Auf dem Weg nach oben… – Nachtrag 2

…bin ich seit heute mal wieder in Sachen Werlitsch. Es ist nun einige Zeit her, daß ich die Ex Vero I -Kreationen aus den unteren Teilen der Ex Vero-Lagen im Glas hatte, jetzt geht’s etwas bergauf zum

2008er Ex Vero II – Cuvée – trocken – Landwein, Werlitsch, Südsteiermark

der eine Cuvée aus 90% Sauvignon Blanc und 10% Chardonnay bzw. steirisch Morillon ist. Die Trauben wurden einige Tage auf den Schalen eingemaischt und dann spontan im offenen Holzfaß vergoren, dann auf der Feinhefe belassen und für 2 Jahre im großen Holz ausgebaut.

Im Glas ein sattes, dunkles, leicht ins Orange zeigendes Goldgelb, ganz leicht trübe. Für die Nase gibt’s gleich von Beginn an sehr intensive, leicht mit Gerbstoffen belegte Früchte wie Papaya, Maracuja, Pflaumen, dabei etwas reduktiv wirkend. Dazu eine leichte Armagnac-Note (vom Alk kann’s kaum kommen, da nur 12,5 PS in der Flasche stecken) und etwas Waschküche. Nach einiger Zeit zeigen sich auch ein paar braunwürzige Töne sowie mit ein paar Tropfen Cointreau getränkte Orangenzesten, irgendwann gleitet der Duft dann ins flintige ab. Trotz der beiden erwähnten „spirituellen“ Aromen riecht der Ex Vero II übrigens nicht „brandig“ im negativen Sinne. Am Gaumen entsteht zuallererst ein warmer, weicher, cremiger Gesamteindruck, einige „weiße Tannine“ regen den Speichelfluß an. Einerseits in viel Samt und Seide gehüllt, aber auch auf einem gehörigen Salzbett schwimmend kommen dann alle möglichen -vor allem gelbe und orange, heimische und exotische- Früchte zum Vorschein und verschwinden teils auch wieder. Auch hier dezente Braunwürze, vor allem Sternanis, Nelke und Vanille, wieder leicht reduktiv und auch hier entwickelt sich mit der Zeit eine deutliche, aber nicht hervorstechende Feuersteinaromatik; Lakritze kommt irgendwann auch noch dazu. Die gut gebaute, aber geschmeidige Säure sorgt für eine recht niedrige Viskosität. Der Abgang ist lang und feuersteinig-fruchtig, hier kommen am deutlichsten die Zitrusfrüchte zum Vorschein, zuvorderst kandierte Pampelmuse mit leichtem Bitterchen, hintendran auch Mango sowie rote Lakritz-Stafetten und ganz am Ende bleibt eine schöne Salzspur minutenlang übrig.

Im Unterschied zu den Ex Vero I – Varianten und den reinsortigen SB’s und Morillons (vom Opok) ist der Ex Vero II gleich vom ersten Tag an aus meiner Sicht recht zugänglich. Was aber nicht heißen soll, daß ich davon ausgehe, daß sich in den nächsten Tagen nichts mehr tut. Jedenfalls werde ich es ausprobieren. Die Fülle der Aromabestandteile, der stete Wechsel derselben über die Zeit, die Ausgewogenheit von Frucht, Steinen, Würze, Gerbstoffen und Säure und einfach die schiere Trinkfreude, die durch die ständig neuen Entdeckungen noch geschürt wird, machen diesen Wein zu einem Highlight meiner bisherigen „Trinkerkarriere“. Ein bißchen besser geht ja in der Regel immer, aber viel geht nicht mehr, denke ich. Vielleicht noch mit dem Ex Vero III…

Übrigens: vielleicht ist es ja überflüssig zu erwähnen, daß dieser Wein trotz des weit überwiegenden Anteils an Sauvignon Blanc bei weitem kein typischer oder zumindest klar erkennbarer Rebsortenvertreter ist, aber ich wollte es doch gesagt bzw. geschrieben haben.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 24/25

1. Nachtrag nach 5 Tagen mit Luft: Bei den Werlitsch-Weinen ist es ja schon ein Muß, daß ich die jeweilige Flasche über ein paar Tage in der Entwicklung verfolge; jedenfalls haben die bisher geöffneten Sachen sich immer recht deutlich verändert, und das eigentlich ausschließlich nach oben. Reduktiv riecht der Wein immer noch, der Armagnac ist zurückgegangen, die Waschküche auch, die Früchte muten etwas exotischer an, Mandarinen und Kumquats zeigen sich z.B., die Gerbstoffigkeit hat sich erhalten, ein bißchen was mostiges kommt dazu. Geschmacklich hat sich nichts grundsätzliches geändert, auch hier ein Wandel auf der Fruchtseite, die Cremigkeit geht leicht zugunsten der Frische zurück, die Mineralik konzentriert sich etwas mehr auf die flintige Seite, ohne dominant zu werden. Der Nachhall hat sich fruchtseitig etwas mehr zur gelb-exotischen Seite hin entwickelt, die Lakritz-Stafetten sind jetzt dunkelbraun glasiert und haben auch etwas zugenommen.

