Ungarische Steine

Gestern gab es wieder mal einen Ausflug nach Ungarn, weintechnisch gesehen:

2010er Kékfrankos – Steiner – dry, Weninger, Soproni

Wieder so eine österreichisch-ungarische Koproduktion aus dem Hause Weninger, den etwas einfacheren Blaufränkisch von der ungarischen Seite hatte ich hier schon mal vorgestellt.

Im Glas ein dunkleres Rubinrot, mäßig transparent, dabei ganz leicht trüb. Geruchlich eine schöne Mischung aus Pflaume, Schlehe, Brom- und Heidelbeeren, eher dezente Holznoten, die mehr in die bituminöse Richtung gehen, auch etwas staubig wirkend, ein Steinbett deutet sich schon an. Am Gaumen eher wenige, leicht adstringierende Tannine, die sich klar auf der angenehmen Seite aufhalten. Die Fruchtseite ist hier auch etwas staubig, aber auch nicht unangenehm, das Holz fährt hier mehr auf der braunwürzigen Schiene: ein wenig Vanille, Piment, etwas Bakelit, leichte Kakaonote. Schöne frische BF-Säure, sie raubt dem „Steiner“ jedoch nicht seinen ernsthaften, dichten Charakter. Insbesondere beim Abgang zeigen sich dann viele mit Heidelbeermarmelade beschmierte, herbe Steine; gut 3 Minuten hat man was davon.

Ich fand es schon erstaunlich, wie anders der Wein im Vergleich zum oben verlinkten, einfacheren Kékfrankos ist. Dieser hier bringt zu der durchaus recht typischen Blaufränkisch-Stilistik noch einen gewissen Chianti-Touch mit, was ich in der Kombination recht interessant finde, auch wenn die -zumindest anfangs- leicht kantige Mineralik vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Mir machte es aber einigen Spaß.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

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4 comments on “Ungarische Steine

  1. Franz Weninger ist kommende Woche bei der Hausmesse eines Weinhändlers in München. Ich hoffe, dann auch einige seiner ungarischen Exemplare probieren zu können. Du scheinst ja extrem angetan zu sein… Da mich beim Blaufränkisch besonders das Reifen fasziniert, bin ich besonders gespannt auf Weningers Blaufränkisch Dürrau aus 2008, der laut Verkostungsliste auch dabei sein soll.

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    • Das wäre wirklich interessant! Vom Dürrau habe ich noch einen 2011er im Keller.
      Es gibt schon noch mehr Winzer aus der Ecke, von deren Produkten ich recht angetan bin. Bei Weninger war ich zuletzt vor Ort und habe einiges mitgebracht, deshalb auch eine gewisse Konzentration meinerseits auf seine Weine. Dazu kommt, daß das Gut doch eine ganze Menge verschiedener BF’s hat, die sich aufgrund der unterschiedlichen Böden, auf denen sie wachsen, doch recht signifikant voneinander unterscheiden. Sowas macht einfach Spaß…

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  2. Heute habe ich das komplette Sortiment von Franz Weninger verkostet. Ein Wein besser wie der andere. Auch der Welschriesling „Saybritz“ ist nicht zu verachten. Im Koferraum gelandet sind dann die Blaufränkisch Horitschon (2015) und Kirchholz (2014). Kennst Du die beiden Weine.

    Großes Highlight war dar Dürrau 2008. Noch sehr jungendlich und elegant. Warst Du schon mal vor Orr?

    Der Winzer ist unglaublich sympathisch. Wenn wir das nächste Mal in der Gegend sind, fahren wir definitiv hin.

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    • Den Horitschoner BF 2015 habe ich vor ein paar Wochen bei meinem Planegger Weinhändler probiert und ein paar Flaschen eingesackt. Den Kirchholz kenne ich in der 2012er Variante und den weißen 2015er Sybritz habe ich mir neulich auch begeistert gekrallt, nachdem es den eine Zeit lang nicht gegeben hat. Den roten Saybritz finde ich den experimentellsten und polarisierendsten Roten von Weninger, da habe ich aber aktuell keinen mehr im Keller.
      Ich war Ende 2014 mal in Horitschon vor Ort und zehre noch von den Beständen aus dem damaligen Einkauf. Damals war allerdings Franz Weninger selbst nicht da, war trotzdem sehr interessant…

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