Toskanisches Allerlei

Nach dem heutigen Überraschungskistenwein haben wir dann noch was aufgemacht, das vor nicht allzu langer Zeit im Falstaff mal recht überschwenglich beschrieben wurde. Ich erwähne das deshalb, weil ich während des Kaufvorgangs explizit auf diese Bewertung hingewiesen wurde:

Sehr viel dunkles Rubin mit leichtem Violettschimmer. Satte Nase mit viel dunkler, reifer Beerenfrucht, viel Cassis und Holunderbeeren, unterlegt von Tabak. Berge von dunkler Beerenfrucht, öffnet sich dann mit wunderbar dichtem, weichem Tannin, tief und vielschichtig, sehr langer Nachhall, salzig, hat seit dem vergangenen Jahr weiter zugelegt.

Das Ganze wurde dann noch mit immerhin 97 Punkten belegt. Nun kann ich ja mit der Falstaff-Bewerterei in vielen Fällen recht wenig anfangen, den Wein habe ich dann aber dennoch eingesackt:

2011er Caiarossa – Cuvée – Toscana IGT, Caiarossa, Toscana

Der biodynamische Caiarossa (rote Steine), dessen geistige Väter ein Franzose und ein Italiener sind, ist eine Cuvée aus Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah, Sangiovese, Petit Verdot und Alicante. Also auch bei den Trauben wird dieser Ländermix durchgehalten.

Das mit dem dunklen Rubinrot stimmt soweit schon mal, violette Schimmer kann ich allerdings kaum mehr ausmachen. Für die Nase gibt’s dann so ziemlich alles an dunkelroter Frucht, was man sich so vorstellen kann. Vorne dran für mich schwarze Johannisbeere, Brombeeren, Holundergelee, hochreife Schwarzkirsche, einige hellere Aromen wie Granatapfel (dauert ein bißchen) heben das Bukett trotz der Opulenz schön auf die frische Seite. Das Holz ist eher dezent ausgeprägt: Ledertasche, etwas Tabak, leicht 60er Schokolade (auch die dauert etwas). Geschmacklich ist der Beerenmix ebenfalls präsent, mit etwas Verzögerung machen sich die Tannine bemerkbar, leicht herb, sogar ein bißchen jodig, kurz adstrigierend, dann warm und samtig. Dann ein kurzes Aufbäumen eines weichen, aber auch kräftigen Grappas (dieser Effekt läßt mit der Zeit aber nach), bevor die Früchte und das vornehme Holz wieder übernehmen und die Säure in Begleitung einer Grapefruit ihren großen Auftritt hat. Der Abgang ist dann leicht herb und wieder etwas jodig bzw. eisenhaltig, hier tauchen dann auch etwas Minze und Myhrre auf.

Na, in diesem Fall kann ich die oben zitierte Falstaff-Beschreibung durchaus unterschreiben, auch die Bepunktelung ist nicht aus der Welt für mich, soweit ich mit dem 100er-Schema überhaupt umgehen kann. Hochinteressant vor allem die gestaffelte Aromenfolge am Gaumen, die roten Steine bilden sich tatsächlich auch sehr schön ab. Ein paar Ecken und Kanten hat der Caiarossa schon, gerade die (leichten) herb-chemischen Noten sowie die kurz aufblitzende Brandigkeit wird der ein oder andere vielleicht eher negativ werten. Ich mag aber solche Grenzgänger zwischen den Welten…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

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