WaL-Nachlese – Das Provence-Paket

Diesen Mittwoch war eine Wein am Limit Live-Verkostung, bei der ich spaßeshalber wieder teilgenommen habe. Mir macht diese Art der Weinvernichtung immer wieder Spaß, weshalb ich eigentlich recht häufig die entsprechenden Weinpakete besorge, ohne vorher die Terminsituation wirklich im Griff zu haben. Manchmal klappt’s dann mit ein paar Leuten zusammen, manchmal auch nicht, aber die Weinchen werden deswegen ja nicht gleich schlecht. Es gibt noch einige disbezügliche „Wal-Leichen“ in meinem Keller, kommen alle irgendwann noch dran…

Erneut der kurze Hinweis, daß dies lediglich eine Zusammenfassung meiner / unserer persönlichen Eindrücke sein soll, die teils recht deutlich von denen der anderen Livestream-Teilnehmer abweichen. Und während des Streams habe ich auch nicht die Ruhe, diese Gedanken zu den Weinen in geordneter Form per Kommentar unterzubringen; der Kommentar zum letzten Wein ging diesmal ganz unter, gerade als ich was schreiben wollte, war der Stream auch schon vorbei. War also recht kurzweilig.

Aus der Provence haben immer wieder schöne Weinchen -insbesondere auch Rosés- in meine Gläser gefunden, auch war ein roter „Provençalier“, der in einem früheren WaL-Livestream vorgestellt wurde, unser Favorit unter den damaligen 4 Weinen. Also war ich gespannt, was uns dieses Weingut-Kennenlern-Paket bringt:

1. Wein: 2015er Blanc de Rolle – Vermentino de Provence – Côtes de Provence AOP, Domaine des Féraud, Côtes de Provence

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Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, in der Nase gleich dichte, hellere gelbe Früchte wie Kaktusfeige und Papaya, später durchaus auch etwas gelb-oranges Steinobst. Am Gaumen dichte Exotik, kandierte Zitrusfrüchte, auch etwas rote Eßbanane, dazu Koriandersaat und Fenchel, leicht süßliche Braunwürze. Wirkt aufgrund der eher moderaten Säure schon leicht extraktsüß, dabei ist der Wein sicher technisch trocken. Trotzdem ist der (oder die?) Rolle recht niederviskos und fließt entsprechend gut. Langer, würzig-fruchtiger Abgang mit leichtem Lakritzfinale.

In der Gruppe war dies der Wein, der am meisten Gefallen fand, wohl weil die Aromatik einerseits recht eigenständig ist, diese Stilistik aber doch recht „gefällig“ im besten Sinne daherkommt. Davon soll ich was mitbestellen, wenn ich bei WaL mal wieder was ordere.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2015er [Cuvée] – Arômes de Maures – Rosé de Garde – Côtes de Provence AOP, Domaine des Féraud, Côtes de Provence

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Dies ist nun eine Cuvée aus 60 % Cinsault, 20 % Cabernet Sauvignon, 12 % Rolle und 8 % Syrah, die auch etwas Holz gesehen hat.

Die Farbe ist ein schönes Lachsrosa. Für die Nase gibt’s erst verhalten Walderdbeere, Granatapfel und roten Bergapfel, auch dunkle florale Noten, ganz leicht Braunwürze aus dem Holz, wird mit der Zeit deutlich dichter. Am Gaumen dann gleich recht dichte Frucht, dezentes, aber doch prägnantes Holz, dazu wieder eine Säure auf eher mittlerem Niveau, dennoch recht „trinkig“. Langer fast fetter Abgang, der die ganze Aromenpalette nochmal repetiert, dabei nicht belastend.

Auch dieser Wein kam aufgrund seiner schönen Fruchtseite recht gut an, lag aber in der Gunst aller Mittrinker insgesamt leicht hinter dem Weißen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

3. Wein: 2014er [Cuvée] – Vieille Syrah – Indigène – Côtes de Provence AOP, Domaine des Féraud, Côtes de Provence

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Ich wußte bislang gar nicht, daß die in diesem Fall gültigen AOP-Kriterien keinen reinsortigen Syrah zulassen, deshalb ist dies hier tatsächlich eine Cuvée aus 80 % Syrah und 20 % Cabernet Sauvignon.

Die Farbe ist ein mitteltransparentes Rubinrot, in der Nase herbe, aber auch süße Kirsche und rote Beete (war ein Hinweis aus den Kommentaren im Livestream, den ich so treffend fand, daß ich ihn ganz frech übernommen habe), ganz leicht Holz. Am Gaumen relativ süße Frucht ohne Pappigkeit, leicht bitter-metallisch, dabei aber nicht unangenehm. Wenig, aber geschmeidiges Tannin, auch dieser Wein ist säuretechnisch alles andere als ein Rekordanwärter. Der Abgang ist herb-süß-fruchtig, dabei etwas kantig.

Dieser Syrah „plus“ ist an sich ein schön gemachter Wein, aber aus meiner Sicht noch deutlich zu jung, er wirkt deshalb noch ein bißchen unaufgeräumt, insbesondere was das Süße-Säure-Spiel angeht. Hatte in der Runde durchaus seine Fans, für mich ist er aber im Gegensatz zu den beiden anderen Fläschchen kein Nachkaufkandidat, auch wenn er sehr gut zur frisch mitgebrachten Sobrasada gepaßt hat.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Drei Weine, dreimal 17 Pünktchen. Obwohl ich den Roten qualitativ leicht besser eingestuft habe, fällt er aufgrund der Nachkaufwertung wieder auf das gleiche Gesamtniveau. Insgesamt hätte ich mir bei allen Weinen einen Tick mehr Säure gewünscht, auch wenn alle Säfte problemlos fließfähig waren. Mit dieser Meinung stand ich allerdings alleine da, die Mitstreiter haben daher alle Weine durchgehend etwas bis deutlich höher bewertet. Aber ich bin halt mal ein unverbesserlicher Säurefetischist. War ein sehr schöner Abend und wird sicher nicht die letzte WaL-Nachlese gewesen sein…

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