Typisch Ungarn – Nachtrag

Wenn man von ungarischem Wein redet, dürfte vielen in erster Linie der „Tokajer“ aus dem gleichnamigen Anbaugebiet ganz im Nordosten des Landes einfallen. Wobei der Ruhm dieser Weinsorte hauptsächlich von den süß ausgebauten Sachen stammt, aber es gibt auch trockene Vertreter, und einen solchen haben wir heute aufgemacht:

2012er Furmint – Percze – száraz – OEM, Szent Tamás, Tokaj-Hegyalja

Übrigens lautet die Jahrgangsangabe auf dem Etikett „2012“, auf dem Korken aber „2013“. Ich weiß nicht ob das ein Versehen war oder ob in Ungarn die Zahl auf dem Korken einfach das Jahr der Abfüllung beschreibt.

Im Glas zeigt sich ein schönes Goldgelb, welches deutlich in Richtung Ocker schaut. Die Nase bekommt eine Mischung aus herben Mandarinen- und Blutorangenschalen ab, wobei ein klein bißchen Bohnerwachs mitschwingt. Am Gaumen zeigt sich die Zitrusfrucht ebenfalls leicht herb und etwas wachsig, dazu kommt einiges an exotischer Frucht wie z.B. gelbe Kaktusfeige und ebenso gelbe Kiwi, die ein bißchen reduktiv-mostig  auf einem herben Steinbett daherkommen. Ein paar Gerbstoffe (oder „weiße Tannine“) sorgen für ganz leichte Adstringenz, die Säure ist zwar deutlich, dennoch stellt sich eine leicht cremige Gesamtstruktur ein, die aber den Trinkfluß in keinster Weise hindert. Auch beim Abgang macht diese etwas gegerbte Frucht eine gute Figur, die leicht cremige Frische hält einen ziemlich lange bei Laune.

Das ist nun ein ganz eigener Charakter. Hat ein bißchen was von einem dichteren Saar-Riesling in Verbindung mit einem Chenin Blanc von der Loire und dann noch sowas experimentell österreicherisches aus dem Burgenland oder der Südsteiermark. Läuft jedenfalls extrem gut!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: auch hier lohnt es sich, nicht gleich alles auszutrinken. An der obigen Beschreibung ändert sich dem Grunde nach zwar nichts, aber so ziemlich alles wird im gleichen Verhältnis ein Stück „mehr“, der Trinkspaß leidet darunter nicht, eher im Gegenteil, die Frische bleibt. Großer Stoff!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

2 comments on “Typisch Ungarn – Nachtrag

  1. „Das ist nun ein ganz eigener Charakter. Hat ein bißchen was von einem dichteren Saar-Riesling in Verbindung mit einem Chenin Blanc von der Loire und dann noch sowas experimentell österreicherisches aus dem Burgenland oder der Südsteiermark“
    Klingt nach einer wilden und ziemlich spannenden Mischung – würde mich reizen, hatte noch nie einen trockenen Furmint aus Tokaj im Glas…
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      die Assoziationen, die ich bei diesem Wein hatte, hören sich in der Kombination schon etwas „wild“ an, tatsächlich ist der Wein für sich gesehen aber schon recht ausgewogen und harmonisch, ein „Freak-Stoff“ ist dieser trockene Tokajer in meinen Augen nicht. Wenn man andere Augen hat, vielleicht schon…
      Ungewohnt aber in jedem Fall, ich hatte in der Form noch nichts wirklich vergleichbares im Glas, insofern war es auch auch ein spannender Weinabend!
      VG Erich

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