Posthum

Musikalisch ist die Zeit vor Weihnachten außerhalb meiner eigenen vier Wände immer besonders schlimm. Das eh schon nervige Allerweltsgedudel um einen herum -vor allem dieser in letzter Zeit immer mehr um sich greifende deutsche „Labergesang“ diverser „Winselbarden“- wird nun noch durch stark überzuckertes Weihnachtsgedöns im Overkill-Modus getoppt. Deshalb heute mal der Griff zu mehreren ganz und gar unweihnachtlichen Sachen. Angefangen hat’s mit

Miles Davis – doo-bop

Dieses Album ist 1992 erschienen, da war Miles Davis schon nicht mehr unter den Lebendigen. Er starb am 28. September 1991 an der Immunschwächekrankheit AIDS. Anfang 1991 nahm er mit dem Hip-Hopper Easy Mo Bee einige Stücke auf, die jedoch nicht abschließend fertig wurden, warum auch immer. Generell aktiv war MD jedenfalls noch bis kurze Zeit vor seinem Tod. So wurden die vorhandenen Aufnahmen ohne MD’s Zutun „fertig“ gemacht, einige der insgesamt 8 plus 1 Stücke (Track 9 ist eine „Reprise“) wurden nur mit älteren, aber unveröffentlichten reinen Trompetenaufnahmen „überlagert“. So wirken denn auch manche der Stücke etwas arg konstruiert. Was Miles Davis da selbst beigesteuert hat, folgt weitgehend dem Geist der Aufnahmen aus der Warner-Zeit ab 1986 und ist einfach über jeden Zweifel erhaben. Was die Hip-Hop-Seite da beigetragen hat, heißt stylemäßig -soweit ich da richtig liege- „Conscious“ und kommt mir persönlich zu monoton bis einfältig ‚rüber, das beißt sich an vielen Stellen einfach mit Miles Davis‘ doch eher komplexem Spiel. Dabei geht „Conscious“ durchaus auch in spannend. Zwar etwas später (1993) wurde das wohl eher unbekannte Album

Marxman – 33 Revolutions per Minute

Marxman-33RevolutionsPerMinute

veröffentlicht. Die Hip-Hop-Seite von „doo-bop“ erinnert mich generell stark an dieses Album. Eine gewisse Monotonie ist zwar bei diesem Musikstil Programm, aber bei Marxman macht das Zuhören doch viel mehr Spaß, weil ungleich mehr in den Stücken zu entdecken ist.

Eine weitere Assoziation habe ich immer zu

Galliano – A joyful Noise unto the Creator

Galliano-AJoyfulNoiseUntoTheCreator

welches wiederum aus dem Jahr 1992 stammt und ebenfalls wie die 33 Revolutionen beim Label „talkin‘ loud“ erschienen ist. Dieses Album ist schon etwas mehr auf der jazzigen bzw. acid-jazzigen Seite angesiedelt, aber auch hier spüre ich einiges an musikalischer Verwandtheit zu dem nicht ganz geglückten „Crossover“ von MD und Easy Mo Bee, jedoch wiederum mit viel mehr „Spielwitz“; man könnte es auch musikalische Unbekümmertheit nennen. Ich weiß nicht, ob da was Interessanteres herausgekommen wäre, wenn Miles Davis die Fertigstellung des Albums maßgeblich hätte begleiten können. Vielleicht wäre es auch einfach nie erschienen. Oder er hätte sich besser mit einer der beiden angeführten Gruppen zusammengetan…

Als quasi letztes Album dieses aus meiner Sicht größten Musikers des 20. Jahrhunderts hätte ich mir jedenfalls was standesgemäßeres gewünscht.

Meine Wertung: 2 („doo-bop“)

Meine Wertung: 3 („33 Revolutions per Minute“)

Meine Wertung: 3 („A joyful Noise unto the Creator“)

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