Der steilste Schmitt – Relaunch

Animiert durch einen Beitrag der Konkurrenz habe ich heute mal wieder eine Flasche des

2013er Riesling – Randersackerer Marsberg „Spielberg“ – trocken – Erste Lage, Schmitt’s Kinder, Franken

aufgeschraubt. Vor über zwei Jahren war dieser Riesling einfach noch zu jung, ließ aber schon deutlich erkennen, was in ihm steckt. Aufgrund der spürbaren Begeisterung in oben verlinktem Video bin ich gespannt, wie sich der „Spielberg“ nunmehr so entwickelt hat:

Im Glas zeigt sich ein helleres Goldgelb mit einigen CO2-Bläschen, die Nase wird von Beginn an recht deutlich mit flintgeschwängerten, sehr frisch anmutenden Früchten aus dem Bereich Ananas, Mirabelle und Kumquat bedacht. Geschmacklich übernimmt gleich die kernig-prickelige Säure die Führung ohne daß der nicht gerade geringe Fruchtextrakt dabei zu kurz kommt. Auch hier spielen ziemlich viele Steine mit, deren geschmacklicher Roter Phosphor-Anteil (einfach mal an einer Streichholzschachtelreibefläche riechen oder lecken) relativ hoch ist. Die Säure bringt auch Pomelo- und ganz leicht Blutorangenaromen mit, der Abgang ist über lange Zeit sehr erfrischend, ohne daß die Gesichtsmuskulatur beschäftigt wird (zumindest meine nicht); im Finale ist auch nach einigen Minuten noch die Mineralik auf relativ hohem Niveau präsent.

Wow, hier hat sich wirklich einiges getan. Rieslinge, die sich auf der Frischeskala so weit oben bewegen, zehren auch bei mir schon mal an der Mimik, hier aber kann der gar nicht mal so gelb-reife, aber einfach sehr ordentlich bemessene Fruchtextrakt die Wohlfühlbalance schön im stabilen Bereich halten. Ist aufgrund seiner Struktur aus meiner Sicht nunmehr durchaus auf Augenhöhe mit so manchen GG’s angesiedelt und müßte sich auch in dieser Riege nicht verstecken. Wäre bei einer blinden GG-Probe aus meiner Sicht ein schöner Pirat.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 17. September 2015:

Aus der reichhaltigen Palette bemerkenswerter Weine von Schmitt’s Kinder haben wir als nächstes den

2013er Riesling – Randersackerer Marsberg „Spielberg“ – trocken – Erste Lage, Schmitt’s Kinder, Franken

aufgemacht. Der Riesling stammt gemäß Auskunft des Weinguts von der steilsten Ecke des Marsbergs, dem Spielberg, wohl eines der Gewanne innerhalb der Lage. Das Weingut gehört übrigens zum TRIAS, einem Winzerverband von 5 Winzern, die allesamt terroirgeprägte, große, trockene Weine von den typischen Lagenformationen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper hervorbringen wollen. So das Selbstverständnis dieses Zusammenschlusses, was auch schön bezeugt, daß die Winzer hier mehr miteinander als aus Konkurrenzgedanken gegeneinander arbeiten.

In der Farbe eher hell für einen Lagenriesling, dachte ich mir so beiläufig. In der Nase ein bißchen verhalten fruchtig nach Apfel, Ananas, unreifer Pfirsich, interessant aber der weiße Pfeffer mit echter Schärfe in der Nase nebst einem deutlichen Steinhaufen. Am Gaumen dann grünfruchtig, grüne Äpfel, Reneclaude, Limette, weiters Rosmarin und Majoran sowie auch hier der bereits erwähnte Pfeffer und wieder der deutliche mineralische Anteil. Sehr trocken, kernige Säure, dadurch sehr frisch. 12,5 PS weist das Etikett aus, paßt! Der Abgang ist säuerlich fruchtbetont und mittellang.

Schöner eigenständiger Riesling mit einer außergewöhnlichen Mineralik, der aber zur Zeit sehr jugendlich ist und seine wahren Qualitäten wohl erst in ein paar Jahren entfalten wird, deshalb greife ich bei der Wertung aktuell nicht so hoch. Aufgrund meiner persönlichen Erwartung für die nächsten Jahre bei speziell diesem Wein habe ich aber noch was im Keller liegen, was so schnell nicht angerührt wird…

Meine (derzeitige) Wertung: Nachkauf 1 von 3

2 comments on “Der steilste Schmitt – Relaunch

  1. Dein Bericht bestätigt meine Einschätzung, dass das Preisleistungsverhältnis des Sortiments von Schmitts Kinder sehr gut ist. Die Weine kommen meiner Erinnerung nach auch verhältnismäßig spät in den Verkauf (Erste Lagen erst, wenn normal die GGs starten), was zeigt, dass man nicht nur dem vermeintlich schnellen Euro hinterherläuft.

    Ich habe den 2015er im Keller und finde ihn jetzt schon halbwegs zugänglich – wenn auch immer noch deutlich jungendlicher als zum Beispiel Rainer Sauers 2015er GG vom Escherndorfer Lump.

    Es stimmt wohl, dass die Weine Langstreckenläufer sind!

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