Illusion – Relaunch

Um zu vermeiden, daß sich in meinem Keller mit der Zeit irgendwelche Untoten anhäufen, habe ich heute mal wieder was geöffnet, was zumindest im Verdacht stand, vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein:

2010er Spätburgunder – Illusion Eins – Weißherbst – trocken – Qw, Meyer-Näkel, Ahr

Im Glas ein schönes Orange, welches jeder gleichnamigen Frucht gut zu Gesicht stehen würde. In der Nase anfangs ein paar Pferdeäpfel, die sich allerdings recht schnell verziehen. Dann bleiben recht intensiv Granatapfel und Waldhimbeeren, die mit etwas Zimt gewürzt wurden. Am Gaumen ebenfalls die beschriebene dichte Frucht, auch hier leicht Braunwürze in Form von Zimt und etwas Sternanis. Keine übertriebene Säure, dennoch wird ein eher beschwingtes Mundgefühl erreicht, breit geht anders; etwas konzentrierte Limette kommt da noch mit. Der Abgang ist würzig-fruchtig und hält gut eine Minute und mehr ohne störende Begleiterscheinungen an.

Dieser mittlerweile 7 Jahre alte Arschjahr-Rosé (bzw. Weißherbst) ist immer noch in einer super Kondition und zeigt keinerlei Schwächen. Zwar nicht hyperkomplex in der aromatischen Vielfalt, aber mit einer super Textur und hohem Trinkfluß. Und -wenn ich meine alte Beschreibung nochmal durchlese-: bemerkenswert, welcher Umbau sich da in den letzten zwei Jahren vollzogen hat. Das was man dem Alter zuschreiben kann -dichtere und mehr auf der roten Seite angesiedelte Frucht sowie die würzige Komponente- ist weder dropsig, plakativ etc. und ohne jeden Ansatz von Überreife. Ich tendiere zwar gefühlsmäßig dazu, daß man den Wein jetzt trinken sollte, weil er wahrscheinlich nicht mehr viel besser wird (wo soll der noch hin?), aber er befindet sich wohl auch noch nicht auf dem Sturzflug, denke ich.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 19/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 12. April 2015:

Den weiß gekelterten Spätburgunder

2010er Spätburgunder – Illusion Eins – Weißherbst – trocken – Qw, Meyer-Näkel, Ahr

von einem der führenden Weingüter des nordwestlichsten Weinbaugebiets mit langer Spätburgundertradition hatte ich schon ein paar mal im Glas, jetzt war im Rahmen der diesjährigen Angrillaktion mal der 2010er als erster Wein im Glas, obwohl ein bekannter Weinblog ja unlängst die ultimative Parole ausgegeben hat, daß hierfür Riesling-Auslesen am besten geeignet sind. Aber hier habe ich meinen eigenen, trockenen Kopf…

Die 2010er sind ja bis heute ziemlich verschrien, meine Erfahrung ist aber, daß dieser Jahrgang nur sehr deutlich die Spreu vom Weizen scheidet. Es mag viel saurer Schrott in diesem Jahr produziert worden sein, aber ich habe eigentlich ausschließlich gute Erfahrungen mit diesem Jahrgang gemacht, auch wenn der ein oder andere gleiche Wein aus einem anderen Jahrgang vielleicht mal ein bißchen besser war. Ein schwieriges Jahr, klar, aber Winzer mit dem richtigen Gefühl für die Umstände, die sich aus dem Wetter ergeben und bereit sind, den entsprechenden Aufwand zu treiben, bringen dann trotzdem -oder gerade deswegen- schöne Sachen in die Flasche. Also war ich gespannt, ob der 2010er „Illusion“ meine Erfahrungen bestätigt oder ich doch eines Besseren belehrt werde.

Nun, ganz „weiß“ ist der „Illusion“ nicht, eher bernsteinfarben, bewegt sich also diesbezüglich eher zwischen Blanc de Noir und Rosé.

Laut Angabe des Weinguts erfolgt die Herstellung wie ein Champagnergrundwein, das heißt, die Spätburgundertrauben kommen nicht entrappt in die Presse. Durch sanften Druck wird lediglich der helle Saft der Trauben gewonnen. Der Most wird wie ein Weißwein kühl vergoren und anschließend der malolaktischen Gärung unterzogen.

In der Nase reife Aromen von Äpfeln und Birnen, Pfirsich, Aprikosen, ansatzweise aber auch Kirschen. Am Gaumen auch Limette und Pampelmuse, deren Bitteraromen aber mit der Zeit zurückgehen. Die Säure ist anfangs jahrgangstypisch noch etwas dominant, zieht sich aber im Laufe von etwa einer Viertelstunde auf ein wohltuendes Maß zurück. Insgesamt vom Geschmacksprofil dann doch eher weiß als rosé, auch wenn ein paar rote Komponenten dabei sind.

Ein nicht alltäglicher Wein, der die Eigenschaften des „weißen“ Burgunders wohltuend um etwas gerbstoffabhängige Aromatik und die schöne Säurestruktur erweitert. Und der Jahrgang hat dem Wein nach meiner Meinung in keinster Weise geschadet.

Meine Wertung: 2

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