Zzzzisch-Wein

Bierflaschen mit Bügelverschluß machen beim Öffnen „plöpp“, solche mit Kronkorken eher „zzzzisch“. So haben wir das in unserem Umfeld vor gut 35 Jahren definiert. Wein gehörte eigentlich nie in diese Kategorien. Bis heute. Denn die

2015er [Cuvée] – Theodora – trocken – Landwein Weinland, Gut Oggau, Neusiedlerse-Hügelland

ist -anders als andere Jahrgänge dieses Weins- mit einem Kronkorken verschlossen. Warum? Laut Eduard Tscheppe -dem männlichen Oggau-Part- deswegen, weil einige Partien des Theodora-Gemisches aus Grünem Veltliner und Welschriesling nicht ganz durchgegoren waren und aufgrund des Verzichts auf Schwefelzusatz die Möglichkeit einer Nachgärung besteht. Deshalb die stabilere Perlwein-Flasche mit Kronkorken. Allerdings weist das Rückenetikett dann doch den Hinweis auf Sulfite auf, was bei früheren Jahrgängen wiederum nicht der Fall war. Also: nix genaues weiß man nicht.

Im Glas zeigt sich die Theodora strohgelb, dabei recht trüb und anfangs recht ordentlich perlend. Wirkt beim Einschenken auch recht viskos. Das Bukett zeigt sich deutlich reduktiv und mostig, Äpfel und Maracuja präsentieren sich. Ist leicht flintig, etwas Schwefel spielt mit, wo auch immer der nun herkommt. Wobei die Feuersteinaromatik mit der Zeit deutlich zunimmt. Am Gaumen herb fruchtig, ordentlich gerbstoffig, der Extrakt scheint etwas Restsüße mitzuschleppen, die aber mit der vitalen Säure sehr gut harmoniert. Dazu gibt’s auch ein paar Zitrusnoten auf der leicht herb-bitteren Seite. Der Abgang ist ziemlich lang, wärmt sogar etwas den Rachen an und betont die fruchtig-gerbstoffige Seite, weiters ist hier der Salzgehalt recht beachtlich.

Im Gegensatz zu meiner letzten Theodora ist dieser Jahrgang -wohl aufgrund des leichten Restzuckergehalts- deutlich zugänglicher. Ich bin auch froh, daß ich der Empfehlung des Master-Somm HT nicht gefolgt bin, den Wein vorher zu karaffieren. Das mag vor einem dreiviertel Jahr vielleicht noch anders gewesen sein, aber heute war der Wein von Beginn an schön zu trinken und hat sich innerhalb von zwei Stunden sehr vorteilhaft entwickelt. Spaß pur! Aber vermutlich nicht für jeden…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

7 comments on “Zzzzisch-Wein

  1. Das Video zu dem Wein hab ich auch WaL gesehen…. klingt spannend, obwohl ich mit gut Oggau so meine Vorurteils-Probleme hab, die ich bis dato nicht ablegen konnte..,, mal sehn.
    Wie findest Du den Wein im Vergleich zu den Weißen von Tschida?
    VG Patrik
    PS: hast Du meine PN im Weinforum erhalten (hab das Gefühl, dass ich da nix senden kann…)

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    • Hallo Patrik,
      ein Vergleich mit den Weinen von Christian Tschida macht aus meiner Sicht weniger Sinn als mit denen von Werlitsch. Da gab es auch mal einen SB, der ein bißchen in der Gärung stecken blieb und durch die leichte Restsüße deutlich zugänglicher war als sonst. Die 2013er Theodora zeigt allerdings in die gleiche Richtung wie der „normale“ Himmel auf Erden, während die maischevergorene Variante deutlich mehr in Richtung Burgund schaut. Ich habe den Eindruck, daß die Jahrgangsschwankungen bei den Oggauern deutlich größer sind als bei anderen, allerdings war da für meinen Geschmack bis jetzt kein schlechter oder uninteressanter Wein dabei. Zumindest in weiß und rosa.

      Die PN’s habe ich übrigens vorhin gesehen…
      VG Erich

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      • An den Himmel auf Erden musste ich beider Beschreibung auch irgendwie denken, deshalb auch meine Frage 😉
        Den HaE kenne ich als normale Version aus 2015 – für mich ein „ganz okay Wein“. Irgendwie werd ich mit den Ösi-Naturweinen nicht richtig warm, obwohl ich diese Art von Wein von der Loire, dem Jura oder auch der Bourgogne (gibt’s da seltener) oft sehr schön finde…

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        • Moin moin, der „normale“ Himmel auf Erden sucht nicht unbedingt nach Freunden, zumindest nicht wenn er jung ist. So zumindest meine isolierte Erfahrung mit dem 2013er. Dazu kommt, daß der Wein -soweit ich weiß, ist aber auch nur Wissen von irgendwo her- nicht in jedem Jahr gleich gemacht wird. Auf dem Gut ist wohl ständig alles im Fluß. Nicht jeden der Ösi-Anders-als-die-anderen-Weine würde ich nachkaufen, aber insgesamt gesehen muß ich für mich sagen, daß der Spaß überwiegt.
          Möglicherweise hängt es auch ein bißchen davon ab, welche Arten von „Schmutzigkeiten“ im Wein bei einem persönlich positiv oder im schlimmsten Fall schon als Fehlton wahrgenommen werden. Jedenfalls bin ich meistens überrascht über die Reaktionen der anderen. Während z.B. die 2013er Theodora in meinem Trinkerumfeld weitgehend auf Ablehnung gestoßen ist, kam die 2015er Version bei den weitgehend gleichen Probanden durchweg positiv an.

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          • Fehlöne sind es eigentlich nicht, die mich bei den Ösi-Naturweinen stören.. ich bin da recht tolerant was „Schmutzigkeit“ betrifft. Oftmals sagen mir die Weine einfach nix und wirken oft sehr gewollt auf mich. Ging mir bei dem HaE so.

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            • Ok, das ist dann eher die Frage, ob einem eine bestimmte Stilistik zusagt oder nicht, womit wir weit im subjektiven Bereich wären. Ist aber wiederum auch gut und richtig so. Wäre ja schlimm, wenn alle nur das Gleiche mögen würden.
              Ich kann allerdings mit dem „Gewollten“ wenig anfangen. Ich gehe mal davon aus, daß ein Großteil aller Weine mehr oder weniger „gewollt“ sind. Das Gegenteil wären dann die ungewollten Weine, bei denen irgendwas nicht so ganz nach Plan lief. So würde ich das jedenfalls verstehen. Wobei das im Einzelfall auch zu spannenden Ergebnissen führen kann. Insgesamt ist mein Eindruck allerdings eher, daß die ganzen „anderen“ Weine im Vergleich eine eher hohe ungewollte Komponente in sich bergen…

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            • Hast recht – „gewollt“ ist hier ein eher unglücklicher bzw. erklärungsbedürftiger Begriff.
              Für mich schmecken die meisten Ösi-Naturweine „nur“ nach Naturwein – hefiger Apfelmost als Leitmotiv, sonst eher karg bis sehr karg. Aber das meinte ich mit „gewollt“ gar nicht – eher das Drumherum bei Winzern wie Gut Oggau und Tschida – ist für mich so eine Art Öko-Marketing, das so tut als wäre es kein Marketing sondern alles aus einer extrem hohen intrinsischen Motivation heraus entstanden.

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