Burgund – weiß – Chardonnay?

In vielen Fällen stimmt der oben genannte Zusammenhang, es gibt im Burgund aber auch noch ein paar andere weiße Sorten, auch im reinsortigen Ausbau. Eine davon ist Aligoté, die allerdings keinen sooo tollen Ruf hat und meiner Wahrnehmung nach auch nicht so bekannt ist, zumindest hierzulande. Interessanterweise gibt es im Burgund apellationsmäßig mehrere Parallelwelten: Bourgogne (mit vor allem Chardonnay und Pinot Noir) und Bourgogne Aligoté sowie drei weitere (z.B. für Cremant) mit jeweils ganz eigenen Bestimmungen. In „Bourgogne Aligoté“ ist nur die reinsortige Verwendung dieser Traube zugelassen und -was ich auch nicht wußte- es werden im Burgund mehr Weine aus Aligoté denn aus Chardonnay (Bourgogne) herstellt, wenn man den gefundenen Zahlen trauen darf. Aber die Show gehört dann doch klar dem Chardonnay auf der weißen Seite, die andere Sorte wird in der Regel eher für die Brot- und Butter-Weine verwendet. Tatsächlich: die Weine aus dieser Traube sollen mehrheitlich eher fruchtig-flach sowie für den Holzausbau ungeeignet sein; so jedenfalls das Ergebnis einer kurzen Netzrecherche. Und das, obwohl die beiden genannten Rebsorten eigentlich die gleichen Ursprünge haben, d.h. aus spontanen Kreuzungen von Pinot und Gouais Blanc stammen. Aber Kreuzung ist anscheinend nicht gleich Kreuzung…

Gestern wurde dann von uns der

2015er Le Clou 34 – Aligoté – Vin de France, Claire Naudin, Bourgogne

aufgemacht, der mir freundlicherweise von einem burgund-affinen Bekannten von einer seiner Touren dorthin mitgebracht wurde (vielen Dank nochmals!). Ist übrigens ein profaner Landwein, die Trauben stammen aus 5 unterschiedlichen Parzellen, die zwischen 1902 und 1953 bepflanzt wurden. Eine der Parzellen heißt „Le Clou“ und wurde 1934 bestockt, was den Namen des Weins erklärt. Ich vermute mal, daß der Großteil der Trauben von dort stammt. Das Ganze wurde spontan vergoren und erst bei der unfiltrierten Abfüllung leicht geschwefelt (wenn ich die Angaben richtig übersetzt habe).

Im Glas ein leicht ins messingfarbene schielendes Goldgelb, in der Nase zeigt sich eher wenig Frucht, hauptsächlich mürber Apfel und grüne Kochbanane, das Ganze kommt auf einem sanft reduktiven Hefebett daher. Dazu schöne und dezente Anklänge von großem Holz, ohne daß ich das jetzt im Detail fassen könnte. Am Gaumen cremig-frisch; trotz einer gewissen Leichtigkeit, die der Aligoté verbreitet, baut sich dann doch ein sanfter, warmer Druck auf. Auch hier die Frucht sehr distinguiert, dafür gibt’s eine geschmeidige, kalkbasierte Mineralik mit einigen, bizzelig-würzigen Komponenten. Die Säure ist recht moderat ausgeprägt, bringt aber doch ein bißchen Limette und Pomeranze mit, was dem Ganzen ein kleines, aber sehr feines Extra verleiht, der Trinkfluß ist jedenfalls nicht beeinträchtigt. Der Nachhall hallt ganz gut, schafft dabei den Spagat zwischen Leichtigkeit und Substanz sehr schön, das Finale wird von sehr feinen braunwürzigen Aromen bestimmt.

