Gaja für Arme – Relaunch

Nach längerer Zeit gab es gestern mal wieder einen schönen Anlaß, die letzte Flasche des seinerzeit nicht so ganz günstigen

2010er [Chardonnay] – Rossj-Bass – Langhe DOC, Gaja, Piemonte

zu öffnen. Zuletzt war ich von dem Wein eigentlich ganz angetan, kam aber doch zu dem Schluß, daß er für das, was er bietet, deutlich zu teuer ist. Mal sehen, ob das immer noch so ist:

Im Glas ist der Chardonnay mit einem schönen, recht dichten Goldgelb gesegnet. Für die Nase gibt’s vornehmlich eine recht weiche Holznase mit Vanille und Karamell, etwas Honig kommt mit. Geschmacklich ist die Fruchtseite auch nicht überbordend, reife Birnen, etwas kandierte Aprikose und einen kleinen Bananentouch finde ich vorrangig, dann wieder das sehr schön ausbalancierte Honig-Holz-Gemisch. Der Rossj-Bass baut zwar einigen Druck am Gaumen auf, die Aromatik erscheint dennoch recht filigran, die Säurestruktur hält den Wein bei eher geringer Cremigkeit schön auf der frischen Seite. Auch der Abgang macht recht lange Freude, hier sind die Früchte wieder etwas weniger relevant.

Durchaus ein sehr schöner Chardonnay, der in der Runde auch recht gut ankam, aber ich hatte auch schon ähnlich gute oder sogar bessere Rebsortenkollegen im Glas, die deutlich weniger als die Hälfte des Preises für diese Flasche gekostet haben. Deshalb bleibt es bei der meinerseits verhaltenen Nachkaufwertung:

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Hier noch der Text der Verkostung vom 26. Dezember 2014:

Vielleicht ist es dem ein oder anderen schon mal so ergangen, daß man doch mal mit einer Flasche von Italiens hochdekoriertem Weingut von Angelo Gaja -im Gambero Rosso immerhin das Weingut mit den mit Abstand meisten 3 Gläser-Auszeichnungen- geliebäugelt hat, aber die Hemmschwelle aufgrund der nicht ganz geringen Preise von mindestens 150 EUR aufwärts für eine Flasche Barolo oder Barbaresco dann doch nicht überwunden werden konnte.

Im „181“, dem Restaurant im Münchener Fernsehturm, habe ich dann mal was Weißes von Gaja probieren dürfen und fand den Wein dann doch so ansprechend, daß ich mir daraufhin tatsächlich ein paar Flaschen

2010er Chardonnay – Rossj-Bass – Langhe DOC, Gaja, Piemonte

für besondere Gelegenheiten besorgt habe.

Weihnachten habe ich jetzt mal als besondere Gelegenheit eingestuft und wieder eine der Fläschchen geöffnet. Die auf dem Etikett vermerkten 14 Umdrehungen und die strahlend kräftige Farbe, die auch einem gehaltvolleren Honig gut stehen würde, deuten schon darauf hin, daß dies kein leichter Bruder ist. Eigentlich bin ich ja kein großer Freund von Chardonnays, die im Neuholz ausgebaut wurden, hier stört mich das erkennbare Holzaroma jedoch gar nicht, mag sein, daß die Kombination mit den Honig- und Vanillearomen besser paßt als bei anderen Chardonnays. Die dem Wein attestierten Zitrus- und Ananasnoten habe ich jedoch nicht vordergründig erkannt, eher relativ frische Birnenaromen, was mir bei dieser Sorte wiederum besser gefällt. Ist vielleicht jahrgangstypisch. Das Ganze kommt mit ziemlich viel Druck in die Nase und den Gaumen, trotzdem wirkt der Wein recht frisch.

Insgesamt ein für die Preisklasse erfreulich untypischer Chardonnay, da sich der Holzeinsatz doch in moderaten Grenzen hält. Ein durchaus charaktervoller Wein, der sehr schön zu trinken ist, dennoch kommt jetzt das „Aber“: Auch wenn ich den Wein seinerzeit mit Freude gekauft habe -möglicherweise war ich einfach im Kaufrausch-, muß ich heute doch feststellen, daß ich für sehr viel weniger Geld schon deutlich mehr Freude am Wein hatte und auch deutlich mehr Eigenständigkeit bei einem Chardonnay festgestellt habe. Und vielleicht muß man einfach auch bedenken, daß das Piemont eben eher Rotweingegend ist und die Weißen möglicherweise nur „mitlaufen“, vor allem wenn es keine heimischen Sorten sind, wie z.B. der Roero Arneis.

Deshalb: wer unbedingt mal einen Gaja trinken möchte: nur zu, ist absolut nichts Schlechtes. Aber ich finde ihn für das, was man bekommt, im Vergleich einfach zu teuer. Das mag bei den 3-Gläser-Barolos und -Barbarescos, für die Gaja ja eigentlich bekannt ist, anders sein, aber ich kann es (leider) nicht beurteilen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

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