Partyschreck

Heute gab’s mal wieder ein Trentiner Weinchen, das schon aufgrund seiner Flasche, nämlich einer 0,5 l Schlegelflasche bzw. eher noch ähnlich einer Rheingauer Flöte, ein bißchen besonders daher kommt. Dabei findet man den Wein im Netz durchaus meist in normalen Eintel-Bordeaux-Flaschen. Warum das bei dem

2009er Besler – Biank – Cuvée – Vigneti delle Dolomiti IGT, Pojer e Sandri, Trentino

anders ist und ob es da unterschiedliche Qualitäten gibt, konnte ich letztlich nicht sicher herausfinden. Ich tendiere aber zu der Variante, daß hier nur die Flaschenform anders ist als normal (für diesen Wein).

Die Trauben für diese weiße Cuvée (eine rote gibt’s auch) kommen aus dem „Val di Cembra“, dort gibt es -wenn ich das richtig verstanden habe- einen Hof namens „Maso Besleri“, zu dem auch einige Hektar Weinberg gehören. Dieser Hof samt Weinberg wurde offenbar von Pojer e Sandri seit 1998 wieder aufgepäppelt, die Trauben von dort wandern dann in die beiden „Besler“-Weine. Dies ist nun eine Cuvée aus Riesling Renano, Kerner und Incrocio Manzoni in vollreifem Zustand, die in kleinen Eichen- und Akazienfässern vergoren wurde und dann für etwa 6 Monate mit Batonnage auf der Hefe lag, dann eine Zeit im Stahl verbrachte und schließlich noch ein bißchen Flaschenreife verordnet bekam. Es gibt auch Quellen, die besagen, daß im „Biank“ noch weitere Rebsorten drin sind wie z.B. Sauvignon Blanc. Kann aber sein, daß dies dann für spätere Jahrgänge zutrifft, denn die Anbaufläche im Val di Cembra scheint im Lauf der Jahre erweitert worden zu sein.

Im Glas ein dunkleres, leicht ins Orange gehendes Goldgelb, in der Nase eine deutliche Sherry-Note (jedoch nicht die „d’rüber-Sorte“), gepaart mit sehr reifen Aprikosen und ein paar kandierten Orangenzesten, dazu einiges an Tabak, durchaus der für eine teurere Zigarre aus der Karibik. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort, eine leichte Säure hält die Balance zwischen dem doch intensiven Sherry-Fruchtgeschmack und einer animierenden Leichtflüssigkeit, dazu kommt wiederum würziger Zigarrenteer. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, dabei schön warm und wieder deutlich sherry- und tabaklastig.

In der Stilistik ist der „Biank“ schon recht eigen, erinnert mich ein bißchen an manche Orange-Wein-Experimente, z.B. den Pinot Blanc von Ress oder auch einen früheren Edelgraben von Claus Preisinger. Ist ein bißchen schwierig mit Essen zu paaren, paßt aufgrund der intensiven Tabaknoten am besten wohl zu ein paar Stücken 70er Schokolade (getestet mit „Sao Tomé“ von Leysieffer). Und man muß sowas generell mögen, auf einer Party taucht man damit besser nicht auf.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

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3 comments on “Partyschreck

  1. Hallo Erich,

    hatte der keinen Jahrgang? Die Eintelflaschen die ich kenne (0,75 l) mit weissem Etikett tragen Jahrgang. Ebenfalls sind mir die von dir beschriebenen „Sherrynoten“ für die Exemplare die ich kenne untypisch.
    (Sonder-) Flasche und Beschreibung deuten für mich, soweit ich Pojer & Sandri“ kenne, darauf hin, dass ihnen mal wieder die Lust am Experimentieren durchgekommen ist und eine Untersuchung der Vinifizierung in Richtung „Naturwein“ fortschreitet.
    Der ursprünglich Ansatz der Beslerweine war schon immer bei der Weinbergsarbeit soweit als möglich auf Chemie zu verzichten, wobei der Ausbau im Gemischten Satz dann doch noch rel. konventionell erfolgte.

    Beim Zero Infinito (aus der PiWi-Sorte Solaris) haben Sie jetzt einen Wein, ganz ohne Chemie im Weinberg und im Keller

    Gruss
    Ralf (olifant / dwf)

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    • Hallo Ralf,
      ist Jahrgang 2009 (siehe Text), auf der Flasche war der Jahrgang auf einem kleinen elliptischen Aufkleber dokumentiert, der am Flaschenhals auf der kupferfarbenen Kapsel plaziert wurde.
      Es kann gut sein, daß das was anderes ist als was in den Eintel-Flaschen mit den weiß hinterlegten Etiketten so drin ist. Ich habe auch im Netz nichts über diese 0,5er Flaschen mit den schwarz hinterlegten Etiketten gefunden und mich eh schon ein bißchen gewundert.
      Die Flaschen stammen von der Resterampe eines Händlers in meiner Umgebung, der Pojer e Sandri im Programm hat. Immer vor Weihnachten werden dann Einzelflaschen zum Schnäppchenpreis angeboten, da habe ich halt mal zugeschlagen…
      VG Erich

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