Fröhliches Barolo-Bashing

Hier wird ein Wein beschrieben, den ich vor Jahren schon mal in einem Haushalt meines persönlichen Umfelds in der Hand hatte:

2009er Nebbiolo – Conte Maresco – Barolo DOCG, Fratelli Martini Secondo Luigi, Piemonte

Ich wurde damals gefragt, ob dieser -geschenkte- Wein was sei. Ich habe geantwortet, daß es sich wohl um einen Billig-Barolo aus einem Discounter bzw. Lebensmittelladen handelt und daß ich mir nicht allzu viel davon versprechen würde. Ich habe dann mal nach dem Wein im Netz gesucht und bin dabei auf ein frühes „Wein am Limit-Video“ gestoßen, in dem der 2008er besprochen wurde. Das war auch meine allererste „Begegnung“ mit Hendrik Thoma, dessen Beiträge ich in der weiteren Folge gerne angesehen habe. Er hat diesem Barolo am Ende ein einziges seiner Soulpünktchen vergeben; soweit ich das nachvollziehen kann, ist das bis heute auch der einzige Wein mit einer derart niedrigen Wertung. Daraufhin verschwand die Flasche dann wieder im dortigen Keller und tauchte nun erneut in noch einem anderen Haushalt auf, wohin sie mittlerweile als möglicher Kochweinkandidat gewandert war. Die Frage war nunmehr, ob man den für’s Blaukraut verwenden kann, ist ja doch schon von 2009. Also Zapfen raus und ein Probeschlückchen eingeschenkt:

Die Farbe ist Ziegelrot mit deutlicher Transparenz, in der Nase recht saftig wirkende Schwarzkirsch- und Beerenfrucht, dezentes Holz in Form von etwas Tabak und neuem Leder, auch Nelke. Am Gaumen dann aber eher flach wirkend, wenig Frucht, wenige Tannine, leicht eisenhaltige Säure, kaum Holz. Der Abgang ist leider ähnlich substanzlos.

Es ist jetzt nichts wirklich Schlechtes an diesem Wein dran, aber eben auch nichts wirklich Gutes. Kann man sogar ohne Probleme trinken, aber Spaß ist was anderes. Wobei das Bukett noch deutlich mehr versprochen hat, aber dann hat sich der Conte doch als Blender enttarnt. Insofern bin ich mit HT einig: wenn schon Barolo, dann ein richtiger und nicht so etwas Beliebiges. Für ca. 11 Euronen gibt’s im Piemont (und sonstwo) deutlich schönere Sachen, da muß man sich keinen großen Namen für’s Geld erkaufen. Dem Blaukraut hat der Barolo allerdings recht gut getan, aber auch das wäre natürlich um weniger Geld mit dem gleichen Effekt möglich gewesen. Also: laßt die Finger von solchen Barolos oder Brunellos etc., taucht alles nix…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 10 von 25

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4 comments on “Fröhliches Barolo-Bashing

  1. Uhi uhi Disco-Barolo für 11 Tacken ist schon eine Mutprobe- aber Du lebst ja noch (sonst stünde hier kein Bericht darüber).
    Viel spannender ist die Frage, welchen Wein es zum Essen gab 🙂

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    • Das Blaukraut wurde ja vorgekocht, wird erst am Sonntach zum Einsatz kommen und da wird’s dann auch was Schönes dazu geben. Muß schließlich zweimal aufgewärmt werden, bis es richtig durchgezogen ist. Heute gab’s zwar auch was, aber zu einem anderen Essen, Bericht ist aber noch in Arbeit…

      Zum Mut: viel Mut brauchte man eigentlich nicht, es war nun auch kein schlimmer Wein, es war halt einfach nichts, was man sich unter Barolo vorstellt. Wenn man den Namen Barolo wegläßt, dann steht der Wein in einer Reihe mit der üblichen 5 Euronen-Brigade ebenbürtig im Regal. Soweit sauber gemacht, aber mehr auch nicht…

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  2. Interessanter Bericht! Weine aus dem LEH werden bei uns gar nicht gekauft und wenn wir einmal einen geschenkt bekommen, wird dieser stets zum Kochen verwendet. Im Adventskalender der Webweinschule (siehe YouTube) haben übrigens gerade einige der aktuellen Discounter-Barolo gar nicht so schlecht abgeschnitten… ich lasse dennoch die Finger davon.

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    • Moin moin!
      Eigene Weineinkäufe im LEH sind bei mir auch die Ausnahme. Unser nächster Franchise-Edeka hat z.B. eine auffällige Affinität zum Juliusspital, da geht dann schon mal was mit.
      Wenn mich so ein „richtiger“ LEH- oder Discouterwein dennoch erreicht, schaue ich auch gerne mal im Netz nach entsprechenden Verkostungsberichten. Die Abweichungen zu meiner eigenen Wahrnehmung waren aber meist beträchtlich. Zudem scheint die qualitative Streuung bei den eigentlich gleichen Weinen -auch innerhalb eines Jahrgangs- nicht unerheblich zu sein, was das Ganze dann noch mehr zum Glücksspiel werden läßt.
      Wir hatten vor Jahren auch mal einen Barolo vom Aldi probiert, der als Dolcetto eine ganz gute Figur gemacht hätte, also für sich gesehen ein ganz passabler Wein. Hatte aber nichts -rein gar nichts- mit Barolo zu tun. Aber das wird dem klassischen Discounter-Barolo-Käufer wahrscheinlich gar nicht auffallen…

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