Zum Ausklang ein Müller

Silvester ist natürlich auch einer dieser Tage zwischen Weihnachten und 3-König, der vom kulinarischen Overkill gezeichnet ist. Damit das auch alles ordentlich rutschen kann, gibt’s entsprechend Flüssigkeit dazu. Den Anfang haben wir gestern mit dem

2010er Müller-Thurgau – Feldmarschall von Fenner zu Fennberg – Südtirol DOC, Tiefenbrunner, Südtirol

gemacht.

Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, das Bukett zeigt sich sanft flintig, leicht kräuterig mit Thymian und Beifuß, dahinter dann langsam anschwellend reife Früchte wie Quitte und Mirabelle sowie ordentlich Zitronenzesten. Am Gaumen herb-mineralisch mit immer noch präsentem Fruchtanteil, die Zitrusnoten wie Pomeranze, Zitrone und etwas Bitterorange kämpfen mit der Mineralik wie Walzzunder, Eisen(III)oxid und nasser Terrasse um die Pole-Position. Die Säure ist deutlich, aber geschmeidig, der Abgang ist von schöner Länge und dabei herb-mineralisch mit animierender Zitrusbegleitung incl. dezentem Bitterchen.

Auch dieser „Feld“ zeigt bisher keinerlei Schwächen; er hat auch keine Alterungsnoten im Angebot, er präsentiert sich lediglich leicht angereift. Ich bin immer wieder erstaunt, was dieser Ausnahme-Müller so aus der Flasche zaubern kann. Auch dieser Jahrgang gehört klar zu den „Großen“. Als guten Vorsatz für 2018 habe ich mir (unter anderem) vorgenommen, meine Feld-Verkostungen zu intensivieren; schließlich habe ich meine Bestände ja mal deutlich aufgestockt, um eine Vertikale mit diesem Wein auszurichten. Leider hat’s nicht genügend Leute interessiert, deshalb mache ich das jetzt sukzessive im kleinen Kreis…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

4 comments on “Zum Ausklang ein Müller

  1. Frohes neues Jahr 🙂 erstmal
    Mich hätte/würde eine Feldmarschall Vertikale auf jeden Fall interessieren – leider bist ja nicht ums Eck.
    Naja vielleicht treffen wir uns in der Mitte und machen dazu gleich noch eine Lamarein Vertikale (2007 bis 2015) …. aber ob sich dafür in Summe dann genug Trinker finden, ist eher fraglich 😉
    Wären aber sicherlich zwei der außergewöhnlichsten Südtiroler zusammen in einer recht umfangreichen Probe.

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    • Hallo Patrik,
      auch in deine / eure Richtung die unvermeidlichen Wünsche für 2018! 😉
      Aus meinem Umfeld kamen auch Meinungen zu solchen Vertikalen, daß so ein Abend mit lauter gleichen Weinen, die sich nur im Jahrgang unterscheiden, irgendwie zu eintönig sein könnte. Aber gerade das finde ich eigentlich recht spannend, wenn man parallel die Unterschiede erkennen kann, die sich aus anderen Jahrgangsbedingungen (plus unterschiedlicher Reife) so ergeben. Wär‘ aktuell jedenfalls noch genug da, um so eine Vertikale doch noch durchzuführen.
      Beim Lamarein kann ich zwar noch gar nicht mitreden, auch wenn ich welchen im Keller habe, aber interessant wäre das genauso. In der Kombination mit dem „Feld“ muß man aus meiner Sicht allerdings einschränkend sagen, daß nach meiner Erfahrung irgendwo bei ca. 10 Weinen die Grenze dessen liegt, was man an einem Abend sinnvoll verarbeiten kann. Zumal der Lamarein ja auch nicht wirklich ein Leichtgewicht ist.
      Wahrscheinlich würde man für eine Bordeaux-Vertikale, bei der man im deutlich mehrstelligen Euronen-Bereich Weine vernichtet schneller eine Runde zusammenbekommen als für solche Südtiroler, die bei aller Qualität dann doch nicht sooo im Fokus stehen…
      VG Erich

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      • Hi Erich,
        da hast Du sicherlich recht – in allen drei Punkten. Beim Lamarein wären eigentlich 10 Weine (allein) schon recht viel. Sofern jeder nur 0,1 pro JG im Glas hat, sollte man sich schon fast ein Schild mit der Adresse des Hotel für den Taxifahrer danach umhängen. Ist schon ein eher heftiger Stoff.
        Und ja, Weine aus Südtirol sind für die meisten Weinliebhaber eher von geringem Interesse – warum auch immer das so ist. Hat aber auch sein Gutes – so bleiben die Preise der Qualität entsprechend realistisch 🙂 .
        VG Patrik

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        • …wobei ich gerade vor ein paar Minuten im neuesten Saftartikel ein paar Worte über die aktuelle Entwicklung in der Südtiroler Getränkebranche (sowohl Saft als auch Wein) verloren habe. Ist zwar bisher nur eine Nische, aber mittlerweile gibt es sie halt auch in dieser Region: die Flaschen deutlich jenseits meiner normalen Schmerzgrenze…

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