Auffällig sind hier für mich der dezente, leicht herbe Zitrustouch, die belebende Säurestruktur trotz eher moderatem Säuregehalt und diese oben schon erwähnte Leichtigkeit trotz deutlicher Struktur. Burgundisch in weiß geht also sehr schön auch ohne Chardonnay. Wobei die Richtung schon ähnlich ist. Ich habe allerdings zu wenig Aligoté-Erfahrung, um nun was zur Typizität sagen zu können, aber wenn die allgemeinen Aussagen über diese Rebsorte stimmen (s.o.), ist das hier schon was, was deutlich aus der Reihe tanzen dürfte. Wenn das nun tatsächlich eine zweitrangige Sorte ist, dann verbeuge ich mich einfach noch etwas tiefer vor der Winzerin, als ich es eh schon getan hätte…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

4 comments on “Burgund – weiß – Chardonnay?

  1. Hi Erich,
    interessant was Du über Aligoté gefunden und hier geteilt hast – war mir zum Teil nicht bekannt.
    Wie ist das mit den Mengen gemeint – gibt es mehr Bourgogne Aligoté als Bourgogne Blanc (Chardonnay) oder sogar mehr als Chardonnay in allen Appelationen (Cote d’Or, Maconnais, Chablis, etc.)? Letzteres kann ich mir fast nicht vorstellen….
    Mir gefallen einige Aligoté auch ausgesprochen gut und der Preis ist ein weiterer Vorteil. Hier geht das meiste noch unter 20 Euro und ein paar Sachen sind wirklich sehr schön 🙂
    VG Patrik

    Liken

    • Hallo Patrik,
      so ganz genau bin ich durch die verschiedenen Zahlenhaufen auch nicht durchgestiegen. Wenn ich das richtig gedeutet habe, muß man generell zwischen den 5 Gebieten (Côte de Nuits, Côte de Beaune, Côte Chalonnaise, Mâconnais, Beaujolais) und den in allen Gebieten geltenden Appellationen (Bourgogne, Bourgogne Aligoté, Crémant de Bourgogne, Bourgogne Passetoutgrains, Bourgogne Grand Ordinaire) unterscheiden. Ich habe dann z.B. gefunden, daß innerhalb der Appellation „Bougogne“ (blanc) etwas über 50.000 hl Wein produziert werden, was hauptsächlich Chardonnay sein dürfte; wobei sich das über alle burgundischen Regionen erstreckt, wenn ich das richtig verstanden habe. Hinter Bourgogne Aligoté steht eine Zahl von knapp 110.000 hl. Cremant schlägt ebenfalls mit gut 110.000 hl zu (da ist dann auch ein Teil Chardonnay dabei), Passetoutgrain ist rein rot und Grand Ordinaire fällt mit gut 1.000 hl (weiß) unter den Teppich. Hat mich auch etwas überrascht, zumal ich an anderer Stelle gelesen habe, daß Aligoté nur eine untergeordnete Rolle im Burgund spielt, aber das war womöglich nicht mengenmäßig gemeint. Vielleicht gibt’s auch ganz andere Zahlen, ich wollte aber keine Doktorarbeit d’raus machen… 😉
      Wie’s denn auch sei, der Wein war jedenfalls super und sein Geld absolut wert. Schön, daß es solche Sachen im Burgund auch gibt!
      VG Erich

      Liken

      • Ja, werde da wohl auch nie ganz durchsteigen mit dem ganzen Gebiets-, Appelation-, Village- Wirrwarr – muss aber auch nicht 🙂 .
        Soweit ich weiß, gibt es Bourgogne Blanc, Rouge, Passetoutgrain,… über (fast) alle Gebiete in der Bourgogne aber ein Großteil der Weine aus Chardonnay und Pinot Noir werden dann unter dem Village-Namen abgefüllt, wenn möglich, weil auch vom VK-Preis attraktiver. Und Bourgogne Blanc fast diese Weine ja nicht als „Klammerbegriff“ zusammen sondern ist eine (fächenmäßig) weit gefächerte eigene Appelation.
        Egal – freut mich jedenfalls, dass der Le Clou ein Treffer war 🙂 . Auch schön – dabei karger und säurebetonter – ist auch der Aligoté von de Moor (wenn zu bekommen, dann sogar unter 15 Euro).

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s