22. Weinrunde in München

Vorletzten Freitag fand die nunmehr 22. Blindtasting-Runde in München statt. Hat diesmal ein bißchen gedauert mit meinem Bericht davon, aber in den letzten Tagen war mein Zeitplan leider etwas straffer gestaltet…

Das Thema war diesmal wieder regionsbezogen und lautete „Australien und Neuseeland“. Dazu hatte ich leider gar nichts im Keller parat, da ich mich zur Zeit nicht aus eigenem Antrieb mit Überseeweinen beschäftige. Vor gut 10 Jahren war ich mal in Sydney und habe während dieser Zeit einige sehr schöne Weine getrunken, die so gar nicht ins bei uns übliche, fette Australien-Bild gepaßt haben. Deshalb habe ich mal versucht, was von den Weingütern zu besorgen, die ich von damals noch in sehr guter Erinnerung hatte, aber nicht eines von denen hat hier einen Vertriebspartner. Anscheinend trinken die Australier die besten Sachen lieber selbst, also war zumindest meine Auswahl dann doch recht blind…

Prolog:

Zur Einstimmung gab’s dann erst mal was etikettenloses aus der Heimat:

0. Wein: 2016er Sauvignon Blanc – trocken – Landwein, Skin Doctors, Franken

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Dies ist ein Wein, der einem Schülerprojekt entstammt, das an der Staatlichen Technikerschule für Weinbau und Gartenbau (LWG) stattfand bzw. stattfindet. Die Klasse hat hier vom Weinberg bis zum Marketing (es gibt auch Flaschen mit Etiketten!)

SkinDoctors_Sauvignon Blanc-Gruppe

alles selbst gemacht; das Resultat ist auch käuflich zu erwerben. Neben dem SB der oben gezeigten Gruppe (Bildquelle: http://www.skindoctors-franken.de) stehen auch andere Sorten zur Verfügung. Aber was kann der Schülerwein?

Im Glas zeigt sich ein trübes Zitronengelb. Das Bukett zeigt Flint und Brennessel, eher verhaltene Frucht, einige Steine künden sich an. Am Gaumen leicht reduktiv wirkend, viel Mineralik, grün-gelbe Zitrusfrucht auf der extraktsüßen Seite, dazu eine moderate, aber dennoch frische Säure. Der Abgang ist lang und steinig, hier werden Brennessel und Zitrone betont.

Alle Achtung! Für einen „Schülerwein“ kann man hier echt nicht meckern. Der SB folgt keinem lauten SB-Mainstream, sondern setzt mit spontaner Maischegärung durchaus eigene Akzente. Macht richtig Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 18/25

Drama:

Nun die „Wettbewerbsweine“:

1. Wein: 2015er Viognier – Samuels Garden Collection, Yalumba, Eden Valley

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Im Glas ein mittleres Strohgelb mit gräulichen Reflexen, in der Nase kräuterig, recht dicht Limone, etwas Weißkraut, das sich aber mit der Zeit zurückzieht, Molke gibt’s auch noch. Am Gaumen intensive hellgelbe Frucht wie gelbe Pflaume, reife Karambole und Rambutan, auch gelbes Fruchtbonbon mit etwas Eisen. Die Säure ist nicht besonders potent, daher kommt der Wein auch recht cremig, fast zu breit daher. Der Abgang ist mittellang, hellfruchtig und von wenig Säure begleitet, daher fast ein bißchen anstrengend.

Auch Viognier kann man mit entsprechender Säure zu einem spannenden Wein machen, hier ist das leider nicht so ganz gelungen.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

2. Wein: 2017er Sauvignon Blanc – Black Cottage, Two Rivers, Marlborough

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Die Farbe ist ein sehr helles, grünliches Gelb, in der Nase gleich ein klares SB-Outing, viele Kräuter incl. Minze, dazu Stachelbeere und Brennessel sowie Holunderblüte. Am Gaumen dann grüne Äpfel und etwas Maracuja, weiters eine recht knackige Säure, wieder Kräuter, diesmal sehr Estragon-lastig. Der Abgang ist recht lang, aber es wird leider eine ziemlich saure und spitz wirkende Fruchtaromatik transportiert.

Ich habe nicht viel Erfahrung mit NZ-SB’s, aber man sagt ihnen nach, daß sie relativ laut und grün daher kommen. Insofern wäre das ein typischer Sauvignon Blanc aus diesem Land. Tut zwar nicht weh, muß man (bzw. ich) aber auch nicht öfters haben.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 15/25

3. Wein: 2014er Chenin Blanc – Te Arai Vineyard, Millton, Gisborne

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Die Farbe ist ein richtig goldiges Goldgelb, für die Nase gibt’s sonnengegerbten Gartenschlauch mit gelber Frucht und leicht Naphtalin. Am Gaumen zeigen sich Zitruszesten, Gummiabrieb und wieder Naphtalin bzw. auch Bienenwachs. Die Säure ist gut ausgeprägt wie eingebunden, auf der steinigen Seite findet man noch nasse Terrasse und etwas Schiefer. Der Abgang ist geprägt von Zitruszesten aller Farben plus angedeuteter Phenolik.

