Schön untypisch – untypisch schön

Heute war wieder Südtirol dran, diesmal etwas, das schon ein bißchen älter ist:

2008er Sauvignon [blanc] – Alto Adige Terlano DOC, Manincor, Südtirol

Ich mag Sauvignon Blancs eigentlich sehr gerne, insbesondere dann, wenn sie nicht nach typischem Sauvignon Blanc schmecken. Wobei ich als typisch SB jetzt mal die laute / penetrante grüne Frucht gepaart mit einer zur Grasigkeit entarteten Kräuternote nenne; jedenfalls kommen viele „trendige“ SB’s so ’rüber. Ich habe mir auch schon mal anhören müssen, daß der gerade im Glas befindliche „laute“ SB mir doch eigentlich schmecken müßte, weil der doch so schön frisch ist. Aber für mich ist Frische dann doch was anderes als das Ergebnis zu früh geernteter Trauben, die dann per Kaltvergärung zur „Frische“ getrieben wurden…

Dieser SB ist übrigens offiziell noch ein ganz konventioneller Wein. Das Gut hat -soweit ich weiß- 2005 den Entschluß gefaßt, seine gesamten gut 50 ha Rebflächen auf einen Schlag auf Biodynamik umzustellen, dieser Wein stammt also noch aus der Umstellungsphase. Es gibt ihn übrigens in der Form so nicht mehr, zumindest was die Namensgebung angeht. Wer heute von Manincor SB will, muß jetzt „Tannenberg“ sagen (oder „Lieben Aich“, wenn’s etwas teurer sein darf).

Das Goldgelb im Glas ist schon ziemlich goldgelb. Das Bukett ist einerseits recht dichtfruchtig mit leichter Honigbeigabe, andererseits riecht’s dennoch ziemlich frisch. Grüne Frucht gibt’s hier nur marginal, es herrschen reife Mirabellen, Weinbergspfirsiche und Mangos vor. Dann noch etwas Großholzduft (wobei ich gar nicht weiß, ob dieser SB wirklich Holz gesehen hat) in Form von Buchenscheiten und etwas Koriandersaat. Am Gaumen spürt man etwas mehr, daß hinter der gelben Frucht doch noch ein paar grüne Restfrüchte im Verborgenen arbeiten, dazu eine einfach vorbildliche Säure. Hier fallen am ehesten ein paar Reifenoten auf, die etwas leicht wachsiges an sich haben. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, dabei wieder reif-fruchtig und frisch zugleich, das Finale stellt dann nochmal die an sich etwas -wohltuend- zurückhaltende Würze in Szene.

Diesen SB als solchen blind zu erkennen, dürfte nicht so einfach sein; wenn man’s denn weiß, findet man die Rebsorte aber doch mit einigen ihrer Eigenschaften wieder. Es bleibt aber ein reichlich untypischer Sauvignon, was hier aber absolut nicht zum Nachteil gereicht. Großer Spaß, den ich in der Tiefe heute gar nicht erwartet hatte.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

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