Rosa Katze – Relaunch

Nun ist es schon wieder fast zwei Jahre her, daß ich den rosa Spätburgunder

2014er Pinot Noir – Rosé – [trocken] – Qw, Chat Sauvage, Rheingau

im Glas hatte. Da wird’s Zeit, mal wieder zu testen, wie sich dieser Vertreter der so häufig kleingeredeten Weinfarbe in angereiftem Zustand so präsentiert. Denn es wird ja allgemein eher bezweifelt, daß Rosés mehr als ein bis zwei Jahre unbeschadet in der Flasche verbringen können. Gemäß meiner garantiert nicht repräsentativen Testreihe hält allerdings mindestens die Hälfte der Versuchskaninchen wenigstens vier bis fünf Jahre unbeschadet durch, nicht wenige gewinnen in der Zeit auch deutlich. Mal sehen, wie sich die Katze nun mit knapp 3½ Jahren auf dem Buckel zeigt:

Im Glas ein schönes, leuchtendes Kupfer, das Bukett ist von Beginn an satt fruchtig mit Granatapfel, roter Pflaume und ganz leicht ein paar Waldbeeren, das Ganze eingehüllt in eine Schwade aus Flint, Walzzunder und Karamellbonbon. Geschmacklich zeigt sich eine recht reife rot-gelbe Frucht, da ist etwas roter Bergapfel in leicht mostiger Konsistenz dabei, wieder frische Pflaume, leicht Khaki und Himbeergeist ohne Geist. Auch hier etwas braunwürzige Mineralik mit dezentem Flint- und Karamellanteil. Die Säure ist quasi perfekt dosiert und integriert und schleppt ein paar Aromen von Bitter- und Blutorange mit. Auch der Abgang löst anhaltende Freude aus, hier zeigt sich die Extraktsüße am deutlichsten, ist allerdings super eingebunden, die Stilistik bleibt klar auf der frisch-belebenden Seite.

Ich hatte zwar schon schwer gehofft, daß sich die rosa (Wild-) Katze noch schön trinken läßt, aber daß sie seit der letzten Verkostung so deutlich zugelegt hat und dabei auch einen signifikanten aromatischen Umbau vollzogen hat, führte dann doch zu einem positiven Erstaunen meinerseits. Und ich bin sicher, daß sie noch nicht am Ende ist, Schwächen sind jedenfalls keine erkennbar, nicht mal im Ansatz. So würde ich mir in etwa ein Rosa GG vorstellen…

Übrigens: trotz des Fehlens des Attributs „trocken“ auf dem Etikett (was ja keine obligatorische Angabe ist), gehört dieser Wein sicher dieser Kategorie an, auch wenn er schon ein bißchen was an -perfekt integrierter- Extraktsüße (nicht Restsüße) mitbringt. Ich habe deshalb das „trocken“ in der Weinbenennung in eckige Klammern gesetzt.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 16. Februar 2016:

Wird mal wieder Zeit für was Rosanes! Auch wenn manche Leute diese Kategorie ausschließlich in den Sommer verbannen (oder gänzlich), von den Jahreszeiten lasse ich mir die Weinfarben nicht vorschreiben. Bei (realen) Früchten und Gemüsen z.B., die saisonalen Verfügbarkeiten unterliegen, ist das natürlich was anderes. Also:

2014er Pinot Noir – Rosé – [trocken] – Qw, Chat Sauvage, Rheingau

Chat Sauvage nimmt im Rheingau schon deshalb eine Sonderstellung ein, weil von diesem Weingut nur Pinot Noir (75 %) und Chardonnay, aber keine einzige Traube Riesling angebaut wird, man hat sich also komplett den Burgundersorten verschrieben. Alle Weine werden anscheinend im Holz ausgebaut, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Trauben sind laut Rückenetikett handverlesen.

Die Farbe ist ein dunkleres Lachsrosa, schon etwas in kupfrige gehend. In der Nase weißer Pfirsich, reife Äpfel, Johannisbeere sowie ganz leicht Himbeere. Recht intensiv, aber keinerlei künstlich wirkende Aromatik. Am Gaumen sind die Früchte sehr frisch: wieder Johannisbeere, Granatapfel, etwas Limette. Hier auch eine interessante, leicht süßliche Mineralik, für die ich auch nach längerem Überlegen keine passende Beschreibung finde. Sehr dezent läßt sich auch ein bißchen hölzerne Aromatik in Form von Tabak und Kakao erkennen, aber wirklich äußerst zurückhaltend. Schöne Säurebalance, die 12,5 PS sind angemessen. Relativ langer, fruchtbetonter Nachhall.

Ein recht aristokratischer Rosé, wobei ich gar nicht so genau sagen kann, warum mir spontan dieses Adjektiv in den Sinn kam. Jedenfalls ein sehr schönes rosa Stöffchen, auch im Winter. Bitte mehr von solchen rosa Leckereien!

Meine Wertung: 2

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5 comments on “Rosa Katze – Relaunch

  1. Hi Erich,
    klingt ziemlich gut die rosa Katze. Ich bin ja auch der Meinung und kenne sogar 3 Exemplare, dass (ernsthaft gemachter) Rosé mit Reife besser wird. Das sind dann halt nicht die 3-Euro-aufderterassewegschlabber Rosé-Weine.
    Im Juni 2017 hab Chat Sauvage und den Rosé leider nicht probiert, ist nach bzw. vor den roten Pinots und Chardonnay irgendwie in Vergessenheit geraten. Ein 6 Pack Pinot hab ich dann auch mitgenommen – 13er Lorcher Kapellenberg und 13er Rüdesheimer Drachenstein. Beides übrigens „jüngere“ Anlagen mit Pinot Clonen aus der Bourgogne. Der Vergleich zum z.B. Assmannshäuser Höllenberg mit einer alten Anlage mit deutschen Spätburgunder Clonen war extrem und sprach nicht soo sehr für die deutschen SB Clone bei gleichem Ausbau 😉 .
    Schönen Abend
    Patrik

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    • Hallo Patrik,
      vor zwei Jahren fand ich diesen Rosé auch schon sehr schön, ist vor allem auch einer, der eben diese von dir genannte Ernsthaftigkeit schon gut erkennen ließ. Aber er war damals doch sehr weit weg von dem, was da gestern im Glas war. Jedenfalls habe ich mit sowas nicht gerechnet. Mal sehen, ob andere Jahrgänge da anschließen können. Dann werde ich mir von dort auch mal „richtige“ Pinots zulegen… 🙂
      VG Erich

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      • Einiger der Lagen-Pinots haben mir sehr gut gefallen (allerdings liegen die auch bei ziemlich burgundischen Preisen 😉 ). Der „einfache“ Pinot sowie beide Chardonnays waren ganz okay, haben mich allerdings nicht zum Kaufen animiert.
        In Summe trotzdem ein Weingut mit einer gelungenen und für den Rheingau ziemlich außergewöhnlichen Kollektion.
        Also mit einigen der „echten Pinots“ wirst Du bestimmt Freude haben 🙂

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        • …da fällt mir ein, daß ich von dem einfachen Pinot (2013) noch eine Flasche im Keller habe. Vor etwas über einem Jahr war das ein „schmatziger“ Wein, vor allem für deutschen Pinot durchaus schön, wenn auch nicht überragend (man muß ja auch noch ein bißchen Platz nach oben für die Lagen-PN’s lassen). Aber nach der positiven rosa Erfahrung frage ich mich nun auch, ob sich beim roten Bruder ebenfalls über die Zeit signifikant was entwickelt…

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