Feldmarschall im Mittelalter

Heute gab’s nach dem Südtiroler Mittelklasse-MT vor einigen Tagen mal wieder die Gelegenheit, einen Feld aufzuziehen. Nein, aufzuschrauben! Trotz Italien und trotz des Alters hat der

2009er Müller-Thurgau – Feldmarschall von Fenner zu Fennberg – Weinberg Dolomiten IGT, Tiefenbrunner, Südtirol

bereits einen Schraubverschluß. Soweit ich das weiß, war der „Feld“ der erste Wein des Guts, der irgendwann zwischen 2006 und 2009 auf diese Verschlußvariante umgestellt wurde (der 2005er ist jedenfalls noch verkorkt). Auf der Verschlußkappe steht übrigens oben neben „Tiefenbrunner“ auch noch „Cork Free“ drauf, heutzutage prangt da nur das weit verbreitete Südtirol-Emblem. Allerdings gibt es nach wie vor auch Korken bei den Weinen dieses Guts, verschraubt sind nach meiner Kenntnis eben der „Feld“ und mittlerweile auch der Sauvignon Blanc sowie der Goldmuskateller „Turmhof“. Bei den Classic-Weinen weiß ich’s gar nicht, da hatte ich schon länger keinen mehr. Und der „Feld“ war damals noch ein „IGT“, mittlerweile hat er ja DOC-Status erhalten. Aber bevor ich zu weit vom Objekt der Begierde selbst abschweife:

Die Farbe ist ein ganz leicht fortgeschrittenes Goldgelb, das Bukett hat anfangs ganz leicht Terpentin und eine für mich nicht näher definierbare Schmutzigkeit zu bieten, nach gut 5 Minuten im Glas ist das aber weg. Trotzdem bleibt eine leichte Organik übrig, manche Schuhcreme riecht ein bißchen so. Der Hauptanteil ist aber eine schöne, gereifte Frucht: Nektarine, Physalis und Papaya bilden sich sauber differenzierbar ab. Dazu etwas Beifuß und Koriandersaat sowie leichte Waldhonignoten. Am Gaumen setzt sich das Ganze mehr oder weniger 1 : 1 fort, wird aber noch durch konzentrierte Limetten- und Pampelmusennoten ergänzt. Die Säure ist recht straff unterwegs und bietet der recht satten Frucht ordentlich Paroli, so daß kein Schweregefühl aufkommt. Die Steine, die sich erst nach einiger Zeit nach vorne schieben, bringen was dezent jodiges, fast heilbadmäßiges mit, der Abgang ist frisch-fruchtig mit reifem Anklang und zieht minutenlang ein kleines, feines Grapefruitbitterchen hinterher.

Das ist nun ganz klar eine andere Liga als der oben verlinkte MT, was aber auch von vornherein klar war. Vor allem gefällt mir hier der Spagat zwischen immer noch intensiver und auch klar unterscheidbarer Fruchtigkeit und den andererseits reifen Noten, die diesen „mittelalten“ MT dennoch nicht aus der beschwingten Ecke herausholen. Ich weiß zwar nicht, ob der Wein sich nun dies- oder jenseits des Zenits befindet, Schwächen zeigt er jedenfalls keine. Ich habe diesen Jahrgang schon lange nicht mehr im Glas gehabt. Ich hatte ihn zwar mal, aber er war schnell weg und ich habe ihn mir erst vor relativ kurzer Zeit wieder besorgt, weil ich eigentlich eine Feld-Vertikale ausrichten wollte, aber es fanden sich leider nicht genügend Leute dafür. Wenn die wüßten, was sie zumindest mit diesem Jahrgang verpassen…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

4 comments on “Feldmarschall im Mittelalter

  1. Hi Erich,
    hatte bis dato noch immer keinen Feldmarschall im Glas, aber Deine Berichte machen neugierig auf diesen Wein. War der 09er „stärker“ als die anderen Jahrgänge und war 2009 nicht auch ein eher „warmes Jahr“ in Südtirol? Was ja nicht immer nachteilig sein muss….
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ich hatte den 2009er ja schon vor Jahren in jünger probiert, das war aber vor der Zeit, in der ich zu praktisch jedem Wein detaillierte Notizen gemacht habe. Deshalb kann ich jetzt nicht mehr sagen, inwieweit sich dieser Jahrgang „in jung“ signifikant abgehoben hat. Und damals konnte man den „Feld“ auch noch deutlich jünger als heute trinken, denn irgendwann um 2011 herum hat das Gut entschieden, dem „Feld“ generell ein Jahr mehr Flaschenreife vor dem Verkauf zu gönnen.
      Heute präsentiert er sich -natürlich- deutlich dichter als die jüngeren Jahrgänge, die ja auch weniger Lagerzeit auf dem Buckel haben. Überhaupt denke ich, daß sich bei dieser Lage jahrgangsbedingte Einflüsse nicht 1:1 von den „Talweinen“ auf den „Feld“ übertragen lassen. Das Mikroklima (überhaupt die ganze Vegetation) da oben auf dem Plateauberg sind anscheinend sehr speziell. Nicht umsonst ist dieser MT eigentlich in jedem Jahr recht outstanding; und lange Zeit war dies der einzige Müller-Thurgau, den ich überhaupt angefaßt habe…
      VG Erich

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      • Bin zwar kein „Verweigerer“ bestimmter Rebsorte und probiere auch gerne Neues aber einen wirklich interessanten MT hatte ich bis dato noch nicht im Glas (hab da aber auch nicht sooo viel probiert).
        Den Feldmarschall würde ich gerne mal testen, klingt für mich spannender als alles was aus D in Sachen MT kommt…

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        • „Verweigerer“ aus Prinzip bin ich auch nicht, aber wenn zu viele schlechte Erfahrungen mit einer Rebsorte aufeinander folgen, schwindet auch das Interesse daran. Bis vielleicht irgendwann jemand mal wieder das Interesse weckt.
          Aus D gibt es durchaus auch ein paar schöne MT’s, die sind allerdings überhaupt nicht mit dem „Feld“ zu vergleichen bzw. erreichen dessen Niveau. Die meisten davon sind eher auf der karg-mineralischen Seite unterwegs; der schönste deutsche Müller, den ich bis jetzt im Glas hatte, stammte von Schwarz in Sachsen. Wohl einer der wenigen Rebsortenvertreter, die mit Holz in Berührung kommen…

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