Rosa Himmel – Relaunch

Jetzt wurde es langsam Zeit, die letzte Flasche des

2014er [Cabernet Franc] – Himmel auf Erden – Rosé – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

aufzumachen. Nach einigen recht guten Erfahrungen mit sehr schön angereiften Rosés habe ich gehofft, daß sich auch hier was ansprechendes entwickelt hat:

Im Glas weniger rosé, eher ein recht helles und leicht trübes Blutorange, in der Nase anfangs sehr verhalten, nach etwa einer halben Stunde zeigen sich dann rote Pflaumen und Johannisbeere sowie ein bißchen was hölzernes. Zu Beginn am Gaumen recht leicht und fruchtig wirkend, baut sich dann aber doch etwas Druck auf, wobei ein leicht kompottiger Eindruck mitschwingt. Der Abgang ist von schöner Länge, hier wirkt der Rosé aber etwas unaufgeräumt, die eigentlich schöne Säure steht hier besonders arg neben Frucht und Steinen.

Gemessen an dem, wie gut mir der „rosa Himmel“ vor knapp zwei Jahren noch geschmeckt hat, muß man hier doch eher von einem Absturz reden. Zwar noch ganz nett zu trinken, aber von dem einstigen Wow-Faktor blieb leider nix mehr übrig. Ich kann mir zwar gut vorstellen, den „Himmel“ eines aktuellen Jahrgangs wieder zu kaufen, aber dann sicher maximal zwei Flaschen, denn dieser Wein scheint doch eher für die Kurzstrecke geeignet zu sein…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 23. Oktober 2015

Auch wenn es jetzt nicht mehr Sommer ist und manche Leute meinen, Rosé wäre nur was für die warme Jahreszeit, ich bin da ganz anderer Meinung. Zumal man auch davon ausgehen kann, daß der

2014er [Cabernet Franc] – Himmel auf Erden – Rosé – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

ein ganz anderer Rosé ist. Jedenfalls ist der „Himmel auf Erden“ in der Rosé-Variante (weiß und rot gibt’s auch) aus Cabernet Franc gekeltert (zumindest hauptsächlich) und durfte 1 Jahr in 500-Liter-Fässern reifen. Und der Wein ist -ganz Tschida-like- ungefiltert und ungeschönt.

Im Glas zeigt sich der Rosé in einem verhältnismäßig kräftigem Rubinrot mit leichten orangen Reflexen. In der Nase Granatapfel, Himbeere und Johannisbeere sowie leicht grünkräuterige Noten. Am Gaumen ebenfalls Granatapfel und Johannisbeere, weiters Blutorange und etwas Grapefruit sowie ein paar Mandarinenzesten. Ebenfalls etwas Kräutergarten im Hintergrund; etwas Salz und eine schön eingebundene Säure animieren zum beschleunigten Trinken, da ist echt Disziplin gefragt, wenn man wissen will, wie der Wein nach ein oder zwei Tagen mit Luft schmeckt. Wie alle Tschida-Weine hat auch der Rosé einen sehr moderaten Alk-Gehalt von 120 Promille bei maximalem Geschmack. Der Abgang betont die säuerlichen Fruchtaromen sehr schön.

Alles in allem ein sehr schöner Rosé, weil einerseits so gar nichts Störendes mitkommt wie z.B. künstliches Bonbon-Aroma oder deutliche Bitterchen und er andererseits nicht nur für Rosé-Verhältnisse, sondern generell recht komplex bzw. vielschichtig in der Aromatik ist. Einer der interessantesten Rosés der letzten Zeit in meinem Glas. Wenn’s nur mehr von solchen Rosé-Qualitäten gäbe, hier schmeckt man richtig, daß der Wein nicht als Abfallprodukt der Rotweinproduktion und / oder zur Sortimentsfüllung entstanden ist.

Meine Wertung: 3 von 3

6 comments on “Rosa Himmel – Relaunch

  1. Sehr interessant, dass der Wein so abgestürzt ist. Zumal Tschida ja sehr handwerkliche Weine erzeugt, die auch ihren Preis haben.

