erlaubt, schließlich gab es auch ein paar kontroverse Wahrnehmungen zu einzelnen Weinen; meine Wertungen dürften sich auch nicht ganz mit den Vorlieben einiger Teilnehmer decken…

Werbeanzeigen

2 comments on “13. Weinrunde in / um München

  1. Sehr schönes Thema (für mich), nur schade, dass gerade Kalifornien mit den beiden „einfacheren Massenweinen“ imho nicht sonderlich gut repräsentiert war….. da geht mehr auch für „kleines Geld“ 😉
    VG Patrik

    Gefällt mir

    • Hallo Patrik,
      das glaube ich gerne, daß bei den Kaliforniern auch mehr hinsichtlich PLV geht. Ich wüßte allerdings auch nicht ohne größeres Nachdenken bzw. Recherchieren, wo ich da zugreifen sollte, weil das Thema „Amerika“ dann doch recht „weit weg“ für micht ist. Und da bin ich bezogen auf die Rundenmitglieder wohl nicht alleine. Insofern freut es mich, daß ich mit meinem Griff nach Uruguay nicht so ganz falsch gelegen bin. Aber immerhin kamen die Amis ja mit dem Riesling letztlich wirklich sehr gut weg…
      VG Erich

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s