Kein typischer Soave? – Relaunch

Wenn man eine Menge Zeug im Keller liegen hat, muß man auch ein bißchen aufpassen, daß man sich nicht zu sehr verzettelt, vor allem wenn der Großteil der Weine von einer Farbe ist, die in der Regel nicht ganz so lange durchhält wie die rote Fraktion. Deswegen habe ich beim Stöbern in den Beständen mal wieder ein paar Weine quasi „nach vorne“ gelegt, um die dann bei passender Gelegenheit zu probieren. Einer davon ist der 3-Gläser-Soave

2010er Monte Carbonare – Garganega – Soave Classico DOC, Suavia, Veneto

den ich früher fast schon regelmäßig gekauft habe. Aber mit der steigenden Zahl der verschiedenen Weine im Keller ist dieser über die Jahre immer sehr schöne Soave etwas bei mir in Vergessenheit geraten. Deshalb denke ich auch, daß ich diesen Wein noch nie so alt im Glas hatte. Ob er’s bis gestern Abend überlebt hat?

Das Goldgelb im Glas ist nun schon ziemlich dunkel geraten, die Nase erkennt gleich nicht wenig an Korianderhonig, dazu reife Früchte wie Karambole und Quitte. Am Gaumen zeigt sich ebenfalls eine dichte und reife, etwas herbe Frucht, die um etwas kandierte Pampelmuse nebst kleinem Bitterchen ergänzt wird; die Säure ist immer noch schön in Balance, läßt aber Raum für eine leichte Cremigkeit. Der Abgang ist recht lang, wieder dicht-fruchtig, dabei etwas herb-bitterlich und hinterläßt am Ende ein schönes Steinbett.

Dieser Soave hat definitiv überlebt, er ist nun in Würde und ohne Makel gereift und bietet in dieser Form nach wie vor viel Spaß; allerdings denke ich nicht, daß es nun noch sehr weit nach oben geht. Deshalb besser jetzt genießen! Ich sollte mir doch mal wieder was von diesem Wein / Weingut in den Keller legen…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 30. Mai 2015:

Ich habe so den Eindruck, daß Soave bei den meisten Leuten ausschließlich das Klischee des einfachen und anspruchslosen, meist auch nichtssagenden Saufweins bedient, den man sich in der Regel für unfaßbar wenig Geld im Supermarkt mitnimmt. Daß das auch anders geht, überrascht die meisten meiner Gäste immer wieder. Dabei habe ich aus Erfahrung gelernt, daß man aus so ziemlich jeder Traube auch reichlich große Weine keltern kann, wenn man das nur wirklich will (und auch kann). Sogar bei Dornfelder geht das in etwas engeren Grenzen…

Einer der besten Soave, die ich seit Jahren immer wieder mal gekauft habe, ist der

2010er Monte Carbonare – Garganega – Soave Classico DOC, Suavia, Veneto

Der Wein hat die 3 Gläser im Gambero Rosso fast schon gepachtet und ist dennoch in den Jahren immer bezahlbar beblieben.

Erstes Unterscheidungsmerkmal zum „normalen“ Soave ist schon mal die Farbe: hier ein leuchtendes Goldgelb, das bereits auf eine gewisse Fülle der Aromatik hinweist. In der Nase dann ein wahres Feuerwerk an Exotik: Mango, reife Papaya, Babyananas, aber auch Marillen breiten sich aus. Daneben auch Kastanienhonig und ein paar nussige Aromen. Insgesamt sehr extraktreich, dabei aber am Gaumen immer sehr geschmeidig bleibend. Leicht mineralisch-phenolische Noten beim Abgang. Die 13 Umdrehungen passen sehr gut zum Gesamteindruck.

Auch angesichts des über die Jahre sich kaum verändernden Preises von ca. 10 Euronen ein absoluter Ausnahmewein, der als einer der wenigen zu meinem fast ständigen Repertoire gehört.

Meine Wertung: 3

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