Nummernlos – Nachtrag

Von der Ex Vero-Reihe des steirischen BioDyn-Weinguts Werlitsch kannte ich bisher nur die Varianten I, II und III sowie diverse Spätfüllungen hiervon. Nun habe ich noch diesen nummernlosen

2010er Ex Vero – Legoth – trocken – Landwein, Werlitsch, Südsteiermark

entdeckt, der ein gemischter Satz aus Pinot Blanc, Welschriesling, Morillon (Chardonnay), Sämling 88 (Scheurebe) und Müller-Thurgau ist. Preislich bewegt sich dieser Wein im Einsteigerniveau des Sortiments, also etwas unter 15 Euronen. Ob’s also auch ein wirklicher Einsteigerwein ist?

Im Glas ein leicht trübes, dunkleres Strohgelb, für die Nase gibt’s Mineralik pur: was schieferiges, was kalkiges, was flintiges. Am Gaumen setzt sich diese karge Struktur fort, auch hier finden sich fruchtseitig allenfalls ein paar gelbe Zitrussprengsel, die von der kecken, etwas belegten Säure transportiert werden. Trotz gerade mal 10,5 Umdrehungen wirkt der Wein sehr trocken, was den karg-steinigen Eindruck noch stützt. Der Nachhall ist von mittlerer Länge und betont nochmals die saure Mineralik, ganz kurz blitzt mal was lakritziges auf.

Das ist auch für Werlitsch-Verhältnisse schon was recht spezielles, ist als „Einsteiger“ in die Werlitsch’sche Naturweinwelt aus meiner Sicht nicht die beste Wahl. Ich mag ja mineralische Sachen recht gerne, aber hier ist das Thema „Steinwein“ ziemlich auf die Spitze getrieben, im Vergleich fiel mir Schokolade mit 99 % Kakaogehalt ein, das ist dann auch Hardcore. Durchaus eine positive Erfahrung, aber aus meiner Sicht irgendwie schwer zu kombinieren. Und willige Mittrinker muß man da auch erst mal finden; deshalb erst mal keine Nachkauf- Option. Aber: so mancher Werlitsch-Wein hat sich über die Tage recht abenteuerlich entwickelt, jedoch mag ich in diesem Fall nicht so recht d’ran glauben, mal sehen…

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

Nachtrag nach 7 Tagen mit Luft: In der Nase hat sich der flintig-mineralische Eindruck noch verstärkt, vor allem der rote Phosphor hat zugelegt. Auch am Gaumen hat sich das Ganze intensiviert. Ist immer noch „Hardcore“, dennoch ist der Trinkfluß heute deutlich besser, der „Legoth“ wirkt trotz seiner Extreme nun aufgeräumter. Qualitativ durchaus ein Gewinn, dennoch nichts, was ich unbedingt nochmals in den Keller legen muß.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 18/25

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10 comments on “Nummernlos – Nachtrag

  1. Hi Erich,
    diese Beschreibung kann ich tatsächlich ganz gut nachvollziehen – zumindest für den mir bekannten Ex Vero I. Vielleicht sollte ich den Ex Veros mit höherer Nummer doch eine Chance geben, denn die scheinen nach Deinen Notizen doch deutlich anders auszufallen..
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      rausgeschmissenes Geld wäre ein Versuch mit den IIern oder IIIern sicher nicht, ob die Begeisterung dann allerdings so groß ist wie bei mir, sei mal dahingestellt…
      Ein Teilnehmer des ersten WV-Treffens findet auch recht lobende Worte für diese Sachen (hast du wahrscheinlich schon mitbekommen)…
      VG Erich

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      • Ist bestimmt kein rausgeschmissenes Geld – aktuell versuche ich (naja noch nicht sooo intensiv) meinen Weinhorizont wieder etwas zu erweitern – z.B. mit Vin Jaune und Savagnin aus dem Jura oder (zweiter Versuch) Welschriesling aus dem Burgenland oder Chardonnay rosé (eine Mutation die wohl nur in Marsannay zu finden ist).

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        • Chardonnay rosé? Das wäre auch für mich was komplett neues! Jura ist auch so ein seit langem vor mir hergeschobenes Thema, obwohl das eigentlich gut in mein Beuteschema paßt.
          Hinsichtlich burgenländischem Welschriesling würde ich den weißen „Saybritz“ vom Weninger empfehlen…

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          • Ja Jura ist recht spannend (und aktuell auch besonders „hip“ – was ich eigentlich ätzend finde).
            Meine ersten Jura-Weine (Jahrgang 2011) sind von Pierre Overnoy und J-F Ganevat – Poulsard und Chardonnay. Sehr schöne Weine aber aufgrund des „Hip-seins“ leider kaum noch erhältlich.
            Welschriesling hatte ich von Heinrich (den Freyheit) war spannend aber nix zum Nachkaufen für mich. Jetzt probiere ich mal die Rennersistas (schätze geht ähnlich aus wie bei Heinrich).

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            • Ich reagiere ja gerne auch auf solche externen Anstöße, deshalb habe ich den Saybritz jetzt mal in den Kühlschrank verlagert…
              Jura kommt irgendwann mal dran, vielleicht warte ich ja auch, bis es wieder mega-out ist. Sowas kann sich ja heutzutage ziemlich schnell ändern.

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            • :mrgreen: vielleicht mach dieses Wochenende mal ne Mega-out-Flasche auf – hab noch ein bisschen was aus 199X bis 200X aus Australien und Spanien im Keller.
              Die Weine aus dem Jura könnten Deinem Beuteschma tatsächlich recht gut entsprechen – hast schon mal einen im Glas gehabt?

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            • …ist recht lange her. Ich war vor vielen Jahren mal ein paar Tage in Arbois und Umgebung, da wurden einige örtliche Flaschen vernichtet. Die fand ich allesamt recht interessant, aber so richtig schätzen konnte ich solche Sachen wie den Vin Jaune in den juxigen Flaschen damals noch nicht. Es gab da auch bemerkenswerte Blubberwässerchen…

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            • Ja Bubbles aus dem Jura sind (oftmals) sehr schön. Bis dato hab ich eher die reduktiv ausgebauten Sachen aus dem Jura getrunken – besonders die Roten (Poulsard und Trousseau) gefallen mir sehr und sind mit kaum etwas anderem vergleichbar.
              Die oxidativen Sachen wie Vin Jaune sind für mich auch noch Neuland, sind aber im Zulauf 🙂

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