Editions-Riesling

Jetzt erreichte mich mal wieder ein Wein, der bei mir -ohne ihn vorher probiert zu haben- in gewisser Weise Skepsis hervorgerufen hat:

2015er Riesling – Erbacher Michelmark – trocken – Erste Lage, Schloss Reinhartshausen, Rheingau

Skepsis warum? Zum einen klebt da so eine Medaille drauf, welche dem Wein die Teilnahme am Meininger-„Best of Riesling“ Wettbewerb bescheinigt, wobei noch das Ergebnis von 90 Punkten prominent hervorgehoben wird. Ich habe mir mal die Resultate (aus 2016) auf der Meininger-Heimseite angesehen: insgesamt sind 1.714 Weine aufgeführt, die besten liegen bei 97, die „schlechtesten“ bei 87 Punkten. Ist da die hier zutreffende Bepunktelung wirklich so berauschend? Aber es geht noch weiter: dieser Wein trägt auch die Bezeichnung „Edition Eckart Witzigmann“. Gemäß einem zusätzlich am Flaschenhals hängenden Zettelchen mit Bildchen und Unterschrift des Namensgebers hat

Der »Jahrhundertkoch« und langjährige Freund von Reinhartshausen … gemeinsam mit uns diesen exquisiten Riesling aus erster Lage vinifiziert. Dabei wurde die beste Parzelle aus dem Erbacher Michelmark ausgewählt und die Reben das ganze Jahr über in Abstimmung sorgfältig gepflegt.

In welcher Form Herr Witzigmann -dem ich seine Kompetenz in seinem Kernberuf in keinster Weise abreden möchte- nun bei der Weinwerdung (geschmacks-) entscheidend mitwirkte, darüber läßt sich das Weingut selbst nicht aus, man findet aber an anderer Stelle im Netz Folgendes:

Zwei Parzellen des Weinbergs Michelmark wurden für das gemeinsame Projekt ausgewählt, die als Erste Lagen des Weinguts Schloss Reinhartshausen klassifiziert sind. Nachdem der Wein ausgereift war, nahm Eckart Witzigmann an der Lese teil und entschied, dass die Weine der beiden Lagen unterschiedlich ausgebaut werden sollten: Eine Lage wurde zur kompletten Spontanvergärung in den Keller gebracht, die andere nur teilweise spontan vergoren.

Erwartungsgemäß entwickelten sich beide Partien unterschiedlich. Sie wurden am Ende nach dem Geschmack des Weinpaten in einer Cuvée vereinigt und ergeben ein stimmungsvolles, vielschichtiges Weingesamtkunstwerk.

Vielleicht tue ich dem Ganzen hier auch ein bißchen Unrecht, aber irgendwie kommt bei mir sowas als Resultat der Präsentation auf und an der Flasche eher als Marketing-Gag, denn als ernstzunehmende Partnerschaft von Genußhandwerkern an. Leider fehlt mir der Vergleich zu einem „normalen“ Michelmark-Riesling, die Guts-Heimseite weist aber auch nur einen Eiswein von dieser Lage aus. Also muß der „unvergleichliche“ Wein für sich alleine sprechen:

Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, anfangs noch leicht perlend. Geruchlich zeigen sich mit schöner, auf der frischen Seite bleibenden Intensität vor allem Ananas in reiferer Form, gelbe bis gelb-grüne zitrische Aromen sowie leicht tuffige Gesteinsnoten. Am Gaumen klar fruchtbetont, auch hier knackig frisch, trotz warmem Jahr keinerlei Hang zur Breite, mit der recht deutlichen Säure kommen differenzierte Limetten- und Ugli-Noten mit, auch hier diese o.a. Tuffsteinnote. Bei Peißenberg bzw. Weilheim gibt es einen größeren Eibenwald, der von allerlei Bachläufen in Tuffsteingerinnen durchzogen wird. Daran erinnert mich dieser Wein ein bißchen. Den Abgang kann man als ordentlich einstufen, auch hier ist frisch-fruchtig das oberste Motto.

Nun, die Skepsis meinerseits war eindeutig unbegründet. Das ist hier einerseits zwar kein sooo eigenständiger bzw. unverwechselbarer Riesling, auch wenn die Tuffsteine schon was Besonderes -wenn auch eher in dezenter Form- sind. Herauszuheben ist aus meiner Sicht, daß dieser Wein aus dem warmen Jahr 2015 über eine nahezu perfekte Säurestruktur verfügt und die Früchte in keinster Weise in die dicke Richtung zeigen. Soweit sehr schön gemacht -von wem letztlich auch immer- und insbesondere für Fruchtliebhaber auf der frischen und klar trockenen Seite durchaus eine Empfehlung

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

2 comments on “Editions-Riesling

  1. Also, diesen Wein kenne ich schon mal nicht. Trotzdem ist mir auf einer Hochzeit in Kassel Wein von der Mariannenaue vom Schloss R. angeboten worden. Ich bestand drauf, dass dort im Rhein kein Wein wächst. Ich lag falsch. Schloss hat als einziges (von zweien) eine Weinbergparzelle auf einer Insel im Rhein. Von dort gibt es auch gute “Alte Reben“ Weissweine.
    Schloss R. gehörte, so glaube ich, bis vor kurzem den Nachfahrn der Preußenkönige, bevor es jetzt zwischen Weingut und Steigenberger Hotelkette getrennt ist.
    Also geschichtsträchtig mit recht anständigen Weinen ist das Weingut.
    Und beim Lesen habe ich wieder viel dazu gelernt. Ich muss mal wieder beim Heimatbesuch hin.

    Liken

    • Interessant! Ich habe gleich mal bei Wiki nachgelesen, demzufolge gibt’s da immerhin 23 ha Weinanbau in zwei Lagen, die vom Schloss Reinhardshausen bewirtschaftet werden. Soll vor allem für Chardonnay eine günstige Lage sein, welche im Rheingau ja nicht sooo verbreitet ist. Ist allerdings auch keine typische Rheingau-Lage…

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s