15. (Mini-) Weinrunde in / um München

Am letzten Freitag fand unsere Blindtastig-Runde Nr. 15 statt, diesmal nach längerer Zeit wieder mal bei mir daheim. Passend zur -wenn auch schon auslaufenden- Spargelsaison habe ich mir das Thema „Silvaner“ eingebildet. Leider waren von den üblichen Verdächtigen eine ganze Reihe zu allen vorgeschlagenen Terminen verhindert, eine Spontanerkrankung dezimierte zudem das Feld dann letztlich auf 4 Mitstreiter / innen. Schön war’s aber trotzdem…

Prolog:

Zum Einstieg -wie so häufig- erst mal was zum Anstoßen:

Wein A: [2015er] [Cuvée] – Rosé – brut – Trentodoc, Balter, Trentino

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Dieses Blubberwasser habe ich vor gut einem 3/4 Jahr hier schon mal vorgestellt. Dieses Exemplar ist eine Cuvée aus Pinot Nero und Chardonnay und hat mindestens 2 Jahre Hefelager hinter sich. Die geköpfte Flasche wurde in 2015 dégorgiert.

Im Glas ein schönes Lachsrosa, feine und beständige Perlage. In der Nase leicht hefig, hell rotfruchtig: Granatapfel, etwas -natürliche- Erdbeere sowie rote Johannisbeere. Am Gaumen eine ähnliche Fruchtaromatik, nichts plakatives, weiters einige herbe Steine und etwas rauchig. Die Säure ist einerseits deutlich, aber gut eingebunden. Der fruchtig-mineralische Abgang ist von schöner, animierender Länge.

Dieses rosa Blubberwasser hat sich seit dem letzten mal nur wenig, aber doch verändert. Vielleicht ist auch meine Wahrnehmung einfach ein bißchen anders gewesen. Wie auch immer, ein nach wie vor sehr schöner Spumante mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Wein B: 2016er Gelber Muskateller – trocken – Qw, Markus Huber, Traisental

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Dieser frische Einsteiger wurde von einem der Teilnehmer zusätzlich mitgebracht, vielen Dank nochmals dafür!

Im Glas ein sehr helles Strohgelb, deutliche Muskatellernase mit weißem Pfirsich, Rambutan und vielen Blumen (Rosen z.B.). Am Gaumen sind Frucht und Blumenwiese (hier weniger Rosen nach meinem Eindruck) dann recht dicht, dabei ist der Wein sehr klar, präzise und frisch, etwas steinig und mit einer belebenden Säurestruktur gesegnet. Der Abgang ist relativ lang, dabei zuerst mehr fruchtig, später eher floral, feuchte Kiesel gibt’s hier auch noch.

Ein „einfacher“ Sommerfrischler fernab jeglicher Banalität, nicht hyperkomplex, aber absolut in sich stimmig, schön schlank und mit viel Freude zu trinken.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama:

Nun die „Wettbewerbsweine“:

1. Wein: 2013er Sylvaner – Westhofen – trocken – Qw, Wechsler, Rheinhessen

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Im Glas ein mittleres Goldgelb, in der Nase intensiv reife Birne, und zwar sowohl die Sorten Williams als auch Abate, dazu etwas Rauch, der mit der Zeit durch Feuerstein ersetzt wird. Am Gaumen zeigen sich die Früchte von einer leicht herben Seite, Nektarine und eine Grapefruit nebst leichtem Bitterchen kommen noch dazu. Etwas kalkige Mineralik plus Flint gibt’s noch, die Säure ist etwas keck, dabei aber sauber ausbalanciert. Der Nachhall ist leicht bitterlich fruchtig, trotz der relativen Dichte von belebender Frische und hallt ganz gut.

Bis dato fand ich die probierten Wechsler-Weine allesamt ganz gut, aber mir fehlte dann doch immer was zum wirklichen (Nachkauf-) Glück. Hier wurde diese Schwelle deutlich überschritten, für mich der bislang beste Wein aus diesem Haus!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

2. Wein: 2016er Grüner Silvaner – trocken – Qw, Keller, Rheinhessen

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Der G-Max ist ja nicht als Silvaner erhältlich, deshalb hier nur der profane Gutswein, der dafür aber auch geringfügig günstiger war:

Die Farbe ist ein mittleres Strohgelb, für die Nase gibt’s anfangs verhalten harte Birnen, Pfirsich und Ananasschale (stammt nicht von mir, paßt aber gut!), dazu etwas Baumrinde. Am Gaumen dann relativ wenig Frucht, eher Löwenzahnwiese auf herben Steinen, dazu eine noch etwas kantige Säure. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, auf der Fruchtseite kommt hier noch Lychee dazu, eine leichte Mineralität kommt auch mit.

