Very Special One Time Only Performance

…so lautete mal die „Message“ hinter der Abkürzung „V.S.O.P.“, die ansonsten eher im Bereich hochprozentiger Getränke -insbesondere Cognac- für „very superior old pale“ steht. Das Kürzel diente -im Jazz- erst als Titel für eine 1976 aufgenommene und 1977 erschienene Doppel-LP von Herbie Hancock, auf der Stücke mit drei verschiedenen Besetzungen zu hören waren, wobei das damals Besondere war, daß die Musik nicht ausschließlich dem damals von HH forcierten Fusion bzw. Jazz-Rock folgte, sondern eine deutliche Anzahl von Tracks eine Weiterführung des klassischen Hard Bop darstellten. Eine dieser Besetzungen entsprach -fast- der des legendären zweiten Miles Davis Quintets, die Trompete wurde hier aber von Freddie Hubbard in Szene gesetzt. Zu der Zeit war MD bereits von der Musikbühne verschwunden (er tauchte erst Anfang der 80er wieder auf), so war es nicht verwunderlich, daß er eine diesbezügliche Anfrage von Herbie Hancock ablehnte, angeblich mit den Worten: „How do you think that would be, to be a sideman for one of my sidemen? That’d be a little funny.“ Wo er recht hat, hat er recht. In der weiteren Folge wurden dann trotz „One Time Only“ (s.o.) doch einige weitere Alben mit der Miles Davis Quintet-Nachfolgeorganisation aufgenommen; anscheinend erkannte Herbie Hancock, daß auch der nicht ganz so innovative Jazz nach wie vor seine Freunde hatte und so bediente er fortan einfach beide Richtungen parallel. Das erste Album mit der oben angesprochenen Besetzung -Herbie Hancock (p), Wayne Shorter (ss, ts), Freddie Hubbard (tp, fh), Ron Carter (b), Tony Williams (dr)- wurde dann auch nicht mehr unter Herbie Hancocks (alleinigem) Namen veröffentlicht:

V.S.O.P. – The Quintet

wurde 1977 aufgenommen und enthält auf zwei Platten insgesamt 8 Tracks, welche jeweils zwischen 7 und knapp 12 Minuten Spieldauer aufweisen, in der CD-Version paßt das Ganze so auch auf eine Scheibe. Gespielt wird ausschließlich mit akustischen Instrumenten, Herbie Hancock hat hier seine ganzen Synthesizer etc. zuhause gelassen. Auch wenn es sich hier um Bop bzw. Hard Bop oder Modal in Reinkultur handelt, wirkt die Musik auf mich kein bißchen gestrig. Die Kompositionen -allesamt jeweils von einem der Mitwirkenden- sind einerseits charakteristisch genug und anderseits einfach zu überlegen gespielt, als daß hier Eintönigkeit oder Beliebigkeit aufkommen könnte. Anhand der gespielten Titel könnte man zwar meinen, es wird hier lediglich das ehemalige Repertoire des zweiten Miles Davis Quintets recycelt, aber -auch wenn ich die Gründe im Detail gar nicht ausführen kann- das ganze Album hört sich grundsätzlich anders an. Und das liegt nicht ausschließlich daran, daß Freddie Hubbard spielt wie Freddie Hubbard und nicht wie MD. Jedenfalls wurde zum Zeitpunkt seines Erscheinens während des Fusion-Hypes mit diesem Album schön manifestiert, daß der Jazz der 60er nicht zum alten Eisen gehörte; und das gilt aus meiner Sicht auch heute noch.

Meine Wertung: 4

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s