Keine so spektakuläre Entwicklung wie bei den „I“ern zum Beispiel, aber wo soll dieser Wein auch noch hin? Der „Umbau“ ist aber doch deutlich und schön zugleich.

2. Nachtrag nach 9 Tagen mit Luft: „Spirituelle“ Töne gibt’s jetzt so gut wie keine mehr, dennoch ist die Fruchtseite nach wie vor sehr intensiv in der Nase, die Gerbstoffe sind ebenfalls noch nicht müde geworden. Auch am Gaumen zeigt sich keine Spur von Schwäche, die mostig-gerbstoffige Seite ist etwas cremiger unterwegs, die Früchte haben sich wieder etwas gewandelt: Kaktusfeige, Marulas, saure Mangos und frische, nicht ganz reife Feige fallen mir heute ein. Der Flint hat sich weitgehend verzogen, dafür nun etwas mehr speckige Ledertasche sowie Griebenschmalz. Der Abgang ist immer noch ellenlang und ist in erster Linie herb-exotisch mit einigen reduktiv anmutenden „weißen Tanninen“, die ein recht warm-cremiges Gefühl hinterlassen. Das Spiel hätte man wohl noch einige Tage auf einem unveränderten Qualitätslevel fortsetzen können, die Flasche ist aber jetzt leider leer…

Das war nun seit längerer Zeit mein bester Wein im Glas!

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4 comments on “Auf dem Weg nach oben… – Nachtrag 2

  1. Klingt echt spannend und gut. Nachdem ich nur den Ex Vero I kennen und aufgrund dieser Erfahrung nicht verstehen konnte, dass wirklich alle diesen ultrakomplizierten Wein so loben, hört sich Dein „zugänglicher als..“ vielversprechenden an. Denn schlecht war ja auch der Ex Vero I nicht, nur sehr, sehr schwierig, karg, kompliziert…
    Mal sehn, bei Gelegenheit probier ich den II oder III mal 🙂
    VG Patrik
    PS: Mein erster Teschke – Flur 19/68 aus 2014 – hat mir gestern sehr gut gefallen

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    • Hallo Patrik,
      ich war selber ein bißchen überrascht, denn ich hatte die Mittrinkerschaft schon vorgewarnt, daß das nun gar nichts für sie sein könnte; gestern habe ich auf die vermeintlichen Vorlieben meiner Mitmenschen egoistischerweise keine Rücksicht genommen. Wurde dann aber von allen sehr wohlwollend bewertet und ich kann froh sein, daß noch genügend für eine Nachverkostung in ein paar Tagen da ist.
      Den IIer habe ich noch als 2010er Jahrgang und den IIIer aus 2006, mal sehen.
      Deine VKN zum 19/68 habe ich bereits an anderer Stelle mit Interesse gelesen. Ich habe den 2012er noch im Keller, muß auch demnächst mal dran glauben… 🙂
      VG Erich

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  2. Ein sehr schöner Bericht. Fast bereue ich es, dass ich bei unserem letzten Südsteiermark-Besuch das Weingut rechts liegen gelassen und stattdessen den „Rebenhof Aubell“ angesteuert habe. Dort werden auch sehr experimentelle Weine erzeugt; diese bereiten mir aber aktuell große Schwierigkeiten. Zuletzt habe ich wieder einmal den Sauvignon Morillon IZ 2012 probiert;
    der Wein strotzt vor Kraft – im Moment leider auf Kosten des Trinkflusses. Nicht ausgewogen und deshalb kein Spaß.

    Evtl. Kann ich mir einmal Weritsch-Weinr besorgen zum dagegenverkosten.

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    • Werlitsch ist für mich eine der interessantesten Adressen in A, aber auch deren Weine sind teils etwas schwierig bzw. brauchen sehr viel Zeit mit Luft. Am zugänglichsten waren für mich bis jetzt der „Drei Generationen“ und eben dieser „Ex Vero II“. Über den Trinkfluß kann man aber bei allen nicht meckern!

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