Wir sind nicht tot!

Am Mittwoch Abend war mal wieder eine Live-Verkostung von diversen Weinchen. Diesmal aber nicht bei „Wein am Limit“, sondern -für uns das erste mal- bei „Wrint-Flaschen„. Hier handelt es sich nicht um einen Video-Stream, sondern um einen Podcast; „Wrint“ bedeutet dabei „Wer redet, ist nicht tot“. Es gibt eine ganz Menge dieser Podcasts zu verschiedensten Themen, am liebsten höre ich mir immer den „Realitätsabgleich“, „Die Wrintheit“, „Wrint Wissenschaft“ und eben „Wrint Flaschen“ an. Irgendwie hatte ich in der Zeit, seit ich den Podcasts von Holger Klein folge, nie Zeit, wenn so ein Flaschen-Podcast veranstaltet wurde oder es wurde für mich zu kurzfristig angekündigt; jetzt aber! Diese Live-Verkostung ist etwas weniger professionell aufgemacht als das, was bei „Wein am Limit“ zum Beispiel passiert, ein Gutteil des Reizes dieses Formats kommt aber genau daher. Der Kopf hinter Wrint -Holger Klein- ist Hörfunkmoderator und eben Podcaster, was ja irgendwie in die gleiche Richtung geht. Der zweite Mann bei „Wrint Flaschen“ ist -zumindest wenn es um Wein geht- Christoph Raffelt, der tatsächlich mit dem Thema Wein sein Geld verdient und auch den Blog „Originalverkorkt“ betreibt. Die beiden kennen sich -so kann man es manchen der Podcasts entnehmen- schon seit langer Zeit und gestalten die Sendungen in der Kombination als „Fachmann plus geübter Laie“ recht witzig und kurzweilig, aber durchaus informativ. Hört’s euch einfach mal an…

Diesmal wurden 3 Weine von Florian Feth aus Rheinhessen vorgestellt. Dies ist ein immerhin gut 25 ha großes Weingut, welches komplett demeter-zertifiziert arbeitet.

1. Wein: 2016er Chardonnay – Dalsheimer – trocken – Qw, Feth-Wehrhof, Rheinhessen

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Im Glas zeigt sich hier ein helleres Goldgelb, in der Nase anfangs etwas verhalten, dann kommen aber mehr und mehr Äpfelchen, grüne Kochbanane und reife Mirabellen ins Spiel. Am Gaumen eine ähnliche Fruchterfahrung, allerdings gefühlt etwas gelber als in der Nase. Das Ganze wirkt recht saftig, auch leicht kräuterig, hat eine schön ausgeprägte Säure und ist trotz leichter Cremigkeit insgesamt sehr frisch und niederviskos. Steine gibt’s auch einige in Form einer Art Carbonatmineralik. Der Abgang ist ordentlich lang, auch hier eine schöne Balance zwischen Cremigkeit, Frische und Saftigkeit.

Angesichts des Preises von gerade mal 6,80 Euronen pro Flasche für diesen Ortswein ist das doch ein sehr bemerkenswertes Gewächs. Einerseits ein schöner „Crowdpleaser“, andererseits aber weit von jeglicher Eindimensionalität entfernt. Dann auch noch demeter; ich weiß zwar jetzt nicht, wie hoch der Mehraufwand für diese Art der Weinherstellung zu bewerten ist, aber die meisten konventionell hergestellten Weine zu diesem Preis müssen sich ziemlich weit hinter diesem Chardonnay einordnen.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 17/25

2. Wein: 2015er Riesling – Dalsheimer Bürgel – Spätlese – trocken – QmP, Feth-Wehrhof, Rheinhessen

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Hier ist das Goldgelb im Glas schon deutlich dichter, die Nase wird vom Fleck weg gleich sehr intensiv mit Gummiluftmatratze, Orangenschalen und Pomelo bedacht. Am Gaumen fällt zuerst die sehr knackige Säure auf, die man schon mögen muß, ihr steht aber auch in sehr schöner Weise ordentlich Extrakt in Form eines Konzentrats aus Grapefruit, Limette und Blutorange gegenüber. Weiters habe ich eine gewisse Gerbstoffigkeit bemerkt; die Mineralik geht fast ein bißchen unter, aber wenn man sich etwas d’rauf konzentriert, findet man durchaus einige Steine, die zwar ein bißchen schieferig wirken, aber es ist doch wieder anders; hier tue ich mich aber gerade mit der Beschreibung etwas schwer. Der Nachhall hallt im Mehrminutenbereich, dabei zeigt sich fast eine leichte Cremigkeit, die potente Säure hält jedoch zusammen mit der amtlichen Zitrusdichte den Riesling auch hier auf der frisch-beschwingten Seite.

Dieser Riesling ist nicht ganz so crowdpleasend wie der vorherige Chardonnay, allerdings waren sich alle einig, daß dies objektiv (soweit das geht) klar der bessere Wein ist. Dennoch würden die meisten Mittrinker eher den Chardonnay nachkaufen wollen als diesen Riesling. War bei mir allerdings umgekehrt:

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

3. Wein: 2016er Spätburgunder – Pfeddersheimer – trocken – Qw, Feth-Wehrhof, Rheinhessen

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Das Glas offenbart ein für einen Spätburgunder fast etwas dunkles Granatrot, für die Nase gibt’s Sauerkirsche mit etwas Chlorbleiche, weiters auch etwas Erdbeere, die mit der Zeit deutlich zunimmt. Ein paar wenige braunwürzige Aromen (später auch Lakritze) weisen auf mögliches großes Holz hin. Geschmacklich zeigt sich anfangs eher wenig Frucht, weiters ein paar samtige Tannine, nasse Steine, leicht Flint und später auch Rauch. Die Früchte schieben sich im Laufe der Zeit nach vorne und insbesondere die Erdbeere wird irgendwann sogar etwas vorlaut. Anfangs zeigt der Spätburgunder eine super Süße-Säure-Balance, die Extraktsüße wird schön im Zaum gehalten; mit dem Erstarken der Fruchtseite verliert diese Balance aus meiner Sicht jedoch ein bißchen. Der Abgang ist von schöner Länge, dabei warm und leicht extraktsüß wirkend mit einem leicht herb-würzigen Finale.

Wenn man für (deutlich) weniger als 10 Euronen einen generell schön gemachten Spätburgunder sucht, ist man hier absolut richtig. Ich persönlich kann nur insofern ein bißchen ’rummeckern, als daß mir der Wein mit etwas Luft dann doch etwas zu „deutsch“ wird. Frisch im Glas hat er mir deutlich besser gefallen, da dachte ich mir noch „halbdeutsch“ hinsichtlich der Stilistik. Deshalb trotz aller offensichtlichen Qualitäten für mich eher kein Nachkaufkandidat, das wurde in der Runde aber mehrheitlich anders gesehen.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 17/25

Insgesamt eine sehr schöne Runde mit drei Weinen, die allesamt in ihrer Klasse von hoher Qualität sind und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Jeder hatte seinen persönlichen Favoriten, bei mir war’s klar der Riesling, der als 2015er ja noch nicht gereift ist, aber trotzdem ein paar Reifungsnuancen mit den dann doch überwiegend jugendlichen Attributen vereint. Mal sehen, wann ich das nächste mal für die „Flaschen“ Zeit habe.

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