Begegnung mit der Teuersten…

Eine meiner Schmerzgrenzen beim Wein, die ich eher selten überschreite (und wenn, dann in der Regel nur, wenn ich den Saft vorher probiert habe), liegt irgendwo bei 35 bis 40 Euronen pro Flasche. Das orientiert sich vielleicht ein bißchen an der Aussage eines Winzers, daß ein Wein, bei dem man alles menschenmögliche bei der Weinwerdung gemacht hat, mit Gestehungskosten maximal in etwa dieser Höhe belegt ist. Alles darüber wären Marktpreise, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt sind. Da mir vom Gut Oggau insbesondere die Weißweine „Theodora“ und „Timotheus“ -die sich auch preislich unterhalb meiner o.g. Schmerzgrenze bewegen- immer außerordentlich gut geschmeckt haben, habe ich dann vor gut 3 Jahren in einem Anfall von Wahnsinn auch mal blind den

2011er [Grüner Veltliner] – Mechthild – trocken – Landwein Weinland, Gut Oggau, Leithaberg

zum Preis von kanpp 70 Euronen mitbestellt. Die Mechthild war damit aktuell mein teuerster Wein im Keller. Nun habe ich vorgestern beschlossen, daß die Zeit zum Zapfenziehen nun gekommen ist:

Die Farbe ist ein mittleres, leicht trübes Honiggelb, die Nase kommt gleich deutlich reduktiv daher. Früchte wie Orangen und Maracuja gibt’s in leicht angemosteter Form, dazu etwas herben Korianderhonig, ansatzweise auch ein bißchen Lakritz. Am Gaumen wird dieser Eindruck fortgeführt, dabei wirkt die Mechthild anfangs etwas zerbrechlich, entwickelt sich dann aber deutlich im Mundraum. Hier kommen dann auch Backäpfel und leicht Roiboostee dazu. Die Säure ist recht ordentlich beieinander, dennoch macht sich eine deutliche Extraktsüße breit, die aber dann doch nicht zu „breit“ wirkt. Der Abgang ist lang und warm, etwas Cognac flammt auf, nach hinten bleibt ein schönes Lakritzfinale übrig.

Die Mechthild vertritt ihren Weintypus durchaus souverän, ist dabei aber stellenweise etwas schüchtern unterwegs. Wesentliches Manko ist hier aus meiner Sicht der Preis; aus Südost-Österreich gibt’s doch einige Weine dieser Machart, die diesem in nichts nachstehen oder sogar noch eins d’raufsetzen und trotzdem nur die Hälfte oder weniger kosten. Deshalb wird meine Begegnung mit der Mechthild durchaus eine schöne Erinnerung hinterlassen, aber wohl auch einmalig bleiben.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

4 comments on “Begegnung mit der Teuersten…

  1. Hallo Erich, ja ab und zu muss man sich auch mal was besonderes gönnen.
    Wie hat mal jemand gesagt, ein Spitzenburgunder kostet 1.000 €, 9 Fehlschüsse und ein Volltreffer 🙂

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    • Hallo Peter,
      es ist ja nicht so, daß mich das Geld im Nachhinein reut, geschmacklich fand ich den Wein schließlich ohne Fehl und Tadel. Es heißt ja schließlich auch „No risk, no fun!“ Aber ich ziehe einfach meine Schlüsse d’raus und werde nächstes mal dann eher wieder was vergleichbares z.B. vom Herrn Preisinger aufmachen. Und zum Glück habe ich dann doch eine deutlich bessere Trefferquote… 😉
      VG Erich

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  2. Ich habe eine ähnliche Schmerzgrenze wie Du, wobei ich es bei meinen seltenen Nicht-Abhof-Käufen übers Internet mache wie beim Heizöl: kaufen, wenn es billig ist (Sonderangebote, Spezialgutscheine, etc.). Ein 45 EUR Wein wird nach 20 % Rabatt und 10 EUR „Welcome Back“ Gutschein dann aber schon wieder deutlich angenehmer im Preis. Und das fehlende Probieren substituiere ich mit der Regel, nur hoch bewertete Weine (Falstaff, …) zu bestellen. Hat bislang immer gut geklappt!

    Leider hat Gut Oggau noch nie ins obige Raster gepasst…

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    • Ich muß bei solchen Blindkäufen auch schon Vorinformation, begründetes Interesse und / oder Bewertungen aus Quellen, die ich einigermaßen einschätzen kann, haben. Wobei ich mit den Bewertungen aus entsprechenden „Organisationen“ wie Falstaff und anderen eher durchwachsene Erfahrungen habe. Gerade in den letzten Jahren mehrt sich für mich das Kopfschütteln ob mancher Lobhudelei, was zwar teils natürlich auch eine Geschmacksfrage ist, aber in einigen Fällen habe ich mich schon gefragt, ob hinter der jeweiligen Bewertung ein wirklich unabhängiger Verkoster steckt…

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