Das war für mich ein Riesling, tatsächlich war’s aber ein recht schöner CB und zugleich der spannendste Themenwein des Abends.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

4. Wein: 2011er Sangiovese / Shiraz, Coriole, McLaren Vale

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Dieser Wein besteht je zur Hälfte aus den genannten Rebsorten.

Im Glas zeigt sich ein dunkleres Granatrot mit mittlerer Transparenz und leicht angebräunten Rändern, geruchlich auf der pflaumig-waldbeerigen Seite unterwegs, dazu etwas Leder und leicht Kakao. Am Gaumen dann wenige Tannine, die sind allerdings auf der eher eisen-harten Tour unterwegs, die Frucht kommt gegen das Metall kaum an. Auch die Säure kann deshalb kaum auf sich aufmerksam machen, mehr Gehör findet ein Roastbeef mit Pfeffer. Beim Abgang offenbart sich dann eine dicke, grüne Paprika, insgesamt hier eher kantig mit ordentlich Chianti-Staub.

Wenn man’s mag (und teils kam der Wein in der Runde recht gut an), kann das ein schöner Barbecue-Wein sein, mir waren da allerdings zu viele unschöne Ecken im Spiel.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

5. Wein: 2015er Shiraz – Cahoots, Sons of Eden, Barossa Valley

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Im Glas ein dunkles Granatrot mit violettem Stich, kaum transparent, in der Nase reifere Pflaumen, Brombeeren und Heidelbeeren, dezent auch ein paar Holznoten. Am Gaumen wenige, sehr weiche Tannine, wirkt gleich recht schmatzig-saftig aufgrund der deutlichen Extraktsüße, der aber eine wohldosierte Säurestruktur entgegensteht. Vom Holz kommt ein leichtes Kakaobitterchen, später auch zunehmend Leder sowie etwas Thymian. Der Abgang ist lang und herb-süßlich, saftig mit leichtem Bitterchen sowie leicht salzigem Finale.

Soweit ein recht schön gemachter Wein, der mit etwas Luft noch gewinnt, hat aber keine besonderen Alleinstellungsmerkmale, eher einer unter vielen (Guten).

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 18/25

6. Wein: 2014er Pinot Noir – Unravelled, Carrick, Central Otago

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Die Farbe ist ein mittleres Rubinrot mit deutlicher Transparenz. Bukettmäßig gibt’s leicht kompottige Kirschen, etwas Molke und Papierschlamm, eine leichte Krautigkeit verliert sich mit der Zeit, irgendwann kommen Zedernholz und rote Paprika hoch. Am Gaumen deutlich adstringierende Tannine, etwas Chilli und Eukalyptus sowie Harz und kaum Frucht. Dabei etwas alloholisch, ein paar herbe Steine heben die Stimmung wieder etwas. Der durchaus lange Abgang ist auf der staubig-herben Seite unterwegs, das Finale ist recht alu-lastig.

Dieser Pinot Noir ist zwar einerseits irgendwie interessant, aber wirklich anfreunden konnte ich mich damit nicht, der war mir klar zu unausgewogen und letztlich haben die Kanten dann doch eher gestört als animiert.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 14/25

7. Wein: 2010er Cabernet Sauvignon / Touriga Nacional – Jr. Gantos – Quinta do sul, First Drop, McLaren Vale

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Im Glas zeigt sich ein dunkles Ziegelrot incl. einiger Brauntöne ohne wesentliche Transparenz, für die Nase gibt’s Kirschen und Pflaumen, weißen Pfeffer und Bohnerwachs sowie einige undifferenzierte Holztöne. Im Mund hinterläßt diese Cuvée einen recht fetten Eindruck, die Früchte wirken schon leicht fermentiert bzw. angefault. Beim Abgang zeigt sich eine etwas merkwürdige Extraktsüße, wirkt alles wie mindestens einmal aufgekocht.

Nö, das macht nun keinen Spaß…

Meine Wertung: Nachkauf 0/3, Gesamt 11/25

Epilog:

Zum Ausklang gab’s dann wieder was aus den heimischeren Gefilden:

8. Wein: 2016er Grüner Veltliner – Obere Steigen – trocken – Traisental DAC, Markus Huber, Traisental

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Der GV zeigt sich mit einem hellem Goldgelb, geruchlich dann eine recht helle Frucht in Richtung Lychee und Honigmelone, wirkt ein bißchen kaltvergoren. Am Gaumen dann Kaktusfeige, wieder Lychee, insgesamt etwas arg breit unterwegs, die moderate Säure ist klar überfordert. Der Abgang ist ebenfalls eher anstrengend weiß-gelb-fruchtig.

