GG wie Gino Grigio

Neulich kam beim Hamburger Master-Sommelier mal eine Sendung, bei der er eine ganze Latte Grauburgunder probiert hat, die ihm von der Kollegenschaft zum Geburtstag geschenkt wurde, weil er sich mal etwas despektierlich über diese Rebsorte geäußert haben soll. Die meisten Weine machten ihm sichtlich keinen Spaß und er ließ auch verlauten, daß er und der Grauburgunder wohl nie die besten Freunde werden, auch wenn man im Einzelfall mal was ganz interesantes d’raus machen kann. Bei mir ist es so, daß ich den Grauburgunder oder auch Pinot Grigio auch nicht unbedingt zu meinen absoluten Lieblingen zähle, aber eine Verdammnis im engeren oder weiteren Sinne gibt es von meiner Seite auch nicht. Jedenfalls habe ich beim Ansehen dieses Videos für mich gedacht, daß ich mal wieder einen richtig schönen Vertreter dieser Sorte aufmachen muß, und das habe ich heute mit dem

2012er Grauer Burgunder – Leimener Herrenberg „Oberklamm“ – trocken – Große Lage – GG, Seeger, Baden

gemacht. Der Herrenberg befindet sich teils auf Heidelberger, teils auf Leimener Boden. „Oberklamm“ ist eines der Gewanne innerhalb dieser Lage auf der Leimener Seite, aus diesem kommen einige weiße GG’s, die roten Spitzengewächse stammen dann meist eher aus dem Gewann „Spermen“.

Die Farbe ist ein schon etwas satteres Goldgelb, das Bukett kommt gleich recht intensiv mit Blütenhonig, Quitte, Williamsbirne und etwas Khaki daher, eher dezent und dennoch deutlich die hölzerne Seite, repräsentiert durch etwas Tabak, Anis und Koriandersaat. Am Gaumen gleich recht cremig, ohne dabei wirklich fett zu wirken; hier macht sich das Holz etwas stärker bemerkbar, bleibt aber schön im Rahmen. Zur oben genannten Frucht kommt eher wenig Säure, erstaunlicherweise flutscht der Wein dennoch recht gut und strengt nicht an. Das rührt zum Gutteil sicher auch von der markanten Mineralik her, die mit ihrem magnesiumchloridgeschwängerten und dabei leicht herben Charakter eine betörend frische Kante ins Spiel bringt, quasi als Pampelmusenersatz inclusive zugehörigem Bitterchen. Der Abgang ist sehr schön lang und betont die o.g. Mineralik recht deutlich.

So kann man’s also auch machen: wenn man nicht genügend Säure und / oder Zitrusaromatik im Gepäck hat, macht man das mit der Frische einfach über Salze, die auf den Gaumen eine ähnliche Wirkung haben wie die (Frucht-) Säure. Bei mir jedenfalls funktioniert das prächtig, den Effekt konnte ich aber nicht bei allen Mittrinkern beobachten. Dennoch werde auch ich nun nicht zum erklärten Grauburgunder-Fan, denn Sachen wie dieses GG sind (leider) eher die Ausnahme. Aber trotzdem wird -je nach Gelegenheit- diese Sorte auch in anderer gut gemachter Form immer mal wieder den Weg in meine Gläser finden. Mich allerdings derart zu begeistern wie dieses Graue Gewächs, dürfte schwierig werden…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

6 comments on “GG wie Gino Grigio

  1. Hi Erich,
    wenn Seeger sogar aus der Bino Gritscho Traube einen so anständigen Wein hinbekommt, sollte ich bei Gelegenheit auch mal was weißes von ihm probieren.
    Rote Sachen hast Du noch nicht von ihm probiert und/oder im Keller?
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      doch, doch! Ich habe schon auch ein paar rote Sachen probiert und auch in meine Regale geschlichtet. Schwarzriesling und Blaufränkisch jeweils in „S“ und „R“ sowie Spätburgunder als „S“ und GG (R). Wobei der BF „R“ in der Preisliste auch als GG geführt wird, steht aber so nicht auf der Flasche drauf.
      Während des demnächst stattfindenden kulinarischen Marathon wird da wohl mal was dran glauben müssen…
      VG Erich

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        • Die Guts-Roten sind auch sehr schön gemachte Weine, vor allem eben nicht „zu deutsch“, was meine Wahrnehmung angeht; und mit 8,20 bzw. 8,40 Euronen ab Hof haben diese ein super PLV. Aber bei mir geht in der „Saufweinebene“ in rot fast gar nix weg, deshalb habe ich hier nicht zugeschlagen…

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  2. Das Video aus Hamburg habe ich auch gesehen – war ebenso kritisch wie amüsant. Ein Blick in meinen Keller hat ergeben, dass weiße Burgunder grundsätzlich unterrepräsentiert sind, wobei Grauburgunder gar nicht mehr vertreten ist, obgleich mir der Stoff ist in meiner frühen Weinphase zugegebener Maßen gut geschmeckt hat. Einige zu breite und bräsige Vertreter haben mir dann jedoch ein wenig die Lust am Grauburgunder genommen… Ausnahmen können jedoch sicherlich wie immer die Regel bestätigen! Deiner Beschreibung nach könnte der Seeger-Wein mir nämlich durchaus auch schmecken.

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    • Ich nehme in meinem Umfeld wahr, daß viele nicht so weinaffine Leute doch Weine mit „milder Säure“ und häufig auch mehr oder weniger stark ausgeprägtem Zuckerschwänzchen bevorzugen. Zur Herstellung solcher Sachen eignet sich der Grauburgunder dann halt relativ gut, aus dem muß man die Säure schon rauskitzeln, wenn man’s bewußt etwas frischer haben will. Oder eben ordentlich passende Mineralik reinpacken…

      Da ich in meinem persönlichen Umfeld einige zwar kulinarisch interessierte, aber weinmäßig weniger nerdige Menschen tummeln, die z.B. den Grauburgundern aus oben genannten Gründen eher zugeneigt sind, versuche ich auch von dieser Sorte immer was brauchbares im Keller zu haben. Wobei mir jedoch immer wichtig ist, daß die Sachen nicht breit und / oder kaltvergoren wirken. Gestern war wieder so ein schönes GBchen dran, welches auch deutlich günstiger war als das Seeger-GG…

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