Groß und frisch – Nachtrag

In der nicht allzu fernen Vergangenheit wurde auf einem meiner Lieblings-Weinblogs einiges über das Weingut Hans Wirsching berichtet, was mich letztlich ermutigt hat, mal eines meiner GG’s aus diesem Hause aus dem Keller zu ziehen. Das Gleiche wie dort vorgestellt habe ich zwar nicht, mein

2013er Silvaner – Iphöfer Julius-Echter-Berg – Große Lage – GG, Wirsching, Franken

ist bereits ein Jahr älter und stammt auch nicht aus einer Magnum-Flasche.

Im Glas ein leuchtendes, dichtes Goldgelb, geruchlich sofort recht intensiv fruchtig, kandierte, leicht rauchige Birne, reife grüne Reneclauden, etwas Malzbonbon und ein leichter Kräuterhauch. Anfangs zeigt auch noch was ganz leicht gemüsiges, das verschwindet aber schnell und komplett mit ein bißchen Glasschwenkerei. Am Gaumen dicht und frisch zugleich, den genannten Früchten gesellen sich noch Limette und Grapefruit in konzentrierter Form dazu, die Säure steht dem Extrakt selbstbewußt gegenüber. Eine vielschichtige Mineralik aus alkalibasierten Salzen und brauner Würze plus einigen Kräutern aus der Majoran-Ecke machen den Berg-Silvaner zu einem „schmatzigen“, dabei gefährlich flüssigen Erlebnis. Der Abgang sorgt zum Glück für längere Pausen zwischen den Schlucken; Frucht, Würze, Steine, Säure sind in perfekter Balance.

Dieses GG befindet sich anscheinend gerade in einer sehr schönen Übergangsphase. Frucht ist noch im Überfluß da, die die Reife kennzeichnenden Sekundäraromen sind aber schon sehr weit gediehen (aber rebsortentypisch petrolfrei) und die Säure ist immer noch fast keck unterwegs. Obwohl das GG von Beginn an „da“ ist, lohnt es sich, dem Wein insbesondere bezüglich der spannenden Entwicklung der Mineralik etwas Zeit zu lassen. Paßte äußerst schön zum gebackenen Saibling mit frittiertem Romanesco, der Silvaner ist druckvoll genug, dem doch etwas gehaltvolleren Gericht standzuhalten, der feine Geschmack des Fisches wird aber dennoch nicht übertüncht. Sehr schönes und nicht ganz kleines Silvaner-Kino!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Ein bißchen was blieb tatsächlich noch übrig. Zum Glück! Denn die weitere Entwicklung war ganz anders als ich es mir eigentlich gedacht hatte. In vielen Fällen nimmt ja die Mineralik mit etwas Luft noch zu, hier war es genau umgekehrt. In der Nase zeigten sich dann auch reife Mirabellen und vor allem am Gaumen dann ein deutlicher Weinbergspfirsich, den man gestern nur erahnen konnte. Rauch, Steine und Kräuter treten signifikant zurück, wodurch der Wein allerdings nicht eindimensional wird, die Ecken und Kanten sind aber doch deutlich runder. Insgesamt wirkt das GG nun viel jugendlicher als gestern. Qualitativ ein Level, aber wenn ich ehrlich bin, hat mir der Silvaner gestern noch einen Tick besser gefallen. Ich gehe aber davon aus, daß es einige Leute gibt, bei denen das genau andersherum wäre. Bleibt in jedem Fall groß und frisch!

Werbeanzeigen

4 comments on “Groß und frisch – Nachtrag

  1. Toller Bericht zu einem tollen Wein! Wir sind gerade in und um Würzburg unterwegs und haben uns auch mit einigen GGs eingedeckt (von R. May, R.Sauer und Schmitts Kinder). Jetzt heißt es wohl warten, in der Hoffnung mir ähnlich vielschichtigen Aromen verwöhnt zu werden. Gerade die geschmackliche Übergangsperiode scheint spannend zu sein.

    Liken

    • Viel Spaß auf der Franken-Tour!
      Ich könnte mir vorstellen, daß gerade die 2015er GG’s schon recht weit sind und fruchtseitig schon viel Spaß machen können. Habe ich jedoch mit Franken noch nicht probiert, aber bei den 2015er GG’s von Philipp Kuhn ist das z.B. so. Bis zu dieser Übergangsphase wird’s aber wohl noch mindestens ein Jahr dauern, schätze ich. Es kann aber auch passieren, daß irgendwann die Frucht erst mal weg ist und die Sekundäraromen noch nicht da sind, dann ist der Wein erst mal im Tiefschlaf. Das kenne ich aber eher von Rotweinen und ist mir im weißen Bereich bisher nur ein paar wenige mal passiert…

      Liken

      • Danke! Ja, es stimmt – einige der 2015er GG sind schon recht zugänglich. Besonders positiv ist mir das beim Stettener Stein Silvaner von Knoll aufgefallen. Der Wein war trotz aller Fülle trotzdem nicht breit. Eigentlich genau wie es sein soll.

        Die 2015er von May waren leider schon ausverkauft. Wir haben daher vorsorglich einige 2016er reserviert. Alle bereits verfügbaren Qualitäten darunter waren hervorragend. Insofern gehe ich nicht davon aus, von den GG enttäuscht zu werden.

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s