Von diesem Wein hatte ich schon mal den 2014er im Glas, der mir erheblich besser gefallen hat. Damit steht dieser Wein in einer langen Reihe von 2015er und 2016er Weinen des Donauraums, deren Säurestruktur klar zu wünschen übrig läßt.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

9. Wein: 2015er Riesling – Dienheim – vom Kalkstein – trocken – Qw, Lisa Bunn, Rheinhessen

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Dieser Riesling zeigt sich in einem schönen, mittleren Goldgelb, in der Nase gleich viel Flint, mürber Apfel, Ananas und Grapefruitzesten. Am Gaumen dicht fruchtig, viel Zitrus mit etwas Akazienhonig, dazu eine wohltuende, angehende Phenolik, viel Salz. Das stabile Rückgrat des Weins ist eine kernige, leicht prickelige, aber charmant wirkende Säure, die perfekt gegen den Extrakt abgestimmt ist. Der Abgang wird von viel Zitrusextrakt mit einer starken Säurestruktur bestimmt, mit der Länge schieben sich auch hier die Salze nochmal schön nach vorne.

Man muß also gar nicht so weit gehen, um einen super Wein ins Glas zu bekommen; für mich das Highlight des Abends (nachdem bei einer der letzten Runden ein Bunn’scher GB lange nicht so prickelnd war)

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Fazit:

Wieder eine schöne Runde mit ein paar interessanten Aha-Erlebnissen. Allerdings hat sie nicht dazu geführt, daß ich mich nun vermehrt den ozeanischen Weinen zuwenden werde, auch wenn ich insbesondere den NZ-Chenin Blanc sehr gelungen fand.

Vor allem möchte ich heute mal betonen, welches Glück wir bisher mit den Teilnehmern der bisherigen Runden hatten, denn bis heute war eigentlich niemand dabei, der (oder die) sich irgendwie großartig negativ bemerkbar gemacht hätte; bis dato stand immer die Freude am Wein im Vordergrund und niemand wurde ob seiner Meinung oder Wahrnehmung zu den Themen in irgendeine Ecke gestellt. Selbstüberschätzte Besserwisser etc., wie man sie anscheinend an der Weinfront auch vermehrt in irgendwelchen Foren findet, sind bei uns bis jetzt außen vor geblieben. In der Hoffnung, daß das auch in Zukunft so bleibt, hier nochmals vielen Dank an all die Teilnehmer der vergangenen Runden, die alle auf ihre eigene Art zum ausnahmslosen Gelingen der Veranstaltungen beigetragen haben!

Und zu guter letzt nochmals vielen Dank an Svenja und Martin, die die Runde zum wiederholten male ausgerichtet haben!

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4 comments on “22. Weinrunde in München

  1. Gestern hatte ich den 2016er Grüner Veltliner – Obere Steigen – trocken im Glas. Ich hatte ähnliche Eindrücke wie Du. Der Wein wirkte künstlich. Mir fehlte ganz klar die trinkflussgebende Säure. Ehrlich gesagt war ich schon ein wenig enttäuscht, zumal das Weingut allerorten recht gelobt wird.

    Dass es 2016 auch besser geht hat mir jedoch der zuvor verkostete „Höhlgraben“ vom Weingut Malat gezeigt. Sehr schöne, im positiven Sinne „resche“ Säurestruktur und trotz 12,5% Alkohol ordentlich Extrakt – so mag ich es.

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    • Ich war hier auch einigermaßen enttäuscht, zumal ich solche „Breite-Ausreißer“ von Markus Huber bisher nicht gewohnt war. Selbst die etwas fetteren Reserven hatten eigentlich immer eine schöne Säurestruktur, die die Weine trotz allen Gehalts nicht anstrengend gemacht haben. Bin gespannt, ob das ein Einzelfall bleibt oder ob das zur Regel wird. Zumindest hatten wir vor ein paar Monaten einen 16er Muskateller von MH im Glas, der (natürlich) viel einfacher gestrickt war als dieser GV, der aber säuretechnisch viel viel besser aufgestellt war…

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  2. Ich kenne das Problem mit den Neuseeländischen Weinen sehr gut, die Sauvignon Blanc sind auch nicht meine persönliche Favoriten, allerdings mag ich auch keinen Loire SB.. Aber diese Weine finden nach wie vor den größten Absatz. Daher finde ich es immer toll wenn man neben „dem“ NZ SB auch mal andere Weine probiert werden – nur so findet man auch mal einen Chenin Blanc.
    Bzgl. dem Pinot Noir aus Central Otago bin ich etwas verwundert, denn dieser Wein steht i.d.R. sehr gut im Glas, mit vielen Kirsch- und Kräuternoten. War der Wein den in Ordnung? Man muss dazu sagen, dass Central Otago mit dem Pinot Noir Preisen (leider) ganz schön angezogen hat, wenn man wirklich hochwertige PN sucht – hftl. nehmen die sich kein Vorbild am Burgund….
    VG Markus

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    • Hallo Markus,
      der NZ-Pinot hatte zumindest keine der üblichen Fehltöne, die auf einen Flaschen- oder Sonstwas-Fehler hinweisen könnten, so kann ich den Wein nur für sich nehmen, denn mir fehlen da auch die örtlichen Vergleichsmöglichkeiten. Der war für mich einfach sehr weit weg von dem, was ich mir unter einem animierenden Pinot vorstelle. Sowas muß man nicht um den halben Erdball schippern. Den Chenin Blanc schon eher…
      VG Erich

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