Wieder ein Schenengche… – Nachtrag

Heute mal wieder was Schönes von der Loire, was man in der Art in D, A, I vollends vergeblich suchen dürfte:

2015er Les Caillardières – Chenin Blanc – Savennières AOC, Domaine du Closel, Vallée de Loire

Soweit ich weiß, wird Chenin Blanc in Europa außerhalb der französischen Grenzen gar nicht angebaut, jedenfalls habe ich sowas noch nie gesehen. Die meisten anderen, bekannteren Rebsorten aus F werden ja mittlereweile fast überall verkeltert, auch Merlot von der Mosel ist ja nichts wirklich außergewöhnliches mehr. Natürlich sind die non-F-Weine in aller Regel deutlich anders als die „Originale“. Aber im Falle dieser Rebsorte kommen halt zwei Dinge zusammen, die sich aus meiner Sicht fast potenzieren: eine recht eigenständige Rebsorte und die spezielle Stilistik, die man an der Loire finden kann. Dieser CB wird übrigens vom Gut als „Vin de Gourmandise“ bezeichnet.

Im Glas ein mittleres Bronzegelb, in der Nase gleich cremig-frisch-fruchtig anmutend, ganz leicht reduktiv dabei, etwas Brioche, dann mürbe, gelbe Äpfel, etwas Quitte, dazu speckige Ledertasche und ein ganz kleines Karamellbonbon. Am Gaumen zwingt einen zuerst die perfekte Balance zwischen Säure, schmelzigem Extrakt und einer eigenen nussig-hefigen Seite in die Knie. Die Frucht ist hier nur noch von sekundärer Bedeutung, einige konzentrierte, aber doch recht milde, eher gelbe Zitrusaromen sind in diesem Bereich ganz vorne. Den Rest geben einem einige samtige Gerbstoffe, wieder ein Hauch Leder sowie ein paar braune Salze. Der Nachhall hallt locker 3 Minuten, dabei bestimmt eine leicht malzige, sehr distinguierte Extraktsüße die Aromatik; hier gibt’s wieder etwas mehr leicht herb-reduktive Frucht und eine große Zahl weiterer Aromenfetzen, die mit ihrem Kommen und Gehen eine exakte Beschreibung unmöglich machen.

Zu diesem Wein kann ich abschließend eigentlich nur sagen, daß er mich voll fett begeistert hat…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Immer noch ein wunderbarer Wein! Auffälligste Veränderung ist, daß sich nunmehr über alle Stadien hinweg eine recht intensive, eingelegte Birne bemerkbar macht, die allen anderen Aromen fast ein bißchen die Show stiehlt. Objektiv gesehen (soweit das überhaupt geht) tut das der Qualität keinerlei Abbruch, subjektiv gesehen war mir das Gleichgewicht der Kräfte gestern noch ein klein bißchen lieber…

10 comments on “Wieder ein Schenengche… – Nachtrag

  1. Ich sag ja immer „trinkt mehr Chenin!“ und das, obwohl ich heute einen SB im Glas hatte und der kam sogar aus der Pfalz und war gar nicht übel (und ich bin ein ausgewiesener Vorverurteiler von deutschem SB).
    Aber SB beiseite, Dein heutiger Chenin klingt super – schätze von dem Weingut besorge ich mir mal was…
    Hast Du noch Chenin von anderen Loire-Winzern im Keller?
    VG Patrik
    Hier noch ein passende Bild aus dem Le Dilettante in Beaune 😉
    http://www.pictame.com/media/1642968932246462255_5650336404

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    • Moin moin!
      Aktuell kann ich nur noch vom gleichen Weingut den „Clos de Papillon“ d’rauflegen. Vielleicht ist der noch ein bißchen besser, jedenfalls ist er noch etwas teurer.
      Gibt’s übrigens bei einem meiner Händler hier in der Nähe…
      Apropos Che: Ist echt konsequent, wenn man bei dem Namen bei dieser Rebsorte landet.
      Und: was für ein Pälzer Gewächs ist denn da in euren Gläsern gelandet?
      Schönes WE wünsche ich!
      VG Erich

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  2. Moin Erich,
    der SB aus der Palz war der 2011er SB 500 von von Winning. Ich mag es ja, deutschen SB nicht zu mögen aber der war wirklich ein so undeutscher SB, dass es nicht möglich war, ihn nicht zu mögen.
    Übrigens macht das Weingut Stigler aus Baden sogar einen reinsortigen Chenin, den ich aber noch nicht probiert habe…

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    • Von von Winning kenne die 500er nur in Riesling. Wenn der SB so anders ist, wie z.B. der U500 anders ist, kann ich mir schon vorstellen, daß das ein schöner Stoff ist (hab‘ gerade noch deine VKN gelesen)…

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      • Den Ungeheuer 500 fand ich „außergewöhnlicher“ als den SB 500, also im Sinne was man von der Rebsorte erwartet und dann tatsächlich im Glas hat. Allerdings habe ich bis dato noch keinen, im positiven Sinne, so ernsthaften SB aus Deutschland im Glas gehabt. Die meisten SBs aus D kopieren irgendwie NZ oder die Sankt Eiermark und kommen ziemlich fruchtsortenquietschig daher.

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        • Da hast du grundsätzlich recht und ich habe mich dann gefragt, wann ich den letzten bemerkenswerten SB aus D im Glas hatte. Ich mußte relativ weit zurück gehen und bin dann beim „Zweimännerwein“ von Christian Stahl (und Andreas Ehl) gelandet. Wenig Frucht, viel Bariumchlorid – so als grobe Richtung…

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  3. Hi Erich,
    gestern hatte ich meinen Erstkontakt mit diesem Chenin von Closel – sehr schön, wobei ich das Gefühl hatte, dass dem Wein 5+ Jahre gut tun werden. Meine bessere Hälfte war sogar noch deutlich mehr begeistert als ich.
    Nach dem Querabgleich mit Deinen Notizen, könnte ich mir vorstellen, dass es sich für Dich lohnt, noch ein paar andere Chenin von der Loire zu probieren – hier gibt es sich noch einiges, das Dich ebenso oder sogar mehr begeistern wird wie die Chenin von Closel 🙂 .
    Schönes Wochenende
    Patrik
    PS: Bin auf Deine Notizen zu Eurer Weinrunde gespannt 😉

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    • Freut mich! Ist schon ein super Stöffchen und macht Lust auf mehr!
      Apropos Weinrunde: ich weiß noch nicht genau, ob ich sinnvoll teilnehmen kann; die Erkälterei macht mir womöglich einen Strich durch die Rechnung. Es gab eh‘ ein paar Terminverschiebungen, aktuell wär’s am Montag. Mal sehen…

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