No Trollinger please… – Rev. 1

…lautet der Username eines Weinfreundes in den unendlichen Weiten des Netzes. Ich kenne ihn nicht persönlich und hoffe, daß mir die ungefragte Verwendung dieses Namens nicht angekreidet wird, aber dem Statement, das dem Namen innewohnt, kann ich generell beitreten. Obwohl: es sollen ja auch von „Underdog-Trauben“ -bei entsprechender Hingabe des Winzers- schöne Ergebnisse möglich sein. Beim Trollinger habe ich das selbst noch nicht erlebt, habe aber auch aufgrund der bisherigen negativen Erfahrungen noch nicht so übermäßig diesbezüglich gesucht. Was mich ohne mein Zutun so erreicht hat, war jedenfalls durchweg belanglos bis unterirdisch. Nun gibt es diese Traube ja auch in Südtirol, nur heißt sie da Vernatsch und wird häufig mit etwas Lagrein zum St. Magdalener aufgepeppt. Ich weiß auch nicht, ob Trollinger und Vernatsch wirklich genau gleich sind oder ob es doch -wie z.B. bei Blaufränkisch und Lemberger- klonbedingte Unterschiede gibt, die sich auch geschmacklich auswirken. Vor einiger Zeit hatte ich jedenfalls bei einer Weinprobe in der Lagerhalle eines meiner Händler die erste Begegnung mit dem

2015er Vernatsch – Alte Reben – Südtirol DOC, Franz Gojer, Südtirol

und das hat immerhin dazu geführt, daß ich das erste mal in meinem Leben einen Vernatsch käuflich erworben habe. Hoffentlich enttäuscht er heute meine Erwartungen nicht:

Im Glas ein transparentes, aber nicht „dünn“ wirkendes Rubinrot, würde auch auch einem Spätburgunder gut zu Gesicht stehen. Geruchlich dominiert die Kirsche, die ist schön klar, absolut nicht kitschig, dahinter vielleicht noch ein bißchen Granatapfel. Am Gaumen ebenfalls eine schöne, erstaunlich intensive Kirsche, sehr trocken, der deutliche Extrakt drückt keine Bonbon-Süße ins Glas. Die präsente Säure korrespondiert vorbildlich mit der an sich schon etwas süß wirkenden Kirsche, so daß keine Zuckerschwanzgefahr droht. Und wenn man sich ein bißchen anstrengt, dann findet man auch noch ein kleines Gewürzsträußchen im Glas. Der Abgang ist warm und von schöner Länge, auch hier dominiert die Kirsche nebst ein paar würzigen Aromen, diese wirkt in diesem Stadium allerdings deutlich dunkler als zuvor.

Bei dieser Rebsorte hat mich unter anderem immer gestört, daß die Weine flach bis dünn und / oder einfach unausgegoren im wahrsten Sinne des Wortes wirken. Das paßt auf diesen Vernatsch -der übrigens immerhin 13,5 PS unter der Haube hat- zum Glück gar nicht. Man darf sich hier zwar keinen ultrakomplexen Rotwein erwarten, aber mit seiner klaren, frischen, schnörkellosen und -trotz des Gehalts- durchaus auch leichten -bzw. leicht wirkenden- Stilistik macht er sehr viel Spaß und paßte wunderbar zum Leberkäs mit Kartoffelsalat. Erwartung erfüllt…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 16 von 25

Kleine Revision: bei einer späteren Weinrunde hatte ich den Wein etwas über ein Jahr später nochmal im Glas, er hat bis dahin leider deutlich abgebaut…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

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2 comments on “No Trollinger please… – Rev. 1

  1. Einige Rebsorten stehen ganz einfach für Zechweine – was ja auch nichts schlechtes ist und durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Mir geht es beim Welschriesling wie Dir beim Trollinger. Einige Ausnahmen gibt es zwar (u.a. Bei Uwe Schiefer, der seine Welschrieslinge gar nicht so nennt sondern schlicht „Weißer Schiefer“ und wie ich gehört habe auch bei Weninger), aber in der Regel ist der „Welsch“ halt ein Zechwein.

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    • Ja, das ist sicher richtig so. Aber auch Zechwein aus Zechweinsorten kann man besser oder schlechter machen. Da beim Zechen häufig eher auf die Masse geschaut wird, kommt dann in diesen Fällen auch was dementsprechendes ‚raus.
      Aber auch ambitionierte Projekte mit solchen Sorten können in die Hose gehen, so z.B. meiner Meinung nach mit dem Dornfelder 40 XXL von Günter Steinmetz. Der wurde zwar von diversen Weinwissenden über den grünen Klee gelobt, quasi als bester Dornfelder ever, aber selbst wenn dem so sein sollte, blieb für mich letztlich nur ein leidlich guter Rotwein übrig, der für das Gebotene deutlich zu teuer war.
      Der Welschriesling vom Weninger (Saybritz) ist übrigens tatsächlich was Schönes. Er wurde eine Zeit lang nicht produziert, aber als 2015er liegt er jetzt wieder im Keller…

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