Registo misto…

…kommt auf portugiesisch ‘raus, wenn man im Gockel-Übersetzer „Gemischter Satz“ eingibt. Das ist höchstwahrscheinlich grottenfalsch, vielleicht gibt’s da ja auch gar keinen Begriff dafür, weil es weder auf der Flasche noch auf der Heimseite in der Landessprache, sondern nur in Englisch d’rauf- bzw. d’rinsteht:

2014er Reserva – Field Blend – Tinto – Douro D.O.C., Quinta do Vallado, Douro

Die Trauben für diesen Wein stammen aus einem alten „Registo misto“ von über 100 Jahre alten Weinstöcken mit 45 Rebsorten, vorwiegend Tinta Roriz, Tinta Amarela, Touriga Franca und Tinta Barroca. Gemäß der ebenfalls durch den bereits verwendeten Übersetzer gejagten Beschreibung der Weinwerdung wurden alle Weine nach der malolaktischen Gärung für 18 Monate in französische Eichenfässer gepeinigt (!), von denen 60% neu und 40% gebraucht waren.

Im Glas ist der Tinto kernig dunkelviolett, dabei ganz leicht transparent. Die Nase wird gleich mit einer Vielzahl an dunkelroten bis schwarzen Früchten und Beeren bombardiert: Heidelbeere, Brombeere, Schwarzkirsche, Pflaume, Schwarze Johannisbeere und mehr kann man teils parallel, teils seriell klar erkennen. Das Holz ist eher vornehm zurückhaltend in Form von Zeder, Vanille und Kakao präsent. Geschmacklich zeigen sich ein paar sehr freundliche Tannine, der Wein ist ganz leicht adstringierend, aber auf eine Art, wie ich sie noch nicht erlebt habe, es ist mehr ein wohlig warmes Streicheln der Schleimhäute denn die übliche Pelzigkeit. Die Früchte sind auch hier sehr intensiv vertreten, der rote Extrakt bringt einiges an leicht liköriger Fruchtsüße mit, die jedoch durch die Säure klar auf der niederviskosen Seite gehalten wird. Das Holz ist hier etwas stärker vertreten, ohne sich jedoch nach vorne zu drängen, was leicht karamellig-malziges schwingt hier mit. Der Nachhall transportiert erst nochmal den prallen Fruchtkorb, mit der Zeit gewinnt aber dann das Holz die Oberhand, wobei ein kleiner Gewürzstrauß mit etwas Lakritze in Erinnerung bleibt.

Manche Cuvées oder gemischte Sätze mit sehr vielen unterschiedlichen Rebsorten gleiten gerne auch mal in ein undefinierbares Aromenmischmasch ab, hier ist das erfreulicherweise anders. Vor allem ist ständig aromatische Bewegung im Glas, jeder Riecher, jeder Schluck bringt eine neue Gewichtung der Aromabestandteile mit sich, manches ist plötzlich verschwunden, Neues taucht auf. Das alleine macht ständig Lust darauf, das Glas wieder in die Hand zu nehmen, die gekonnte Säure-Extrakt-Balance verstärkt diesen Drang noch. Der Wein ist jetzt noch ganz am Anfang und ich könnte mir gut vorstellen, daß er auch nach 20 Jahren -wie viele andere Douro-Weine auch- noch in Top-Form ist. Aber auch jetzt in seiner fast überschwenglichen Jugend macht er schon ziemlich viel Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

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