Schmuse-Merlot

Die Merlots aus Norditalien, die ich in den letzten Jahren (bzw. sogar Jahrzehnten) genossen habe, waren nicht selten richtig fette Geschosse mit Alk-Konzentrationen bis zu 16,5 Umdrehungen. Früher stand ich durchaus auf solche Hämmer, heutzutage mag ich es -in der Regel- deutlich weniger fordernd. Den heute geöffneten

2006er Merlot – Riserva – Aquileia DOC, Foffani, Friuli-Venezia Giulia

habe ich geschenkt bekommen, selber hätte ich mir den friulischen Merlot wahrscheinlich nicht gekauft. Heute paßten dann die Umstände mal, diesen Wein zu probieren, der zumindest gemäß dem auf dem Etikett angegebenen Alloholgehalt eher in „normalen“ Gefilden unterwegs ist; mal sehen…

Im Glas ein sehr dunkles und kaum transparentes Granatrot, am Rand eine ganz leichte Brauntönung. Für die Nase gibt’s dicht, aber weich Brom- und Heidelbeeren, keine Marmeladentendenz. Geschmacklich ebenfalls intensiv, aber kein Macho oder Blockbuster oder sonstwas angeberisches. Man merkt erstmal wenige, dafür samtige Tannine, gleichwohl aber eine gewisse Adstringenz, die sich aber schnell wieder abbaut und sich mit etwas Luft generell immer weniger zeigt. Dann schlägt etwas Minze zu, bevor die oben genannten Früchte frisch und saftig zur Hochform auflaufen. Das Ganze wird von einer sehr vornehm zurückhaltenden Holzaromatik begleitet, deren wesentliche Bestandteile Süßholz, leicht Vanille und etwas Kakao sind. Zusammen mit den 13 moderaten PS trägt die zwar nicht gerade überbordende, aber schön integrierte Säure zu nicht abreißendem Trinkfluß bei. Der Abgang hält die Frucht-Holz-Mischung für einige Minuten ohne Fehl und Tadel bereit.

Tatsächlich also ein Merlot, der zwar über ordentlich Extrakt verfügt, diesen aber sehr weich, gefühlvoll und facettenreich präsentiert. Kann durchaus sein, daß ich so einen Wein vor 20 Jahren eher als langweilig abgetan hätte, heute hat er mir erstaunlich viel Spaß gemacht.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

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2 comments on “Schmuse-Merlot

  1. Reinsortigen Merlot mag ich nur in den seltensten Fällen, dieses Exemplar könnte mir aber auch schmecken. Ich habe noch Vertreter von Krutzler und Uwe Schiefer im Keller… muss ich demnächst mal probieren.

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    • Das kann ich nachvollziehen, ich habe mich vom Grundtypus des Merlot in den letzten Jahren auch sehr weit entfernt, deshalb fand ich es schon bemerkenswert, daß dieser Wein so viel Spaß gemacht hat. Möglicherweise würde er bei eingefleischten Merlot-Fans total durchfallen.
      Dennoch wird diese Sorte in Zukunft sicher weiter die Ausnahme bei mir bleiben, in Österreich und insbesondere bei den genannten Produzenten würde ich wohl eher in Richtung Blaufränkisch blicken…

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