Rosé XXL – Relaunch

Heute war mal wieder Relaunch-time. Dazu habe ich diesmal einen Wein aus dem immer noch laufenden Rosé-Reifungs-Experiment dem Keller entnommen, natürlich in der Hoffnung, daß sich der

2013er [Cuvèe] – Rosé des Vents – Côtes du Rhône AOC, Domaine de Tout-Vent, Rhône

nach über 2½ Jahren ohne innigere Beachtung noch nicht auf dem absteigenden Ast befindet:

Die Farbe ist irgendwas zwischen Zwiebel und Lachs, für die Nase gibt’s kaum noch Frucht, dafür eher dezent und dennoch deutlich Feuerstein sowie Tabak und alte Ledertasche, diese gefüllt mit braunem Kandiszucker; die Intensität des Buketts nimmt mit der Zeit allerdings signifikant zu. Am Gaumen zeigen sich dann aber noch dicht und extraktreich leicht reduktive Granatäpfel, Aprikosen und ein paar Waldhimbeeren in rauchig-flintiger Umgebung, dazu einiges an weißem Pfeffer. Das Holz ist hier eher in Form von leicht angekokeltem Hartholz, etwas Teer und Lakritze präsent. Die Säure ist durchaus ordentlich ausgeprägt und sorgt so für einen relativ frischen Charakter, provençalische Breite gibt’s hier trotz aller Fülle nicht. Der Abgang ist in der Folge recht würzig und gehaltvoll, dabei trocken, aber doch mit einiger herber Extraktsüße ausgestattet und macht recht lange Freude.

Sehr schön! In Würdigung meiner vorherigen Beschreibung (siehe unten), ist dieser Rosé nunmehr erhobenen Hauptes in eine recht anspruchsvolle Reifephase eingetreten. Und das ohne jegliche Anzeichen von Schwäche, also nix absteigender Ast. Dabei gefällt mir vor allem, daß die eigentlich recht üppige würzige Seite in keinster Weise belastend wirkt, sondern mit Säure und (Rest-) Frucht in einer super Balance steht. Der könnte wohl noch länger, leider hab‘ ich jetzt nix mehr…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 11. Juli 2015:

Ein guter Bekannter hat mir aus seinem Frankreich-Urlaub ein paar Weinchen mitgebracht. Etwas war bestellt, aber es gab auch Überraschungen. Dazu zählt der

2013er [Cuvèe] – Rosé des Vents – Côtes du Rhône AOC, Domaine de Tout-Vent, Rhône

Der Wein ist eine Cuvée aus 60 % Grenache und 40 % Cinsault und wird nach der Saignée-Methode gewonnnen, das heißt, der Wein ist eigentlich ein Abfallprodukt der Rotweinproduktion. Man entzieht der Rotweinmaische Saft, um den Rotwein gehaltvoller zu machen. Der Roséanteil ist dementsprechend eigentlich weniger gehaltvoll. Das führt bei vielen so hergestellten Rosés tatsächlich dazu, daß diese auch letztlich eher uninspiriert wirken, wird ja eigentlich auch nur nebenher produziert. Ob das hier genauso ist?

Im Glas sehr schön kupfer- bis lachsfarben, in der Nase erst verhalten, aber dann kommen nach und nach Mandarinenzesten, Sternfrucht, Jostabeere und Johannisbeere zum Vorschein. Am Gaumen dann eine reine Fruchtexplosion, bei der man ohne weiteres auch noch Bananen und Honigmelone, aber auch würzige Noten nach Nelken ausmachen kann. Ein bißchen Lebkuchen und dezent Rumtopf tauchen beim Abgang ebenfalls auf. Sehr hoher Extrakt, nicht ganz trocken, leichte und feine Säure, die das Ganze nicht zu sehr ins Opulente abgleiten läßt. Die 13,5 Umdrehungen passen dabei voll ins Konzept.

Das hat nun gar nichts mehr mit den üblichen Fruchtbonbon-Rosés zu tun. Ich denke auch nicht, daß ich blind auf einen Rosé getippt hätte. Er tendiert eher grob in Richtung Chardonnay, ein Chablis Grand Cru tummelt sich zumindest in der näheren geschmacklichen Nachbarschaft, auch wenn der Vergleich vielleicht ein bißchen hinkt, denn zur Finesse eines solchen Weins fehlt dann doch das entscheidende Etwas. Dafür ist der Rosé aber auch in einer komplett anderen preislichen Liga angesiedelt.

Ich weiß nicht, wie sie’s gemacht haben und ob das jedes Jahr so gut ist, aber dieser aus einem Saftabzug hergestellte Rosé ist ungemein dicht, komplex, gehaltvoll. Man muß sich dementsprechend darüber im klaren sein, daß dies kein leichter Easy-drinking-Sommerrosé im klassischen Sinne ist. Dennoch hatten wir bei 29 °C im Schatten (mit gewitterbedingter Abkühlung) viel Spaß damit, kann man sich echt dran gewöhnen. Auch wenn ein Mittrinker bekrittelte, daß er mit dem Weinchen nicht so viel anfangen kann, weil es halt kein typischer Rosé ist. Kein Problem, bleibt mehr für mich…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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