Roter Abend-Himmel – Relaunch

Bei der Suche nach was Rotem (diese Farbe ist bei mir ja leider etwas unterrepräsentiert) stachen aus den vielen rot-weiß-roten Kapseln in der Österreich-Ecke auch welche ohne „Bikolore“ mit den Initialen „CT“ heraus. Der zugehörige Winzer macht nur Landweine, da ihm anscheinend das österreichische Qualitätssystem reichlich „Wurscht“ ist, und das äußert sich dann auch im Design dieses Flaschenverhüterlis. Es handelt sich um den

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [Rot] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

Die Farbe ist ein dunkleres Granatrot mit mittlerer Transparenz und beginnender, leichter Braunfärbung. Geruchlich immer noch „juicy“ (siehe unten), sehr reife Kirschen, auch etwas Heidelbeere, weiters kündigt sich eine weiche Tanninstruktur an. Dieses Versprechen wird soweit gehalten, auch wenn die Gerbstoffe nun deutlich präsent sind, sie geben sich allerdings recht zahm, eine ganz leichte Adstringenz ist spürbar. Fruchtseitig nun eher Schlehen und schwarze Johannisbeeren, leicht Pfeffer sowie Oregano; Steine gibt’s auch ein paar. Das schönste ist die Säure, die den roten Himmel klar auf der schlanken Seite hält, allerdings zeigt die Fruchtseite im aktuellen Stadium einen leichten Durchhänger, und zum Kompensieren ist gerade nicht so viel da. Der Abgang währt recht lange, aber auch hier muß ich einen gewissen Substanzverlust feststellen.

Leider hält der Gaumen aktuell nicht, was die Nase verspricht. Ich denke, daß sich der „Himmel“ gerade umbaut, bin mir dabei aber nicht sicher, ob er seinen einstigen Glanz in anderer Form wieder erreichen wird; möglicherweise ist der Wein auch nicht für die Langstrecke bestimmt. Deshalb aktuell ein kleiner Absturz auf

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 01.09.2017:

Als ich neulich ein paar Tage in Hamburg war, habe ich als eines der weintechnischen Highlights den weißen, maischevergorenen Himmel auf Erden II genossen und mich dabei daran erinnert, daß ich den

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [Rot] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

zwar im Keller, aber noch gar nicht probiert habe. Das wurde heute nachgeholt.

Der rote Himmel ist eine Cuvée aus Zweigelt und Cabernet Sauvignon. Oder Cabernet Franc und Zweigelt? Auf der Flasche steht diesbezüglich nichts. Aber ich habe beide Beschaffenheitsmerkmale im Netz gefunden, in einem Fall sogar beide Varianten auf einer Seite! Die Mehrheit tendiert zwar zu erstgenannter Mischung, aber mit Mehrheiten im Netz bin ich eher vorsichtig, zumal ich festgestellt habe, daß die Beschreibungen der einzelnen Anbieter meist exakt gleich sind. Also wurde ggf. auch ein Fehler nur mehrfach kopiert. Ob ich nach dem Verkosten eine Tendenz dazu abgeben kann?

Im Glas jedenfalls ist der rote Himmel granatrot mit leicht violetten Reflexen, mitteldicht und einigermaßen transparent. Geruchlich zeigen sich Schattenmorellen und ganz leicht Aronia, riecht leicht herb, fast ein bißchen staubig. In den oben genannten Seiten wurde in den Beschreibungen auch „juicy“ verwendet, das kann ich auch ohne den ersten Schluck im Mund schon bestätigen. Am Gaumen bestätigt sich das „juicy“ ebenfalls sofort. Das kirschige Aroma stammt jetzt mehr von Sauerkirschen, leicht auch schwarze Johannisbeere. Sehr wenige Tannine, dennoch recht gehaltvoll und etwas gerbstoffig, ein bißchen Koriandersaat und Thymian finde ich, dazu ein paar nasse Kiesel. Ganz hinten am Gaumen dann tatsächlich der weiße Pfeffer, den die oben genannten Weinbeschreibungen mehrfach und gleichlautend bereits in der Nase lokalisieren. Tschida-typisch mit 12,5 Ampere eher leicht aufgestellt, geschmacklich würde man da gut ein Amperechen mehr vermuten. Und der Wein hat Säure. Die fällt aber gar nicht so vordergründig auf, sondern eher durch die Wirkung, nämlich daß dieser effektiv nicht ganz schlanke Stoff eine recht hohe „Trinkgeschwindigkeit“ (der Ausdruck ist nicht von mir) aufweist und dadurch fast „dünner“ wirkt als er ist. Der Abgang währt über mehrere Minuten und hält mit seiner frischen Fruchtigkeit die „juicyness“ nochmals hoch.

