Qualität aus Wien

Mit Wiener Wein hatte ich bis jetzt wenig Berührungspunkte, der letzte war zwar ganz nett, aber mehr auch nicht. Jetzt wollten wir gestern mal sehen, ob die Hauptstadt von A auch etwas spannendere Sachen zu bieten hat:

2015er Grüner Veltliner – Reisenberg – trocken – Qw, Jutta Ambrositsch, Wien

Der Reisenberg ist eine Einzellage auf der rechten Seite der Donau, also südwestlich des dortigen Donaulaufs, zu Grinzing gehörig. Diese gehört nicht zu den aktuell ausgelobten 12 „Ersten Lagen“ in der Region Wien, die die größeren Winzer der Stadt unter sich ausgekartelt haben. Ob diese Lage nun besser oder schlechter als die o.g. „Ersten“ einzustufen ist, kann ich allerdings nicht einschätzen. Ich sag‘ jetzt einfach mal was zum Wein selbst:

Die Farbe ist ein dichteres Goldgelb mit einem kleinen Touch Orange, für die Nase gibt’s gleich von Beginn an erhebliche Mengen an reifen Aprikosen und Marulas, dazu auch leicht braunwürzige Noten, die sich im Laufe der Zeit etwas verstärken. Am Gaumen zeigen sich die Früchte ebenfalls recht opulent, diese werden von Waldhonig, Lakritze, Vanille, schwarzem Pfeffer, Bakelit und etwas durchgebrannter Sicherung begleitet. Die Säure ist eher moderat vertreten, dadurch ergibt sich eine leichte Cremigkeit, die jedoch dem Gehalt angemessen ist. Der Abgang ist ellenlang und dabei würzig-fruchtig mit deulicher Fruchtsüße, die jedoch nicht klebrig wirkt.

Dieser GV wäre, wenn er z.B. aus dem benachbarten Weinviertel käme, sicher eine „DAC Reserve“, so ist er „nur“ ein profaner Qualitätswein, da der DAC-Status in Wien nur dem Gemischten Satz zusteht; dort ist ein reinsortiger Grüner Veltliner wohl wieder nicht typisch genug. Wer das verstehen soll, weiß ich nicht…

Der „Reisenberg“ verändert sich ständig im Mund, vor allem habe ich die Fruchtsüße immer wieder anders wahrgenommen. In einem Moment schabte sie fast ein bißchen an den Schleimhäuten, beim nächsten Schluck habe ich sie als sehr geschmeidig wahrgenommen. Auch die Braunwürze wandelt sich ständig bezüglich der Gewichtung ihrer Bestandteile; mal ist die oben genannte Sicherung (incl. angekokeltem Duroplast-Kunststoffgehäuse) vorne, mal eher die Lakritze. Auch wenn man den GV völlig unangestrengt trinken kann, würde ich doch einen Tick mehr Säure auf den Wunschzettel schreiben, vielleicht wird dies ja mit einem etwas kühleren Jahrgang erfüllt. In jedem Fall aber eine sehr schöne Erfahrung mit Wein aus Wien!

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

4 comments on “Qualität aus Wien

  1. Hallo Erich,
    von Ambrositsch habe ich auch schon einen Wein gekauft, probiert und noch ne Flasche im Keller – 2012er GS Sommeregg Alte Reben. Deine Beschreibung des GV Reisenberg erinnert mich sehr an diesen Wein – etwas kritischer ausgedrückt: Etwas diffus im Hiblick auf die Fruchtsüße (und zu wenig Säure um das auszugleichen) aber trotzdem nicht unspannend aufgrund der Wandelbarkeit im Glas. Trortdem eher kein Nachkaufkandidat für mich – nach der letzen Flasche Sommeregg wars das für mich mit dem Weingut.
    Schönen Abend
    Patrik

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    • Moin moin Patrik,
      finde ich interessant, wie du diesen (anderen ) Wein erfahren hast. Ich hatte ja aufgrund mehrfacher nicht ganz so guter Erfahrung mit 2015er Weinen aus dem Donauraum schon gewisse Bedenken bezüglich der Säurestruktur bei dieser Flasche. Ich war dann eher überrascht, daß der GV eigentlich gar kein Problem mit der Säure hat. Er ist zwar absolut kein „Säuremonster“, aber bei einem Smaragd- / DAC-Reserve-Äquivalent paßt für mich eine gewisse Cremigkeit häufig ganz gut und hier hat es mir bzw. uns sehr gefallen. Ich habe dann zwar etwas auf eher hohem Niveau geklagt, daß er mit einem Tick mehr Säure NOCH schöner wäre, aber Spaß hat er dennoch gemacht. Ich würde es daher schon noch mal wagen, vorzugsweise aus kühleren Jahren…
      Schon alle Eier gefunden?
      VG Erich

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      • Kühlere Jahrgänge helfen bestimmt bei diesem „Stil“ der Weinbereitung und wirklich schlecht war der Sommeregg auch nicht… nach Deiner Grundwertung für mich halt nur eine „1“.
        Eier hab ich keine gefunden, noch nicht mal eins gegessen, stelle ich gerade fest. Naja dafür hab ich aber die Weine für die zwei verbleibenden frohe Tage schon im Keller gefunden 🙂 .
        Und hast Du schon alle Eier und Weine zusammen für heute und morgen?

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        • Ist absolut nachvollziehbar, je nach Stimmung hätte ich selbst vielleicht auch deutlich anders werten können. Vielleicht hat mich auch beeinflußt, daß der GV meiner besseren Hälfte außerordentlich gut geschmeckt hat.
          Eier sind alle eingesammelt, zum Brunch gab’s was Schäumendes, Assistenz bei der Lego-Montage geleistet. Bezüglich der weiteren Weinauswahl gibt’s zwar eine Vorselektion, aber final entschieden ist noch nichts…

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