Elenas Chardonnay – Relaunch

Zur Zeit häufen sich die Relaunches auffällig, heute mußte schon wieder ein bekanntes Fläschchen erneut dran glauben. Ist allerdings auch schon wieder zwei Jahre her, seit der letzte

2013er Chardonnay – Cardellino – Alto Adige DOC, Elena Walch, Südtirol

geöffnet wurde. Damals brauchte er etwas Anlauf, bis er uns richtig gefallen hat. Ob er heute schneller „da“ ist?

Im Glas ein recht leuchtendes Goldgelb, in der Nase zeigen sich ziemlich intensiv und cremig verschiedene Nüsse, Sultaninen und Kochbanane sowie ein Quentchen eines äußerst weichen Sherrys. Am Gaumen ist die Fruchtseite ebenfalls voll auf der Cremeseite angesiedelt; erstaunlicherweise schafft es die Säure aber souverän, den Chardonnay ordentlich flüssig zu halten. Die Holzseite ist dabei angenehm dezent und deutlich zugleich, sie bringt vor allem rauchige Vanille und etwas Koriandersaat mit. In der ganzen Pracht geht das durchaus schöne Steinbett fast unter, aber wer suchet, der findet. Der minutenlange Abgang transportiert vor allem angeräucherte Früchte wie Mirabellen und superreife Karambole, die Banane und die Nüsse dürfen auch etwas mitspielen.

Hier hat es mal wieder ein Chardonnay geschafft, trotz ziemlichem Drucks auf dem Kessel nicht in die anstrengende Liga abzugleiten. Vor allem gefällt mir der für meinen Geschmack sehr gekonnte, weil wohldosierte Holzeinsatz. Super Sache vom Fleck weg! Ob sich mit etwas Luft das Ganze in noch höhere Höhen entwickelt? Ist noch was zum Testen da…

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 19. Mai 2015:

Die beiden letzten Weinchen von Elena Walch waren zwar nicht schlecht, aber auch nicht wirklich berauschend. Für meinen Geschmack jedenfalls. Beim Chardonnay bin ich ja immer auf der Suche nach Rebsortenvertretern, die nicht so sehr mit der holzigen Zaunlatte winken. Da hat Elena Walch einen Wein im Portfolio, der nur zu 15 % im Barrique ausgebaut wird, also ein eher geringer Teil. Vielleicht also habe ich mit dem

2013er Chardonnay – Cardellino – Alto Adige DOC, Elena Walch, Südtirol

ein glücklicheres Händchen?

Die Farbe ist unauffällig strohgelb, in der Nase schon ein deutliches Vanillearoma, das ich so bei dem angegebenen niedrigen Barrique-Anteil nicht erwartet hätte. Gefühlt deutlich mehr als bei dem Chardonnay von Tiefenbrunner, der immerhin zu 50 % Holz gesehen hat. Es ist aber auch nicht so dominant, daß es bereits die Fruchtaromen nach reifen Kochbananen, Korianderhonig und einigen floralen Noten bereits weitgehend überdecken würde. Das Holz könnte für meinen Geschmack aber noch ein wenig dezenter sein. Am Gaumen schön trocken, das Holz macht sich hier noch etwas stärker bemerkbar als in der Nase. Die Säure ist relativ zurückhaltend und samtig und bietet den 13,5 Umdrehungen keinen wesentlichen Gegenpart. Dennoch läßt sich der Wein schön trinken und macht nicht müde. Der Abgang ist kräftig und mittellang.

Kann durchaus sein, daß sich der Wein über die Jahre noch etwas zu seinem Vorteil entwickelt. Jetzt ist er zwar durchaus ein schöner Wein, über den man sich nicht nachhaltig beschweren kann, aber vom Fleck weg nachkaufen würde ich ihn jetzt auch nicht.

Die wirklich schönen Chardonnays sehe ich derzeit woanders…

Meine Wertung: Nachkauf 1/3

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: Ich hatte ja etwas darauf gehofft, daß sich der Cardellino mit der Zeit noch etwas entwickelt. Wie ich es neulich schon mal erlebt habe. Das hat er auch tatsächlich getan! Die Holzaromen haben sich nun auf ein angemessenes und schönes Maß zurückgezogen. Das gibt Raum für weitere Fruchtaromen wie Quitte und reife Mirabelle sowie Anisplätzchen in der Nase. Am Gaumen dadurch ebenfalls etwas komplexer und eleganter, der Alkohol ist mehr versteckt als am ersten Tag. So kann ich schon deutlich mehr damit anfangen! Man muß halt manchmal Geduld haben…

Meine revidierte Wertung: Nachkauf 2/3

11 comments on “Elenas Chardonnay – Relaunch

  1. Hallo Erich,

    zunächst mal ein Kompliment – Du bist wirklich sehr aktiv und es ist spannend Deine Berichte zu lesen.
    Chardonnay ist in meinem Keller bei Weißwein am meisten vertreten, vor allem aus Frankreich (Burgund, etwas Jura) und Kalifornien (Sonoma, Santa Barbara).

    Die beiden Chablis von Collet haben Dir wohl mehr Spass gemacht als der Chardonnay von Elena Walch. Wo siehst Du den derzeit die „schönen Chardonnays“?