Wie soll man den roten Himmel nun final beschreiben? Irgendwie ist dies wie ein gehobener Alltagswein. Von der Aromatik her eigentlich eher simpel gehalten, aber in der Kombination der geschmacklichen Bestandteile paßt einfach alles sehr harmonisch zusammen. Dabei leicht und gehaltvoll sowie sauber strukturiert in einem. Sehr schön!

Ach ja, was für eine Cuvée ist denn das nun? Am meisten Hinweise finde ich in Richtung Zweigelt, aber der ist ja in beiden Varianten vorhanden. Bezüglich des Cuvée-Partners würde ich eher auf den Minderheitskandidaten Cabernet Franc tippen, denn der geringe Tanningehalt und das Fehlen des „Grünen“ eines CS sprechen aus meiner Sicht weniger für diese Variante. Aber das ist natürlich auch immer eine Frage des Mischungsverhältnisses und bei Christian Tschida ist ja sowieso immer alles anders. Also wetten würde ich nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

5 comments on “Roter Abend-Himmel – Relaunch

  1. Hallo Erich,
    die Himmel auf Erden Weine von Tschida finde ich spannend und sehr schön von Dir beschrieben.
    Bis dato kenne ich von Tschida nur den Kapitel I – fand ich okay, nix besonderes aber von der Machart schon mein Typ Wein.
    Der rote Himmel auf Erden hört sich von der Zusammensetzung, dem Alkohol (und wohl auch vom Preis) sehr ähnlich an und hat bei Dir 2 Punkte mehr als der Kapitel I – wo liegt nach Deiner Wahrnehumg der Unterschied oder hat sich Dein Geschmack verändert?
    VG Patrik

    PS: Grün ist eigentlich kein Zeichen für den CS, eher für unreife Trauben und/oder schlechte Arbeit und dann neigt der CF mehr zu grünen Noten als der CS. Und schwarze Johannisbeeren findet man recht oft im CS.
    PPS: Interessant finde ich auch das Christian Tschida als Mitglied im „Wild Boys of Club Batonnage“ einen 110%igen Parkerrotwein mit 15,5 bis 16,5 Umdrehungen macht/machte… ein bisschen wie „vom Saulus zum Paulus“ finde ich 😉

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    • Hallo Patrik,
      ja, die Himmel-Weine finde ich eigentlich allesamt sehr schön, wobei der normale weiße Himmel aus meiner Sicht allerdings der „schwierigste“ Wein ist, für den man auch am meisten Zeit braucht. Außerdem tut ihm Zeit im Keller gut. Interessanterweise ist der maischevergorene weiße Himmel II der aus meiner Sicht deutlich gefälligere Wein. Kapitel I müßte ich mal wieder aufmachen, aber ich habe ihm damals auch deswegen die „1“ gegeben, weil es zwar eigentlich ein schöner Wein ist, ich aber trotz des Preisunterschiedes künftig eher beim „Domkapitel“ zugreifen würde, weil der im Vergleich halt doch der deutlich finessenreichere Saft ist. Und bei meinem eher überschaubaren Rotweinkonsum fällt das dann ja nicht so sehr ins Gewicht. Der rote Himmel ist demgegenüber aber von einer ganz anderen Stilistik. Dieses Wort „juicy“ trifft’s tatsächlich ganz gut. Das sind die Kapitel-Weine weniger. Da kratzt und schabt es schon deutlich mehr, was jetzt nichts Schlechtes per se ist, aber die Kapitel-Weine sind doch weniger was zum gepflegten „Wegschlabbern“. Aber vielleicht ändere ich ja meine Meinung, wenn ich den Kapitel I mit etwas mehr Reife mal wieder aufmache.
      Ich habe auch noch die zwei Felsen im Keller sowie den Non-Tradition. Mal sehen, wann sich dafür ein Anlaß ergibt…