    Rose-Weine kaufe ich schon seit einigen Jahren nicht mehr. Da steckt mir bei den meisten Erzeugern zu wenig Leidenschaft drin. Bei den Rosé, die ich von früher kenne, war ähnlich zum Tschida schneller Genuss angesagt. Einen nicht billigen Rosé vom Gardasee musste ich einmal sogar im zweiten Jahr komplett entsorgen.

    Liken

    • Es gibt -für meinen Geschmack- schon eine ganze Menge Rosés, die ich sehr animierend finde und die sich weitab vom Bonbonklischee befinden. Den Preis für den rosa „Himmel“ fand ich angesichts des Geschmacks, den der Wein bei den ersten Flaschen geboten hat, durchaus i.O. Ich habe halt nun die Erkenntnis gewonnen, daß ich davon nur so viel kaufen darf, wie ich’s relativ frisch wegtrinken kann. Muß man halt nur wissen. Ein bißchen gewundert habe ich mich allerdings auch, daß der Wein doch so ein reiner Sprinter ist, hätte ich nicht erwartet.
      Das mit der mangelnden Leidenschaft stimmt sicher für mehr als 90 % aller Rosés der Welt, dem „Himmel“ würde ich das allerdings nicht unterstellen. Und es gibt eben dennoch mit den restlichen 10 % (oder weniger) eine ganze Reihe spannender rosa Sachen, von denen ich überzeugt bin, daß deren Qualität sich nicht zufällig oder beiläufig ergeben hat. Und nicht wenige entwickeln sich über 3, 4 oder 5 Jahre auch recht schön, manche fallen aber auch tatsächlich recht schnell in sich zusammen, auch wenn diese in frischem Zustand richtige Top-Weine sind. Mein persönlicher rosafarbener Favorit hinsichtlich Geschmack kommt vom Etna, der mineralischte Rosé bzw. Rosato, den ich kenne. Hat sich aber nach zwei Jahren auch deutlich umgebaut und dabei leider das ursprüngliche Qualitätslevel verlassen…

      Liken

  2. Hi Erich,
    habe mich auch beim Lesen Deines Berichts gewundert, dass der Rosa Himmel von Herrn Tschida nur einen so geringen Horizont mitbringt – Flaschenfehler? Wenn nicht, schon komisch, da seine Weine ja nicht so auf die Primärfrucht ausgelegt sind und dann sollte es auch in Rosa länger Freude machen….
    VG Patrik

    Liken

    • Hallo Patrik,
      letztlich habe ich ähnlich gedacht bzw. gehofft. Ob’s ein Flaschenfehler war, kann ich nicht mehr nachprüfen. Fehlerhaft im klassischen Sinne war der Wein auch nicht, er hat nur die ganze Spannung und Klarheit, die er mal hatte, weitgehend eingebüßt. Ich habe mich auch schon gefragt, ob der rosa CF sich jetzt einfach in der von vielen Roten bekannten toten Phase befindet, aber so wirklich glaube ich an diese Variante nicht. Die Sachen vom Herrn Tschida sind eh alle recht speziell und da kann so jede Vermutung, die sich aus der eigenen Erfahrung ableitet, sehr schnell ziemlich grottenfalsch sein…
      Macht aber nix, no risk, no fun! (Und der ist gerade umso größer… 🙂 )
      VG Erich

      Liken

      • Das es auch bei Rosé so eine schlechte Zwischenphase gibt, könnte schon sein (hab ich aber selbst keine Erfahrung mit gemacht) – allerdings sollte ein handwerklich gut gemachter Wein, der mit Reifepotential ausgestattet ist aus dem JG 2014 noch gar nicht in dieser Phase angekommen sein.
        Könnte mir dann schon eher vorstellen, dass die Flasche nicht optimal war. Hast Du noch etwas von dem rosa Himmel aus 2014?

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s