Der Gehetzte der Sierra Madre…

…ist der deutsche Titel eines Spaghetti-Westerns aus dem Jahr 1966 mit Lee van Cleef in der Hauptrolle. Der englische Titel lautet „The big Gundown“ und ist namensgebend für ein früheres Album des Avantgarde-Altsaxophonisten John Zorn aus dem Jahr 1985:

John Zorn – The big Gundown – John Zorn plays the music of Ennio Morricone

Es handelt sich hier also -mit einer Ausnahme- um gecoverte Stücke des Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone, der eben auch eine ganzen Reihe von Italo-Western musikalisch bereichert hat. Allerdings handelt es sich hier nicht nur um Westernmusik, auch die Filmmusiken aus anderen Streifen wurden teils recht radikal überarbeitet. Dabei tritt John Zorn gar nicht so sehr als „Frontmann“ mit seinem eigentlichen Instrument auf, er hält sich recht weit im Hintergrund und sprenkelt eher verschiedene akustische Fetzen in den musikalischen Ablauf ein. Die Liste der insgesamt teilnehmenden Musiker ist ziemlich lang und von Track zu Track unterschiedlich, ich nenne hier nur Bill Frisell, Fred Frith, Toots Thielemans, Melvin Gibbs, Wayne Horvitz und Arto Lindsay.

Jedes Stück folgt dabei -auch beeinflußt durch die unterschiedlichen Besetzungen- anderen musikalischen Schwerpunkten, so daß man eigentlich nicht von einer durchgängigen Stilistik sprechen kann. Aber die kompositorischen Eigenheiten der Musik Morricones und die führende Hand Zorns halten dennoch das Album thematisch gut zusammen. Einige der Originale sind gleich klar erkennbar (z.B. „One upon a time in the West“ bzw. in deutsch „Spiel mir das Lied vom Tod“), bei manchen Stücken muß man sich jedoch genau konzentrieren bzw. sich auch nochmal das Original anhören, um das Thema wiederzufinden -z.B. „Giu la testa“ („Todesmelodie“). Irgendwie funktioniert Morricone in Avantgarde insgesamt ziemlich gut, die Charakteristika beider Musiker ergänzen sich scheinbar problemlos und übertünchen einander nicht. Ist allerdings stellenweise keine ganz leichte Kost, man muß es schon ein bißchen „schräg“ mögen. Aber dann sollte sich einem die Genialität dieser CD durchaus erschließen.

Meine Wertung: 4

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