Frankreich im Aufwind

Vielleicht ist es dem ein oder anderen Leser ja schon aufgefallen, daß ich in letzter Zeit den Anteil der F-Weine in meinen Gläsern wieder etwas nach oben gezogen habe. Das ist jetzt nicht die Folge eines innigeren Kontakts mit Land und Leuten, sondern eher so eine Art Rückbesinnung auf bekannte Werte aus meinem früheren Weinleben. Die in den letzten Jahren durchaus spannende Entwicklung in D, A und Teilen I’s (was mir alles auch rein entfernungsmäßig gesehen näher liegt) hat dazu geführt, daß Frankreich zahlenmäßig in meinem Keller stark abgebaut hat. Das will ich jetzt wieder ein bißchen nach oben korrigieren. Zu diesem Zweck haben wir heute mal einen

2015er [Sauvignon blanc] – Pouilly-Fumé AOP, Château de Tracy, Loire

aufgemacht. Anscheinend werden die Weine, deren Herkunftsbezeichnung mit „Pouilly“ beginnt, gerne miteinander verwechselt bzw. in einen großen Topf geworfen. Dies hier ist jedenfalls ein Sauvignon Blanc von der Loire und kein Chardonnay aus dem Burgund (Pouilly-Fuissé)…

Im Glas zeigt sich ein eher helles, grünliches Gelb, die Nase ist deutlich SB mit etwas Stachelbeere, Heu und Wiesenkräutern, aber nicht zu laut; das „Fumé“ ist erkennbar, anfangs aber sehr dezent gehalten, holt mit Luft dann etwas auf. Am Gaumen geht’s dann etwas mehr zur Sache, die grüne Seite liefert auch Äpfel und Karambole, bei Gelb kommen nicht zu reife Mirabellen ins Spiel, die Zitrusseite kann mit Limone und Zitrone aufwarten. Hier raucht’s und flintet’s etwas mehr, ist aber schwer zu beschreiben, jedenfalls nicht so sehr auf der Streichholz- bzw. Feuersteinseite, irgendwie „weißer“. Die Säure ist knackig und elegant zugleich, sie sorgt für eine sehr schöne Balance aller Aromengruppen und hält trotz des grundsätzlich eher filigranen Charakters den doch deutlich vorhandenen Fruchtextrakt klar auf der beschwingten Seite. Die Mineralik kommt vor allem beim ordentlich langen Abgang gut zur Geltung, die zitrusbetonte Säure hält die Frische lange hoch, der Extrakt sorgt auch hier für „filigrane Fülle“.

Bei diesem Sauvignon gefällt mir vor allem der Spagat zwischen Gehalt, Komplexität, Eleganz und Frische. Wer den Wein mit nur wenig Beachtung so nebenher wegschlabbert, wird wahrscheinlich kaum beeindruckt sein; dieser SB verlangt schon, daß man sich etwas konzentrierter mit ihm beschäftigt, dann offenbart er seine Reize durchaus.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

2 comments on “Frankreich im Aufwind

  1. Hi Erich,
    schön hier mehr über Weine aus F zu lesen 🙂 . In Pouilly-Fumé gibt es sehr schöne SB‘s. Die von Dir beschriebene „Zurückhaltung“ der Aromen finde ich sehr typisch für eine SB aus dieser Ecke und gefällt mir meist besser als die „laut schreienden Quitschbonbons“, die es auch oft aus SB gibt.
    ….aber Chenin bleibt trotzdem meine Nr. 1 unter den weißen Sorten von der Loire 😉 .
    Schönen Restsonntagabend
    Patrik

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