Viel zu nah! – Relaunch

Und der nächste Relaunch! Heute war was gefragt, das grüne und gelbe Frucht schön miteinander verbindet und so habe ich mich an den

2012er Villsenah – Rödelseer Schwanleite – Cuvée – trocken – Qw, Weltner, Franken

erinnert, der als Mischung aus Sylvaner und Scheurebe diesbezüglich beste Voraussetzungen mitbringt. Hier sind seit der letzten Flasche gut zwei Jahre vergangen, mal sehen, was sich seither getan hat:

Mittlerweile ist die Farbe im Glas beim Goldgelb angelangt, perlt übrigens anfangs immer noch ein bißchen. In der Nase zu Beginn wiederum etwas verhalten, kommt aber nach gut zwanzig Minuten. Zur bereits bekannten grünen Fruchtaromatik wie Stachelbeere und Kiwi sowie Zitrusaromen in Form von Grapefruit und Limette kommen nun auch Mirabellen und Nektarinen hinzu. Am Gaumen deutlich dichter, wobei sich die Fruchtaromatik bestätigt und eine schöne Grün-Gelb-Trennung ergibt, was aber nicht heißen soll, daß die Aromen isoliert nebeneinander stehen. Erneut dann eine zeitlineare Inflation der gelben Aromatik incl. einiger Exoten, allerdings nicht ganz so gewaltig wie bei der letzten Flasche. Die Säure ist dem Ganzen problemlos gewachsen, das Steinbett ist zwar da, aber es kann sich nicht mehr ganz so gut behaupten wie vor zwei Jahren. Jedenfalls nach meiner Erinnerung. Der lange Hall danach ist auch immer noch eher fruchtlastig, hier zeigt sich die Mineralik in Form von Steinen und ein paar Kräutern noch am deutlichsten.

Wir haben nicht ganz so lange wie beim letzten gebraucht, die Flasche zu leeren, aber dennoch denke ich, daß sich die beiden Rebsorten noch ein bißchen besser behaupten können, als dies zuletzt noch der Fall war, vor allem, wenn die gelben Früchte sich formieren. Diese Cuvée hat absolut GG-Format, deswegen ist wohl auch das Etikett im güldenen Stil gehalten. Aber sowohl gemäß Weingesetz als z.B. auch den Regularien des VDP sind Cuvées -anders als in anderen Ländern- ja per se erst mal nix wert, deshalb also auch nix GG, sobald man die Reinsortigkeit verläßt. Dabei kann man durch intelligente Kombination von verschiedenen Sorten ganz eigene Stilistiken schaffen -wie hier- die man reinsortig kaum erreichen wird. Z.B. die Franzosen oder die Italiener haben das schon lange erkannt. Heute habe ich mir gedacht, daß die deutsche Weinlandschaft womöglich noch ein gutes Stück vielfältiger und spannend sein könnte, wenn die Cuvée hierzulande den Makel der Zweitrangigkeit nicht haben würde. Dann wären diese bei den Winzern – vor allem im gehobenen Bereich- möglicherweise weniger die Ausnahme als heute. Daß auch und gerade die Cuvées sehr spannend sein können, haben wir heute wieder schön erfahren!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 18. Oktober 2015:

Gestern gab’s aus dem reichhaltigen Sortiment von Paul Weltner den

2012er Villsenah – Rödelseer Schwanleite – Cuvée – trocken – Qw, Weltner, Franken

der eine Cuvée aus 80 % Sylvaner und 20 % Scheurebe ist, die wiederum von wenigstens 50 Jahre alten Reben stammen. Zumindest war das beim 2009er so, vielleicht ist die Zusammensetzung beim 2012er auch etwas anders, aber der Sylvaner sollte die bestimmende Sorte sein. Die Trauben stammen aus einem Teil der Lage „Rödelseer Schwanleite“, die „Villsenah“ heißt. Als ich beim Weingut war, hat mir Frau Weltner die Geschichte zu dem Namen erzählt. Im Internet habe ich folgende Erläuterung von Hans Zwosta gefunden:

In der Rödelseer Gemarkung, dicht am Fuße des Schwanbergs, liegt die Gemarkung ‚Villsenah‘. Fragt man die Bewohner, was dieser Flurname Villsenah (sprich: viel zu nah!) zu bedeuten habe, so bekommt man jene Sage zu hören, die auch für die Gründung des Frauenklosters Kitzingen wichtig ist.
Adeloga, die vom Vater Pippin dem Kurzen die Erlaubnis bekommen hatte, im schönen, sonnigen Maintal ein Kloster zu gründen, sei sich über den Ort nicht schlüssig gewesen. In jugendlicher Laune wollte sie dort das Kloster erbauen lassen, wohin der Wind ihren Schleier wehe. Sie stand also auf der Burg des Schwanberges und ließ den Schleier fallen, der -o Schreck- gleich am Fuße des Berges niederfiel. Aus ihrem Ausruf: ‚Viel zu nahe‘ sei der Gemarkungsname Villsenah geworden.
Wiederum warf sie den Schleier. Diesmal wurde er vom Sturm erfasst und ging beim heutigen Dorf Hoheim nieder. Sie rief ‚Hoh‘ d.h. zu hoch. Noch heute heißt der Ort Hoheim in der Mundart ‚Hoh‘.
Wieder ließ Adeloga sich den Schleier bringen und endlich beim dritten Wurf wurde er weit ins Land hinein getragen. Der Schäfer Kitz soll den Schleier an einem Rebstock mit goldenen Trauben gefunden haben. So wurde Kloster und Siedlung ‚Kitzingen‘ genannt.

Nun aber zum Wein selbst: Recht helles Strohgelb im Glas. Für einen Wein aus der goldenen Top-Linie der Weltners hätte ich eher was satteres erwartet. Aber das heißt ja erst mal nix. In der Nase anfangs doch sehr verhalten. Man kann aber einerseits eine grüne Fruchtaromatik in Richtung Stachelbeere und Kiwi, andererseits ein paar Zitrusaromen wie Grapefruit und Limette herausriechen, was man den beiden vertretenen Rebsorten gut zuordnen kann. Am Gaumen dann ein bißchen intensiver, wobei sich die Aromatik des Buketts bestätigt und eine dezente Mineralik dazu kommt. Der Wein präsentiert sich also anfangs in einer feingliedrigen, fast zarten Gestalt. Nach etwa einer Stunde allerdings explodiert das Bukett fast und offenbart auf einmal exotische Früchte wie Papaya, Mango, Akees, aber auch reife Pfirsiche. Am Gaumen passiert das Gleiche: ein reichhaltiger gelber Fruchtkorb öffnet sich, dabei bleibt der „Villsenah“ trotz seiner Vielschichtigkeit und Intensität frisch und leicht, von Opulenz kann man eigentlich nicht sprechen. Auch der mineralische Eindruck nimmt deutlich zu. Die Säure vermittelt schön zwischen Extrakt und dem Alk-Gehalt von 13 PS. Der lange Abgang transportiert die exotischen Früchte mit einer gehörigen Portion Salz aus dem Gipskeuper-Boden.

Anfangs kann man die beiden Rebsorten noch bezüglich ihrer Eigenheiten zuordnen, später gelingt dies so nicht mehr, fast scheint es, als ob eine Symbiose der Trauben erst mit Sauerstoff und etwas Zeit stattfindet. Jedenfalls ein überaus spannender Wein, für den man sich unbedingt genügend Zeit nehmen sollte. Ich würde den „Villsenah“ auch nicht karaffieren, sondern empfehlen, den beschriebenen Wandel des Weins im Glas Schritt für Schritt zu genießen.

Meine Wertung: 3

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