Blind aus dem Bioladen

Gestern war das Wetter bei uns sehr schön und wir saßen in einem Garten in der erfreulich warmen Sonne, da durften ein paar Weinchen nicht fehlen. Da ich ja in meinem Umfeld als Wein-Nerd verschrien bin, wurde mir auch eine Aufgabe gestellt: ich sollte einen Wein blind probieren und meine Meinung dazu sagen. Ich nehme jetzt mal vorweg, was es war:

2015er Rivaner – Weinmann – trocken – Qw, Neumer, Rheinhessen

Im Glas ist der Wein hellgelb, für die Nase gibt’s etwas Apfel und Birne, am Gaumen zeigen sich die gleichen Früchte, sind jedoch etwas schwach auf der Brust. Dazu eine recht verhaltene (laut Rückenetikett milde) Säure, weiters etwas Kaugummi. Der Nachhall ist leicht herb-bitterlich, dabei ein bißchen klebrig und mittellang.

Ich hatte auf einen deutschen 2015er Weißburgunder aus Baden oder Rheinhessen getippt, auf Rivaner (bzw. Müller-Thurgau, ist das Gleiche) bin ich nicht gekommen, allerdings habe ich mit MT’s aus diesem Low-Level-Segment auch kaum Erfahrung. Jedenfalls war das nun nichts, was mich über die Maßen begeistert hätte. Zum Essen konnte man den Wein schon gut trinken, wenn man nicht zu sehr drüber nachdenkt. Er hatte auch nichts wirklich störendes, aber eben auch nichts -für mich- auch nur annähernd begeisterndes. Dies ist übrigens ein Biowein, den man für 8,50 Euronen bei uns umme Ecke im Bioladen erstehen kann. Bio hin oder her, für den Preis gibt es aus meiner Sicht deutlich attraktivere Weine.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 10 von 25

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2 comments on “Blind aus dem Bioladen

  1. Weinen aus Bioläden und offensiv als „bio“ angepriesenen Weinen stehe ich in der Regel kritisch gegenüber.

    Um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin kein Verfechter der konventionellen Landwirtschaft. Meine Erfahrung ist aber, dass gute Erzeuger schon allein aus Qualitätsgründen immer biologischer arbeiten. Manche sind zertifiziert, andere jedoch nicht. Einen gemeinsamen Nenner gibt es aber: Anspruch der Winzer ist es, dass Ihre Weine ihrer Qualität wegen wahrgenommen werden, und nicht aufgrund eines Biozertifikats.

    Deinem Fazit kann ich mich daher nur voll und ganz anschließen.

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    • Meine Erfahrung ist auch: je öfter und je größer „bio“ draufsteht, desto schlimmer der Inhalt. Egal, ob aus dem Supermarkt oder dem Bioladen. Viele meiner besten (und teils recht teueren) Weine sind „bio“ oder „demeter“ oder sonstwas. Bei den allerbesten Sachen steht nicht mal „bio“ drauf, obwohl die Hersteller entsprechend zertifiziert sind. Oder nur ganz klein und verschämt. Aber es ist hier wie mit allem anderen auch, man kann alles von ganz hervorragend bis ganz schlimm machen. Ich habe auch am liebsten möglichst naturnah hergestellte Lebens- und Genußmittel, aber die müssen dann dennoch schmecken. Ich kaufe auch z.B. nichts von unserem örtlichen Bio-Bäcker (der noch dazu den gleichen Nachnamen hat wie ich), einfach weil dessen Sortiment -soweit ich es kenne- mir einfach erheblich zu „kompakt“ ist. Da macht das Essen keinen Spaß mehr, wenn man mit Gewalt auf der Semmel ‚rumkauen muß. Ich habe auch den subjektiven Eindruck, daß viele Menschen äußerst leidensfähig bzw. leidenswillig sind, wenn man denn nur als Gutmensch alles möglichst „ökig“ macht. Das nimmt bei manchen schon religiöse Züge an bzw. es kommt mir manchmal auch so vor, als ob einzelne unserer Mitmenschen Genuß an sich schon als sündig einstufen und deshalb konsequent vermeiden. Und wenn man dann schon mal einen Wein trinkt, dann muß er wenigstens „bio“ sein und darf partout nicht schmecken, damit man ja nicht in die Genußfalle tappt.
      Das war jetzt vielleicht stellenweise satirisch etwas überhöht, aber da spricht eine gewisse Portion Erfahrung mit diversen Mitmenschen aus mir, die die Öko-Nase alle sehr weit oben vor sich her tragen und ständig anklagend mit ihrem Finger auf andere Leute zeigen. Was soll ich machen, ich bin eben mehr auf der hedonistischen Seite unterwegs, deshalb JA zu „bio“, wenn’s denn schmeckt, das dahinter stehende Handwerk also wirklich zum Erfolg führt. Und Beweise, daß das geht gibt’s zuhauf und die liegen auch in nicht geringer Anzahl in meinem Keller ‚rum…

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