Dieser Silvaner könnte vielleicht noch was werden, wenn man ihm noch ein bißchen Zeit läßt, aber sicher bin ich mir da nicht. In der heutigen Form noch recht uneinheitlich, daher

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

3. Wein: 2014er Silvaner – Würzburger – trocken – Ortswein, Weingut am Stein – Ludwig Knoll, Franken

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Die Farbe ist ein helles Goldgelb. In der Nase weißer Pfirsich, etwas Rambutan, auch grüne Paprika. Am Gaumen dann heller, aber dichter Pfirsich, wieder Rambutan, später auch Apfel. Dazu eine leider etwas unelegante Säure sowie ein paar herbe Steinchen. Der Nachhall ist ordentlich lang, vorrangig fruchtig, ein bißchen Mineralik sowie ein leichtes Bitterchen schwingen mit.

Dieser Silvaner ist soweit zwar ordentlich gemacht, allerdings war er mir persönlich doch irgendwie zu breit und zu unaufgeräumt, fast ein bißchen anstrengend. Das Süße-Säure-Spiel hat mich trotz des etwas kühleren Jahrgangs nicht so begeistert, worüber ich ob der durchaus positiven Erfahrungen mit ein paar Ersten Lagen aus diesem Haus doch etwas erstaunt war, auch wenn das hier „nur“ die Ortsweinebene ist.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

4. Wein: 2010er Sylvaner – R – Südtirol Brixner Eisacktaler DOC, Köfererhof, Südtirol

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Dieser Wein ist schon fast bernsteinfarben im Glas. Geruchlich zeigen sich gleich deutlich Korianderhonig, etwas Sherry, mostige Birne, Brotrinde nebst Hefe und auch leicht Petrol. Am Gaumen eine herbe, dichte Frucht, viel mostige Äpfel und Birnen, leicht oxidativ, dennoch nicht wirklich alt wirkend. Das ist wohl der noch recht kernigen Säure zu verdanken. Ein paar leicht metallisch angehauchte Steine gibt’s auch noch. Der sehr lange Abgang ist ziemlich intensiv, dabei herb-mostig-fruchtig mit leichter Schiefernote.

Dieser Sylvaner altert doch deutlich anders, als ich das bisher so erlebt habe. Bei allen Altersnoten hat er sich dennoch einiges an jugendlicher Frische mit ordentlich Druck bewahrt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Epilog:

Das war’s dann schon mit dem Wettbewerb, zum Abschluß gab’s noch was Süßes:

Wein C: 2010er Silvaner – Iphöfer Kronsberg – Auslese – QmP, Juliusspital, Franken

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Im Glas ein ziemlich sattes Orange, für den Riechkolben gibt’s hochdosiert sehr reifen Pfirsich, getrocknete Aprikose, etwas Mandarine sowie Lavendelhonig. Am Gaumen sehr cremig, mit der deutlichen, aber samtigen Säure läuft das dicke Zeug jedoch widerstandslos den Gaumen ’runter. Der ellenlange Abgang ist sehr opulent, sehr (frucht-) süß, dennoch klebt rein gar nichts.

Ich weiß nicht, wie die Juliusspital-Auslesen sonst so sind, hier jedenfalls hat das kühle Jahr 2010 vor allem zu einem aus meiner Sicht perfekten Süße-Säure-Spiel geführt. Viel Luft nach oben ist da nicht mehr…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Fazit:

Auch kleine Runden machen Spaß, dennoch wünsche ich mir für das nächste mal wieder mehr Teilnehmer. Es gibt natürlich auch Vorteile: ich muß hier nicht ganz so viel schreiben…

Immerhin haben wir es unabgesprochen hinbekommen, aus 3 relevanten Silvaner-Regionen was ins Glas zu bekommen, wobei das Niveau aus meiner Sicht insgesamt durchaus ansprechend war. Und: einhellige Meinung am Tisch war auch, daß Spargel und Silvaner sehr gut zusammen passen; die schon mehrfach zitierte Fachmeinung verschiedener Weinauguren, daß Spargel JEDEN Wein zunichte macht, konnte keiner von uns nachvollziehen.

Jetzt wollte ich mich -wie gewohnt an dieser Stelle- schon fast noch selbst für die Bewirtung etc. über den grünen Klee loben, aber das mache ich natürlich nicht. Also hoffe ich einfach, daß es meinen Gästen so gut gefallen und geschmeckt hat, wie es für mich den Anschein hatte (falls nicht, meckern erlaubt!) und freue mich auf die nächste große Runde, bei der es wieder ordentlich was zu berichten gibt!

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