Burgundisches Mischmasch

Bei „weiß“ und „Burgund“ denken die meisten Leute wohl in erster Linie an Chardonnay (hab‘ ich hier schon mal was d’rüber geschrieben), die anderen dort zugelassenen Sorten spielen bedeutungsmäßig (nicht zahlenmäßig) keine so große Rolle. Deren Verwendung ist von AOC zu AOC unterschiedlich geregelt. In Ladoix ist es sogar erlaubt, bis zu 15 % weiße Sorten zum Pinot noir dazuzumischen, was anscheinend jedoch kaum jemand macht. Man findet dort eher Mischungen der gleichen Farbe, wie z.B. den

2015er [Cuvée] – Au Clos des Langres – Ladoix AOC, Domaine d’Ardhuy, Bourgogne

welcher aus 75% Chardonnay und 25% Pinot blanc besteht. Das Ganze ist übrigens voll demeter-mäßig hergestellt worden.

Für’s Auge erst mal ein schon irgendwie cremig wirkendes Goldgelb, für die Nase gibt’s gleich von beiden Rebsorten etwas, grüne Kochbanane genauso wie mürbe Äpfel und Williamsbirnen, auch etwas Papaya; das Ganze kommt leicht reduktiv-hefig daher. Am Gaumen ist der Wein gleich recht cremig und bringt einige leicht adstringierende Gerbstoffe mit ins Rennen, auch hier dezent, aber doch prägend etwas Hefe. Der Säuregehalt ist eher mäßig, dennoch stellt sich keine störende Breite ein, obwohl man den Ladoix gut und gerne auch in dieser Ecke einordnen könnte. Neben der Frucht, die hier gar keine so große Rolle spielt, kommt eine distinguierte grün-gelbe Zitrusaromatik mit, die allerdings deutlich zum Fluß beiträgt. Der Nachhall zeigt eine schöne Balance zwischen Cremigkeit und vornehm zurückhaltender Frische, auch hier spielt das Gerbstoff-Hefe-Gemisch eine gewisse Rolle.

Dies ist ein Burgunder, bei dem ich mich -ehrlich gesagt- erst mal ein bißchen „eintrinken“ mußte. Mit dem richtigen -etwas leichteren- Essen macht er dann aber doch einige Freude, zumal sich die oben beschriebene Aromatik mit etwas Luft dann auch ständig „verschiebt“.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

6 comments on “Burgundisches Mischmasch

  1. Hi Erich,
    sehr spannend – einen weißen Ladoix hatte ich bis jetzt noch nicht im Glas. Klingt für mich (nach Deiner Beschreibung) ein wenig wie ein weißer Marsannay (hier sind solche Cuvée aus Chardonnay und Pinot Blanc auch zulässig).
    Gibt viel zu entdecken im Burgund – trotz der überschaubaren Größe und der noch überschaubareren Anzahl an Rebsorten.
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      wie du siehst, fange ich langsam wieder an, mich nach mehreren Jahren fast vollständiger Abstinenz wieder mehr mit dieser Region zu beschäftigen. Meine ersten prägenden Weinerlebnisse in den frühen 90ern haben u.a. dort stattgefunden.
      Erstaunlich für mich ist z.B., daß einige aus dem Burgund stammende Sorten dort heute kaum noch eine Bedeutung haben, auch insofern fand ich diese Kombination heute recht interessant. Ist aber mehr ein (schöner) Essensbegleiter denn Solist, da bin ich dann doch zu sehr Liebhaber von Stöffchen mit schöner Süße-Säure-Struktur; das ist der einzige kleine Schwachpunkt hier.
      VG Erich

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      • Na dann sollten wir uns dieses Jahr mal in Beaune treffen (im Sommer werden wir wieder dort sein) 😉
        Meine Theorie (bzw. angelesen Meinung) ist ja, dass Burgund eher die Lage „singen“ lassen möchte – was bei der großen Diversität der Appelationen, Dörfer und Lagen und noch größeren Unterschiede in Renommee und Preis der einzelnen Lagen auch Sinn macht. Pinot Noir in rot und Chardonnay in weiß sind sicher die beiden Rebsorten, die wohl am besten die Lage und das Mikroklima widerspiegeln. Insofern wird im Burgund auch immer die Appelation, das Dorf oder die Lage, zumeist aber nicht aber die Rebsorte auf der Flasche angegeben.
        Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass hier eine Vielfalt der Rebsorte nicht gegeben (oder gewünscht) ist – die Unterschiede in diesem kleinen Streifen entlang eines Kalkhangs in Frankreich sind trotzdem riesig und sehr sehr spannend 🙂

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        • Na ja, in F ist es ja eigentlich grundsätzlich so, daß das Herkunftsprinzip (zu Recht) deutlich höher gehängt wird als z.B. in D. Dieses Prinzip könnte aber m.E. in D auch funktionieren, nur ist man hier eben traditionell mehr auf die Rebsorten -vor allem reinsortig- fixiert. Cuvées sind dementsprechend weinrechtlich minderwertig, höherklassige Bezeichnungen bleiben Cuvées praktisch durchweg verwehrt, auch wenn der Wein z.B. aus einer Großen Lage stammt.
          Das „Terroir“ zu betonen, nimmt in D zwar mittlerweile auch sehr schöne Formen an, aber die Franzosen haben da wohl noch einen gewissen Vorsprung dabei, das auch im Detail herauszuarbeiten. Hierzulande hat man möglicherweise die einzelne Rebsorte besser „im Griff“.
          Wie auch immer, die Idee mit dem Treffen in Beaune ist schön und gut; wenn es zeitlich irgendwie funktioniert, bin ich -wie schon mal gesagt- sicher dabei!

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          • Bin mir auch nicht ganz sicher, ob die (teilweise recht unterschiedlichen und unverständlichen) Regelungen des VDP so super geeignet sind, um die Gegebenheiten der deutschen Weinregionen einen Rahmen zu geben – die Orientierung an Burgund ist ja offensichtlich, wird der Situation (unterschiedliche Reben, süß, halbtrocken, trocken,etc.) aber nicht sehr gut gerecht.
            Aber immerhin die (trocken) GG Rieslinge werden jedes Jahr teurer – allerdings ist das sicher nicht nur der Verdienst des VDP und seiner Klassifizierung.

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            • Der VDP folgt in seiner Grundphilosphie ja auch nur dem Weingesetz und definiert letztlich nur etwas verfeinerte Qualitätsklassen. Die Lagenklassifikation ist da ja eher ein Anhängsel. Das Reinsortigkeitscredo wird auch hier aufrecht erhalten, weshalb auch viele Winzer gar nicht dran denken, wie sie durch geschicktes Assemblieren vielleicht das „Terroir“ noch prägnanter abbilden könnten. Riesling mit einem Schuß GT finde ich z.B. eine geniale Kombination, aber solange sowas nicht GG-fähig ist, wird sowas auch immer nur ein Nischenprodukt in der zweiten Reihe bleiben…

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