…noch ein vermeintliches Problemkind… – Relaunch

Heute habe ich mir mal wieder ein Video von der Konkurrenz angesehen, in dem es vom Kellermeister der Domäne Wachau eine Aussage zum 2010er Jahrgang gab, der ich nur voll und ganz zustimmen konnte. Das führte dann dazu, daß ich mir gleich einen der letzten Weine dieses Jahres aus dem Keller geholt habe, und das war der

2010er Riesling – Geheimrat »J« – Spätlese – trocken – QmP, Wegeler, Rheingau

den ich zuletzt vor ziemlich genau zwei Jahren im Glas hatte.

Die Farbe ist ein recht intensives Goldgelb, die Nase bekommt’s gleich ordentlich mit reifer Zanzibar-Ananas, Blutorangenzesten, Kumquats und etwas Tamarinde zu tun, trotz der Dichte der Aromatik wirkt das Ganze bereits hier sehr frisch. Geschmacklich voll fett der o.a. Fruchtmix mit ein bißchen Honig, dann noch einige weitere Zitrusfrüchte oben d’rauf, dazu gibt’s aber so viel Säure, daß ich den Gesamteindruck wortspielerisch schon als „überflüssig“ bezeichnen könnte. So fast nebenher, aber durchaus prägend, einige eisenhaltige Steine, dem Schiefer nicht unähnlich, aber doch ein bißchen anders. Der Abgang ist saftig-frisch und dabei sehr lang, hier ist die Eisensalzspur am deutlichsten.

Der »J« ist anscheinend immer noch auf dem jugendlich aufsteigenden Ast, er hat zwar an Fülle nochmal gut zugelegt, aber Alterungstöne gibt’s noch gar keine. Wahrscheinlich dauert es noch mindestens weitere 5 Jahre, bis der Zenit erreicht wird, dabei habe ich mir heute schon gedacht, daß insbesondere die Säurestruktur dieses Weins nichts anderes als perfekt ist. Für mich ein schönes Beispiel dafür, daß die Säure das Rückgrat eines guten und langlebigen Weins ist. Deshalb liebe ich Weine aus kalten Jahren, aber nur von Winzern, die wissen, wie man in solchen Jahren mit den Reben umgeht. Und man muß halt ein bißchen Geduld haben…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 28. Februar 2016:

Weil wir ja am WE schon einen Wein aus einem „schwierigen“ Jahrgang aufgemacht haben, gleich noch einen zweiten hinterher:

2010er Riesling – Geheimrat »J« – Spätlese – trocken – QmP, Wegeler, Rheingau

Der »J« ist dem Gründer des Weinguts -Geheimrat Julius Wegeler- gewidmet und ist eine reinsortige Lagencuvée aus jahrgangsabhängig bis zu 15 Lagen um Oestrich. Von den Herstellungskriterien her gesehen eigentlich ein „Erstes Gewächs“, aber eine solche Lagenassemblage ist halt in den VDP-Statuten nicht vorgesehen, somit ist der »J« offiziell „nur“ ein profaner Prädikatswein.

Im Glas ein dichtes Goldgelb, in der Nase ein opulenter Fruchtkorb auf der dunkelgelben Seite: Ananas, Mango, Marula, weiters Eukalyptushonig. Auf der sauren Seite Blutorange und etwas Limette. Deutliche Säure, die sehr gut mit dem vielen Extrakt zurechtkommt. Oder umgekehrt. Mit 12,5 Ampere übrigens schön schlank gehalten, was den Ethanol-Gehalt angeht, trotzdem läßt der Wein seine Kraft nicht missen. Dazu ein paar leicht eisenhaltige Steine, der Abgang ist minutenlang und betont die sauren Fruchtaromen mit hoher Intensität, dabei leicht herb.

Meine Erfahrung war bisher, daß den extraktreichen Weinen das in 2010 mögliche Mehr an Säure in der Regel gut zu Gesicht steht. Das klappt auch hier sehr gut und macht kein bißchen müde, selbst wenn’s nicht die erste geöffnete Flasche war. Der Wein ist übrigens sicher noch lange nicht am Ende…

Meine Wertung: 2

 

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