Leicht fett

Heute war ich eigentlich auf etwas leichteres gefaßt, denn ich hatte den Zusatz „Reserve“ auf der Flasche des

2015er Grüner Veltliner – Kirchberg – Reserve – trocken – Qw, Artner, Carnuntum

erst gar nicht wahrgenommen. Den GV habe ich neulich auf einer meiner bevorzugten Resterampen ergattert, bei der immer sehr schöne Einzelflaschen für wenig Bares zu finden sind.

Das Rückenetikett erzählt uns erst mal:

Wächst auf schottrig, sandigem Löss unserer Spitzenlage Kirchberg, geerntet am 1. Oktober 2015, im 300 l Holzfaß und anschließend im Edelstahltank auf der Feinhefe gereift.

Im Glas ein dichteres Goldgelb, geruchlich zeigt sich die Fruchtseite recht dicht und reif: Pfirsiche, Mirabellen, gelbe Pflaumen und andere Sachen aus dieser Ecke tummeln sich da. Dazu eine leicht braunwürzige Note, fast wie Lebkuchengewürz, aber ohne Zimt. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck in ähnlicher Form fort, dem amtlichen Extrakt steht ordentlich Säure gegenüber, sodaß der Fluß anstrengungsfrei gewahrt bleibt. Auch hier eine schöne würzige Komponente, etwas Lakritze ist auch dabei; im Hintergrund schwingt eine feine Salzigkeit mit, die man aber leicht übersehen kann. Der Abgang macht länger Freude und hält die würzige Frucht auf hohem Niveau parat, ohne daß es in Penetranz ausartet.

Eine fette Reserve im besten Sinne, vor allem zeigt sie souverän, daß auch in warmen Jahren wie 2015 (und noch dazu Lößboden!) trotz ordentlich Druck auf dem Kessel eine animierende Säurestruktur möglich ist, die zu einem Zustand führt, den man durchaus auch als „leicht“ im weitesten Sinn bezeichnen kann, auch wenn der GV natürlich alles andere als leichte Kost ist. Schon recht großes Kino für überschaubares Geld…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

2 comments on “Leicht fett

  1. Das Carnuntum hätte ich zwar eher in die rote Ecke verortet, kann mir aber dennoch gut vorstellen, dass von dort auch hervorragende Grüne Veltliner kommen können.

    Überhaupt empfinde ich diese Rebsorte als sehr anpassungsfähig und ausdrucksfreudig. Wobei es natürlich nicht immer ein körperreicher, würziger Lössveltliner (ich schmecke hier oft Waldhonig) sein muss. Ein tolles Preisleistungsverhältnis durch das ganze stimmige Sortiment hat meines Erachtens das Weingut Fischer („Huchenfischer“) aus der ansonsten für meinen Geschmack recht teuren Wachau. Bei einem anderen Blog gab es hierzu ja auch schon einmal einen ausführlichen Bericht, den Du vielleicht auch gesehen hast.

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    • Es stimmt schon, daß das Carnuntum eher „Zweigelt-Land“ (& Co.) ist, aber ich hatte schon ein paar sehr nette Weiße von dort (z.B. auch von Netzl). Vor allem fand ich es vor dem Hintergrund, daß ich aus 2015 schon einige recht breite bzw. anstrengende Donauraum-Weine im Glas hatte (und die kamen nicht nur vom Löß), sehr schön, wie da gezeigt wird, daß es auch anders geht.
      Bzgl. PLV ist das Weingut Fischer in der Wachau wohl eher eine Ausnahme als das im Carnuntum (oder Wagram / Weinviertel) der Fall wäre. Aber kürzlich habe ich ein paar Probierflaschen vom Leo Alzinger gekauft, da fängt’s beim Federspiel „Frauenweingarten“ bei 11,19 EUR an. Mal sehen, denn von diesem Gut hatte ich auch schon mal einen etwas breiteren Verteter im Glas…

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