      Ich muß zugeben, daß ich nicht die ganz große CS-Erfahrung habe, aber die meisten kamen halt mit einer mehr oder minder grünen Paprika daher, die dem CS doch auch gerne als typisch zugeschrieben wird. Zumindest in jüngeren Jahren. Und tanninlastig waren sie eigentlich alle, solange sie nicht mindestens 5 oder gar 10 Jahre alt waren. Die Johannisbeere war für mich jetzt weniger ausschlaggebend. Wäre mal interessant, was du für eine Meinung dazu hättest!
      Anscheinend werden die beiden Cabernets aufgrund der Namensähnlichkeit aber auch öfters mal verwechselt. Was auch immer es jetzt sein mag, Hauptsache, es schmeckt!

      Den Hinweis auf die Alloholbombe von CT finde ich interessant. Das widerspricht auf den ersten Blick doch ziemlich krass dem, was er selbst in verschiedenen Interviews als Statement zu seiner Weinphilosophie von sich gegeben hat.

      VG Erich

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      • Schätze die HaE Weine werde ich mal probieren, reizen mich schon länger..
        Also ich hab schon ein paar CS dominierten Weine getrunken, aus Bordeaux, Kalifornien, Washington State, etc.. Die „Guten“ waren nicht grün und selbst „gute“ Bordeaux haben eine recht schöne junge Fruchtphase ohne das man von Tanninen erschlagen wird. Besonders bei US CS finde ich diese Cassisnote sehr typisch und schön. Ich mag auch leichte, frische Rotweine, die von einer schönen Säure getragen sind aber grüne Noten empfinde ich als „unreife“ und eher als Zeichen von zu hohen Erträgen und schlechter Winzerarbeit… Aber bin da auch kein Profi, ist nur mein Empfinden.

        Bezüglich CT und „Wild Boys of Batonnage“ zeigt das auch, dass unsere österreichischen Nachbarwinzer gute Marketingfachleute sind: Glykol Skandal schneller überwunden, GV weltweit zur Marke gemacht, im Burgenland zunächst megafette Rotweine produziert und vermarktet, die total auf Parkerlinie lagen (als das noch angesagt war) und jetzt halt „leichte“ Rote und auf den Naturweinzug aufspringen… CT ist da ein gutes Beispiel für Marktanpassung die als Individualität verkauft wird 😉

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        • Ist ja auch durchaus legitim, sich die Marktnische zu suchen, in die man am besten reinpaßt und die dann auch konsequent auszunutzen. Im besten Fall macht der Winzer das auch aus voller Überzeugung zu seinem Produkt. Und ich bin durchaus geneigt, CT diese Überzeugung abzunehmen. Auch wenn er sich schon recht aktiv in Szene setzt und möglicherweise auch das ein oder andere Klischee bzw. Anti-Klischee bedient.
          Ich habe das übrigens auch in meinem Beruf immer wieder erlebt, daß sich die Österreicher im Vergleich zu uns Deutschen einfach „nix scheißen“ (entschuldige den Ausdruck, er paßt aber hier so gut) und einfach machen, wo unsereins erstmal einen Berg von Bedenken abarbeitet. Deswegen sind unsere Nachbarn in vielen Dingen einfach schneller. Es geht zwar auch mehr in die Hose, insgesamt habe ich aber den Eindruck, daß mehr Sinnvolles ‚rauskommt als Zweckfreies.
          Und grün: Paprika in grüner Form finde ich im Wein nicht per se schlecht und ich würde es auch nicht in jedem Fall als Unreife abtun. Aber meistens hättest du doch recht… 😉

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          • Ich finde es auch gut, wenn man seine (Markt)Chancen nutzt, wenn sie sich bieten und ich mag die Österreicher ohnehin sehr gerne – also auch die Menschen, nicht nur die Weine 😉 .
            Finde es nur lustig, wenn man so tut als wäre alles schon immer so gewesen und sich Opportunisten als Pioniere ausgeben. Egal, wenn die Weine gut sind, kaufe und trinke ich auch die gerne 🙂

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