    Sofern Du Chardonnays mit wenig Holz, guter Säurestruktur und trotzdem einer gewissen Rebsorten- und Herkunftscharakteristik magst, kann ich Dir folgende Weine/Winzer empfehlen:
    Chablis: Alice et Olivier de Moor und Domaine Pattes Loup (beides eher Newcomer mit tollen Weinen in Richtung Vin naturel aber mit erkennbarem Rebsortencharakter) oder Francois Raveneau und Vincent Dauvissat (großartige klassische Weine, leider schwer zu bekommen und oft viel zu teuer angeboten).
    Jura: Pierre Overnoy (ist eine Legende des Vin naturel – 0,0 Zusätze im Wein und Weinberg (dagegen ist selbst Werlitsch fast ein Industriewein) und trotzdem nicht schwierig zu verstehen, leider sehr schwer zu bekommen aber wenn nicht teuer). Alternativ Jean-Francois Ganevat (auch sehr schöne Chardonnays, ein bisschen wie Chablis aber doch sehr eigenständig und besonders).
    Vielleicht kennst Du schon einen oder ein paar dieser Winzer? Wenn ja würde mich Deine Einschätzung interessieren.

    Cheers p-no

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    • Vielen Dank für die Blumen!
      Eigentlich müßte ich jetzt sagen, daß mir die Werlitsch-Chardonnays bzw. -Morillons derzeit am liebsten sind, weil sie einfach eine unglaubliche Komplexität und Wandlungsfähigkeit besitzen, aber sie sind so fernab von dem, was man „normalerweise“ als Chardonnay versteht, daß ich diese Ausnahmeweine gar nicht als Vergleich heranziehen möchte.
      In den letzten Monaten war der Chardonnay von Les Crêtes der eindrucksvollste Rebsortenvertreter für mich. Eigentlich sogar noch mehr als die beiden Chablis. Er verblaßte aber doch etwas gegenüber dem nochmal schöneren Petite Arvine aus dem gleichen Haus.
      Vor den beiden Chablis‘ war mein letzter französischer Chardonnay ein (bzw. mehrere) Pouilly-Fuissé Village „Vieilles Vignes“ vom Château Fuissé, Jahrgang weiß ich nicht mehr genau, müßte 2004 gewesen sein. In den letzten Jahren war Frankreich nicht so präsent bei mir, weil ich einfach mehr in D, A, I unterwegs war. Ein Freund von mir ist aber gerade noch auf einer ausgedehnten Tour durch F mit seinem Wohnmobil unterwegs, in das einiges rein paßt. Da sind auch ein paar Kisten für mich dabei. Ein bißchen was weiß ich schon, ein paar Überraschungen wird es wohl auch geben.
      Mein allererster bewußt genossener Chardonnay war übrigens ein Chablis Grand Cru „Les Clos“ von Jean-Paul & Benoit Droin. Ich war damals -1992 ?- in Chablis und habe dieses Weingut besichtigt und in dem riesigen Keller die ganzen Prémier- und Grand Crus von vorne bis hinten durchprobiert und dann eine ganze Menge mitgenommen. 90 Franc damals für einen Grand Cru…
      Damals habe ich dann deutlich mehr Franzosen genossen, da ich zu der Zeit auch eine Freundin in Paris hatte…
      Aber in letzter Zeit habe ich den Faden ein bißchen verloren, was auch an der spannenden Entwicklung hier liegt. Was aber nicht heißt, daß ich ihn nicht wieder aufnehme. Deshalb vielen Dank für die Empfehlungen!
      Du wirst hier -solange ich die Lust nicht verliere- über alle Weine, die meinen Gaumen erreichen, was lesen können, sicher demnächst auch wieder was über Stoff aus F…

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      • Nach meinem Gefühl ist vieles im Burgund ab dem Jahrgang 2005 deutlich besser geworden. Ich denke, ein wenig hat man auch dort gemerkt, dass es durchaus Alternativen gibt…. leider gehen die Preise im Burgund nur ein eine Richtung und einen Grand Cru für umgerechnet 15 Euro (auch aus dem Chablis) wird es wohl nie mehr geben. Die Weine von Jean-Paul & Benoit Droin sind übrigens noch immer sehr schön – habe vor einem Jahr einen 09er Premier Cru getrunken, der gefallen hat.
        Im Juni sind wir wieder für eine Woche in Beaune. Hier gibt es für mich die schönsten „Urlaubsweine“ zum besten Essen überhaupt :). Und auch wenn ich nicht in F sondern in D bin, mag ich auf die Weine aus F nicht verzichten.
        Bin gespannt was Dein Bekannter für Dich mitbringen wird und ob’s Dir gefällt.

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        • Viel Spaß in Beaune. Das erinnert mich wieder daran, daß ich noch eine Magnum 2003er Beaune Epenottes 1er Cru von Ballot-Millot im Keller habe, die noch auf die richtige Gelegenheit wartet…

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          • Vielen Dank 🙂 Dein 2003er Beaune 1er Cru sollte jetzt schön zu trinken sein, hält sich aus der Magnum sicher noch einige Jahre sehr gut. Ballot-Millot kenne ich noch nicht, wäre ein Besuch vor Ort empfehlenswert?

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            • Auch wenn ich 2 Magnums von Ballot Millot im Keller habe (+ 1 Volnay Santenots), kenne ich im Glas bis jetzt nur einen Meursault, wobei wir wieder beim Chardonnay wären. Weiß leider nicht mehr welcher, aber es war einer mit eher dezentem Holzeinsatz, was das Ganze für mich wiederum interessant macht. Jedenfalls ist der Wein auch nach einigen Jahren noch in sehr guter Erinnerung…

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