Marinadenwein

So voll mein Keller auch ist, wenn ich was zum Kochen brauche, bin ich häufig nicht so besonders gut aufgestellt mit meinem Sortiment. Denn die meisten Sachen sind mir fürs Verkochen dann einfach zu schade. Andererseits mag ich natürlich auch nicht jede Plörre verwenden. Ich bin auch nicht der Meinung, daß man für die jeweiligen Gerichte wie beim „Food-pairing“ jeweils nur eine eher enge Auswahl hat, nur einige grundsätzliche Eigenschaften müssen halt zusammenpassen. Zumindest ich selbst könnte am Essen kaum herausschmecken, ob da nun ein Merlot oder ein Spätburgunder verwendet wurde. Meine Auswahl war auch nicht besonders groß, letztlich habe ich mich für einen

2011er Spätburgunder – Leimener Herrenberg – trocken – Spätlese – Pw, Adam Müller, Baden

entschieden, den ich mal von einem Geschäftspartner zu Weihnachten geschenkt bekam. Da ich auch neulich mal beim Weingut Seeger war (meiner Meinung nach der einzige Leuchtturm in der Ecke) und dort einige sehr schöne Sachen probieren konnte, hat mich jetzt nochmal interessiert, was im Vergleich dieses deutlich weniger renommierte Gut aus der gleichen Lage „Leimener Herrenberg“ im Falle eines Spätburgunders zustande bringt:

Im Glas ein recht helles Blutrot mit höherer Transparenz, leichte braune Schimmer erkennbar. In der Nase dichte Frucht wie Sauerkirsche und etwas Pflaume, dazu leicht modriger Keller, etwas staubig. Am Gaumen deutlich weniger Gehalt als das Bukett noch versprochen hat, etwas kantige Tannine, leicht metallisch, hier drängen sich Staub und Keller klar vor die Frucht. Die Säure ist zwar gut dosiert, steht aber irgendwie isoliert da. Auch der Abgang betont hauptsächlich die genannte Sekundäraromatik, das dafür über mehrere Minuten.

Das ist wieder so ein Wein, der nichts grundsätzlich Fehlerhaftes mitbringt, aber ich finde einfach keinerlei harmonischen Gesamtzusammenhang bei diesem Wein, alles wirkt irgendwie lieblos zusammengemischt. Zum Trinken ist das für mich gar nichts, aber zum Marinieren eignet sich der Wein dann doch ohne Fehl und Tadel. Wenn man ihn aber selber kaufen müßte, rate ich auch dafür dringend davon ab, denn der Wein kostet im aktuellen Jahrgang immerhin 13,50 Euronen, das ist er aus meiner Sicht in keinem Fall wert, dafür bekommt man selbst im Supermarkt mindestens 2 deutlich schönere Weinchen.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 10 von 25

2 comments on “Marinadenwein

  1. Da sieht man mal wieder, was die Winzerhandschrift ausmacht. Meiner Erfahrung nach verstärkt sich der Effekt noch bei zunehmender Flaschenreife. Für die 13,50 EUR gäbe es sicher auch einen Ortswein von einem bekannteren Winzer, der mehr Spass macht.

    Gefällt mir

    • Sogar der Guts-Spätburgunder vom Seeger aus dem gleichen Ort (Leimen) für gut 9 Euronen, dessen Trauben -soweit ich weiß- auch alle aus dem Herrenberg stammen, ist um Längen besser und macht entsprechend mehr Freude. Kunst kommt halt von Können, weshalb manche Weine für mich durchaus kleine Kunstwerke sind. Andere sind halt nur mehr oder weniger solides Handwerk, hier klar weniger…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s